Ehrenamt: Verbände müssen ihrer Verantwortung nachkommen

Noch ist der Breitensport nicht verloren, es gibt viel Potenzial, so Gerd Thomas: Mehrgenerationen-Teams, Eltern und eine Willkommenskultur ohne Hürden.

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Ehrenamt: Verbände müssen ihrer Verantwortung nachkommen
Susanne Amar und Gerd Thomas mit ihren Gästen Katarina Peranić (GF des Thintanks More in Common) und Ewald Lienen. Foto: FC Internationale Berlin

In Teil 1 und Teil 2 beleuchteten Susanne Amar und Gerd Thomas die Lage des Ehrenamts und geben Handlungsempfehlungen für Vereine und Verbände. Im dritten und letzten Teil geht es um Eltern, die oft als Störfaktor wahrgenommen werden. Die beiden sehen sie anders: nämlich als Chance für das Ehrenamt. Zudem geht es um Zielgruppen, Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung sowie Vielfalt, die Menschen tatsächlich erreicht. Wünsche werden auch noch geäußert.


Gerd Thomas: Die Potenziale für das Ehrenamt werden nicht ausgeschöpft, lautet einer der meistgesagten Sätze. Was heißt das konkret?

Susanne Amar: Nehmen wir mein Spezialgebiet, Eltern der im Verein spielenden Kinder und Jugendlichen. Die haben ein riesiges Interesse an einem funktionierenden Sportverein, schließlich soll es ihrem Kind so gut wie möglich gehen. Sie frühzeitig anzusprechen, einzubinden und informativ mit dem Sport sowie dem Vereinsleben vertraut zu machen, ist ein wichtiger Schritt, um sie für das Ehrenamt zu gewinnen.

Gerd Thomas: Eltern werden bei den meisten Vorständen und Jugendleitungen vor allem als Störfaktor wahrgenommen. Ich habe das früher auch so gesehen, aber durch unsere Zusammenarbeit hat bei mir ein Umdenken stattgefunden. Gehen wir nicht aufeinander zu, wird es keine Zusammenarbeit geben. Vorstände, Trainer, Eltern und Kinder wollen im Grunde dasselbe: sich wohlfühlen und möglichst erfolgreich sein. Wobei Erfolg in erster Linie immer noch in Punkten und Toren gemessen wird.

Eine gute Gemeinschaft ist ein Erfolg, den sich alle wünschen

Susanne Amar: Das gehört beim Fußball dazu. Aber definieren wir Erfolg doch einmal anders: Eine gute Gemeinschaft ist ein Erfolg, den sich alle wünschen. Also schaue ich mir an, wer was dazu beitragen kann. Was machen die Eltern oder Großeltern beruflich? Wer ist zeitlich flexibel? Wo können Fahrgemeinschaften gegründet werden? Wer kann dem Trainer beim Auf- und Abbau des Trainingsplatzes helfen? Wer organisiert die Saisonabschlussfeier? Oft bleibt der größte Teil an den Trainern hängen. Die haben den Kopf aber sowieso schon voll und müssen dringend entlastet werden. Außerdem fühlen sich alle gut, wenn sie etwas zum Erfolg der Mannschaft ihres Kindes beigetragen haben. Das müssen wir viel mehr nutzen. Wie du an dir selbst siehst, kann aus einem Fußballvater sogar ein Vereinsvorsitzender werden.

Gerd Thomas: Das stimmt. Ich wurde sehr schnell als jemand identifiziert, der helfen könnte. Der Trainer bekam heraus, dass ich schon einmal Jugendtrainer gewesen war, und hat mich sofort verpflichtet. Es gab kein Entrinnen. Als der Verein jemanden für die Öffentlichkeitsarbeit suchte, war das etwas, das ich beruflich gut kannte und womit ich dem Verein helfen konnte. Die weitere Entwicklung ist eine eigene Geschichte. Aber ich glaube, so ähnlich fangen viele Geschichten über das persönliche Ehrenamt an.

Susanne Amar: Das zeigt exemplarisch: Eltern sind nicht lästig, sie sind Potenzial. Sie sollten als Teil des Teams und des Vereins gesehen werden. Wir sollten uns immer fragen, warum sich Eltern so verhalten, wie sie es tun. Klar, die sehr Emotionalen fallen bei den Spielen auf, aber sie sind selten in der Mehrheit. Schwierige Eltern sind oft Eltern in Schwierigkeiten, weil ihnen Informationen fehlen. Sie wissen nicht, warum ein Trainer etwas macht. Und weil sie das nicht wissen, beschweren sie sich über eine Auswechslung oder die vermeintlich mangelnde Spieldauer ihres Kindes. Auch hier ist Kommunikation wichtig.

Gerd Thomas: Wir müssen den Eltern den Verein erklären und ihnen sagen: Wir brauchen euch. Für eure Kinder. Damit bekommt man fast alle. Hilfreich ist, wenn erfahrene Trainer junge Kollegen mit ihrer Erfahrung unterstützen.

Susanne Amar: Mentoring ist ganz wichtig und eigentlich einfach. Vereine sollten unbedingt Elternseiten auf ihrer Homepage haben und klar benennen: Wir brauchen und wollen eure Unterstützung, wir erklären euch auch den Mehrwert für das Team. Kinder spielen gern in gewaschenen Trikots und freuen sich, wenn der Satz vollständig ist. Schiedsrichter freuen sich, wenn sie vor dem Spiel freundlich begrüßt werden und ein bisschen Obst und ein Getränk erhalten. Wir werden nie alle Eltern erreichen, aber Elternabende sind Pflicht. Dort kann ich zum Beispiel klarmachen, dass wir keinen Einfluss auf Auswärts-Spielzeiten um 9 Uhr morgens haben.

Kinderfußball hat Einfluss auf die ganze Familie

Gerd Thomas: Das kenne ich noch aus Zeiten, als ich Kinder trainiert habe. Am Sonntag um 6 Uhr aufzustehen, ist nicht das, was ich mir zurückwünsche.

Susanne Amar: Ganz wichtig ist, den Eltern klarzumachen: Der Kinderfußball hat Einfluss auf die Familie, denn das Kind befindet sich in einem regelmäßig wiederkehrenden Ablauf mit festen Regeln. Für den Verein gilt: klare Verhältnisse schaffen und klar kommunizieren. Schon vor dem ersten Punktspiel, sogar beim Probetraining, können Eltern prüfen, ob sie das alles hinkriegen. So viel sei verraten: Fast alle kriegen das hin, dafür sorgen die Kinder schon. Dennoch: Ein Vereinsbeitritt ist immer eine Familienentscheidung. Konkrete Hinweise und Handouts helfen, die kann und sollte der Verein bei der Anmeldung beilegen.

Gerd Thomas: Nur wenige Vereine veröffentlichen klare Regeln und Umgangsformen. Dabei wäre das völlig normal. Will ich mit der Bahn wohin auch immer fahren, muss ich mich informieren: Wann fährt der Zug, wie teuer ist er, welchen Bahnsteig muss ich nehmen? Im Verein stehen die Leute oft herum und wissen nicht, was zu tun ist. Weil es ihnen niemand sagt und sie die Informationen anders als bei der Bahn nicht über das Internet bekommen.

Wichtig ist, allen zu erklären: Ihr seid Teil des Vereins. Dafür braucht es eine bessere Willkommenskultur. Eltern sollten freundlich begrüßt und für Verbesserungsvorschläge offen sein. Leuchten die uns Verantwortlichen ein, können wir sagen: Super, die Tür steht für dich offen. Mach dich an die Arbeit, wir unterstützen dich. Und schon haben wir eine neue ehrenamtliche Person gewonnen.

Susanne Amar: Eigentlich einfach, oder? Hilfreich sind Menschen im Verein, die den Club erklären. Das müssen die Trainer nicht auch noch machen. Viele Eltern glauben tatsächlich, Trainer wären angestellt. Sie machen sich keine Gedanken darüber, dass das nicht finanzierbar wäre. Denn sie kennen sich mit den Gepflogenheiten des Vereinslebens nicht aus. Wie schon oft gesagt: Ab einer gewissen Größe empfehle ich, über Angestellte oder Minijobber nachzudenken. Sind die Aufgaben klar definiert, wird das Hauptamt zu einer wichtigen Schnittstelle zum Vorstand. Ganz wichtig: Man muss transparent machen, was Hauptamt macht und machen soll. Das ist wichtig für die Akzeptanz, sonst können sich Ehrenamtliche ohne finanzielle Entschädigung benachteiligt fühlen.

Gerd Thomas: Kommen wir zu einer anderen Gruppe: die Großeltern und Babyboomer. Von denen sagt mein Freund und Bezirksbürgermeister, der früher selbst Jugendtrainer war, sie würden die künftigen Lücken im Ehrenamt schließen. Ich bin da nicht so sicher.

Die Älteren können noch aktiv etwas tun

Susanne Amar: Die Frage ist doch: Welches Engagement im Verein könnte sie überhaupt interessieren? Erst wenn ich mir darüber Gedanken gemacht habe, gehe ich mit ihnen ins Gespräch. Einfach nur zu sagen: „Hast du nicht Lust, dich zu engagieren?“ reicht nicht. Viele Boomer steigen jetzt aus dem Beruf aus. Du hast gerade auch noch dein Vorstandsamt weitergegeben und mir erzählt, dass in deinem Umfeld viele Platz für Jüngere machen, was ja gut ist. Aber die Älteren können und wollen trotzdem noch aktiv etwas machen. Sie brauchen eine andere Ansprache, sie wollen gefragt werden.

Wenn drei Leute im Vorstand aufhören, heißt das nicht, dass sie gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Aber ich muss sie ansprechen und fragen, zu was sie noch bereit wären. Sie kennen die Vereinsarbeit, dieses Wissen sollte nicht ungenutzt bleiben. Vielleicht kümmern sie sich um den Materialeinkauf, stehen als Kassenprüfer zur Verfügung, helfen beim Spielbetrieb oder wirken in Konfliktfällen als eine Art Mediator. Nicht zuletzt haben sie über die Jahre viele Kontakte zu Behörden oder Sponsoren gewonnen, auf die ein Verein nicht verzichten sollte.

Gerd Thomas: Das ist eines meiner Lieblingsthemen: das Zusammenspiel der Generationen. Viele Ältere können nicht loslassen und glauben, die Jüngeren müssten erst einmal drei Jahre lang die Satzungen und Ordnungen der Verbände studieren, bevor man ihnen ein Amt gibt. Bei dieser Herangehensweise bin ich die gleich wieder los. Wahrscheinlich gewinne ich sie nicht einmal. Dennoch sind die Gemeinsamkeiten zwischen Jüngeren und Älteren oft größer, als viele denken. Beide haben dasselbe Ziel: einen Verein, der gut funktioniert und zu dem man gern kommt. Sie sind aus denselben Gründen beigetreten, vor allem aus Leidenschaft zum Fußball.

Susanne Amar: Und so viel steht fest: Nicht nur die Jüngeren können von den Älteren lernen, sondern auch umgekehrt, gerade in technischen Dingen.

Gerd Thomas: Die jungen Leute kennen Tools, bei denen ich gar keine Lust mehr habe, den Umgang zu erlernen. Doch ich bringe etwas anderes ein: Ich kenne unglaublich viele Menschen in Sport, Politik oder Wirtschaft. Und wir Älteren haben sehr viel Erfahrung. Man muss sich nur aufeinander einlassen.

Susanne Amar: Wir sollten aus den Schubladen „jung und alt“ oder „erfahren und unerfahren“ herauskommen. Jede und jeder bringt Kompetenzen mit, die dem Vereinsleben nützen. Die Körber-Stiftung hat herausgefunden, dass rund 60 Prozent der 55- bis 65-Jährigen sich vorstellen können, im Ruhestand ein Ehrenamt zu übernehmen. Was für ein Potenzial!

Wir haben eine zu geringe Vielfaltskultur

Gerd Thomas: Auf jeden Fall. Wichtig ist, einen Deal zu finden, der beiden Seiten schmeckt. Viele Rentner sind noch sehr aktiv und wollen ihre Zeit nach dem Arbeitsleben in gutem körperlichem und geistigem Zustand genießen. Aber sie wollen nicht ständig auf Kreuzfahrt oder beim Wandern im Gebirge sein. Sie wollen sich durchaus sinnvoll betätigen.

Letzte Woche habe ich einen Mann kennengelernt – Ende fünfzig. Er hat gerade eine Schiedsrichterausbildung absolviert und meinte, er wolle den Kindern etwas zurückgeben. Nun pfeift er am Wochenende Jugendspiele. Auch wenn er nicht immer kann, kommt er trotzdem auf gut 20 Spiele pro Jahr. Er bewegt sich, hat Spaß und hat das Gefühl, etwas Gutes zu tun.

Susanne Amar: Aus der so gern zitierten intrinsischen Motivation ist eine Win-Win-Situation entstanden. Kinder, Vereine und Verband freuen sich ebenfalls.

Gerd Thomas: Ein weiteres spannendes Thema ist Vielfalt. Die Hälfte der Grundschulkinder hat einen Zuwanderungshintergrund, aber in den Gremien der Vereine und erst recht der Verbände herrschen immer noch die alten weißen Männer, um das Bild einmal zu bemühen. Wie ändern wir das?

Susanne Amar: Unser Freund Younis Kamil, Doktor der Sportsoziologie, erklärte im letzten Jahr bei der Hartplatzhelden-Konferenz, wie er sich in Gremien als Einziger mit Migrationshintergrund fühlt. Er empfindet die Atmosphäre nicht immer als offen und wohlwollend. Das ist sicher ein ernstzunehmender Ansatzpunkt. Aber Vielfalt ist noch mehr: Auch Frauen und junge Menschen fühlen sich in der klassischen Vereins- und Verbandsumgebung nicht immer willkommen. Ich liebe es, Köpfe aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen, denn durch verschiedene Perspektiven, Kompetenzen und Haltungen entsteht etwas Neues und Tragfähiges. Es braucht Offenheit im Verein. Das Signal muss lauten: Wir wollen auch neue Leute in die Gremien nehmen. Wir sind für Menschen von außen zugänglich. Die deutsche Vielfaltskultur ist nicht ausgeprägt genug. Das gilt für viele Bereiche, nicht nur im Sport, sondern in der ganzen Gesellschaft.

Die Platzhirsche müssen Revier abtreten

Gerd Thomas: Ich erlebe, dass es immer Leute braucht, die den ersten Schritt machen. Wenn sich zwei junge Frauen im Verein engagieren, folgen oft weitere. Natürlich müssen die bisherigen Platzhirsche bereit sein, etwas vom Revier abzugeben. Zudem hilft ein niedrigschwelliger Einstieg, auch wenn ich das Wort nicht mag. Aber es dürfen keine großen Hürden aufgestellt, schon gar keine Wagenburgen errichtet werden. Die Verantwortlichen sollten signalisieren: Wir meinen es ehrlich mit Vielfalt. Wir lernen gern dazu. Wir wollen die Denkweise und die innere Haltung des Vereins weiterentwickeln.

Susanne Amar: Auch hier gilt: Zielgruppen konkret ansprechen. Nur zu sagen, wir brauchen mehr Vielfalt oder mehr Ehrenamtliche, reicht nicht. Ideen und Aufgaben definieren, Hilfestellung leisten, Erfahrungen weitergeben, offen für Neues sein – darum geht es. Wir sollten auch erklären, dass nicht alle Funktionsträger Fußballverstand benötigen. Ausschreibungen in verschiedene Sprachen zu übersetzen, zeigt Respekt und Interesse an Menschen. Es gibt Vereine, die das gut machen. Sie gehen gezielt auf Leute zu und vermitteln ihnen: Wir hätten dich gern weiter im Verein. Was könntest du für unsere Gemeinschaft machen? Wie ist dein Zeitfenster?

Gerd Thomas: Ich glaube, gerade bei den Eltern verbirgt sich sehr viel Potenzial, das wir nicht kennen. Wenn sie nicht von allein auf uns zukommen, werden sie oft einfach allein gelassen. Beide Seiten denken sich dann ihren Teil, aber meistens stimmt die Vermutung gar nicht.

Susanne Amar: Auf jeden Fall können wir das Ehrenamt nicht allein verändern. Dafür brauchen wir alle: Verbände, Politik, Vereine, Eltern, Medien und viele mehr. Wichtig ist, mit den Veränderungen anzufangen und mehr Geschwindigkeit in die Transformationsprozesse zu bringen. Sehr viele Vereine schaffen es nicht mehr allein. Das muss auch DFB, DOSB und den vielen Landesverbänden klar sein. Die Funktionäre dort tragen eine große Verantwortung, das Ehrenamt zu stärken.

Veränderungen brauchen ein neues Mindset

Gerd Thomas: Ganz mein Reden. Mein Leitspruch ist: Wenn ich mich in ein Amt wählen lasse, muss ich entsprechend handeln und darf mir nicht nur die Rosinen rauspicken. Apropos: Du hast gesagt, am Ende des Gesprächs hätte ich drei Wünsche frei. Hier sind sie:

1. Die Wirtschaft sollte sich viel aktiver für die Entwicklung der Amateurvereine engagieren und beispielsweise Angestellte sponsern. Große Unternehmen können gleich mehrere Vereine unterstützen. Sie finden bei uns belastbare Auszubildende und Fachkräfte, denen wir wichtige Soft Skills vermitteln. Wir hätten also eine klassische Win-Win-Situation.

2. Viel mehr Aufmerksamkeit für das Ehrenamt, von Politik, Medien und Sportverbänden.

3. Eine öffentliche Debatte über das Ehrenamt der Zukunft. Ich hatte auf Fever Pit‘ ch bereits einen Thinktank zur Zukunft des Amateurfußballs ins Spiel gebracht. Fanden nicht alle gut, wie man mir zurückspiegelte, aber dort würde das Ehrenamt eine herausragende Rolle spielen. Denn ohne Engagement funktioniert unsere Gemeinschaft nicht. Die Diskussion darüber darf nicht hinter verschlossenen Türen geführt werden.

Die Wünsche finde ich gar nicht unerreichbar, auch wenn ihre Umsetzung eine Veränderung der Prioritäten und des Mindsets bei einigen Personen braucht.

Susanne Amar: Dann will ich auch meinen Wunschzettel nennen. Da stehen aber gleich vier Dinge drauf, wenn das in Ordnung geht:

1. Alle Vereine sollten bei Bedarf einen Organisations-Entwicklungsprozess durchführen können, um die anstehenden Herausforderungen mit Hilfe von außen zu identifizieren. Ich denke dabei vor allem an Kommunikation, denn sie ist die Basis, um belastbare Strukturen zu schaffen.

2. Die Verbände sollten ihre Maßnahmen und Angebote mit Hilfe von Fachleuten überprüfen und einem Realitätscheck unterziehen: Was brauchen Vereine wirklich? Wie sensibilisieren wir sie für notwendige Veränderungen? Wie können wir unsere Angebote erweitern und die Vereine besser erreichen?

3. Wir sollten die Vereine als Unternehmen wahrnehmen. Die Umsätze sind nicht ohne, die Herausforderungen vielerorts nicht mehr nur mit Ehrenamtlichen zu bewältigen. Ab einer bestimmten Größe gilt es, Hauptamtliche zu finden und deren Finanzierung zu sichern.

4. Wir sollten überlegen, welche kleinen Dinge wir verändern können. Das betrifft Vereine, aber auch DFB, DOSB, Landesverbände, die in der Verantwortung sind.

Es gibt so viel ehrenamtliches Potenzial. Man sollte seine Mitglieder kennen und für die vielen spannenden Menschen die richtige Ansprache wählen. Und den positiven Blick auf das Ehrenamt nicht verlieren: sich immer vor Augen halten, warum ich mich engagiere und was es mir persönlich bringt.

Gerd Thomas: Das unterschreibe ich alles. Der Sportverein der Zukunft muss entwickelt werden. Hoffnung machen mir die jungen, oft gut ausgebildeten Menschen, die Sport studieren. Das sind Fachleute, die dürfen wir nicht verlieren. Für die müssen wir Jobs schaffen. Bevor ich es vergesse: Auch die Wissenschaft kann uns helfen.

Es gibt inzwischen viele spannende Menschen, die sich mit Amateurfußball beschäftigen: ob als Denkfabrik Nachwuchsfußball, für Trainingsmethodik und Analyse, für mehr Vielfalt im Sport, für bessere Sozialkompetenz oder für Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung.

Susanne Amar: Und für die Stärkung des Ehrenamts, so wie wir es tun. Vielleicht sollten wir sie alle für den nächsten Hartplatzhelden-Kongress zusammenholen.

Gerd Thomas: Eine hervorragende Idee zum Abschluss unseres Gesprächs, das wieder sehr viel Spaß gemacht und den Horizont erweitert hat. Danke dafür.


 Zitate zum Ehrenamt

„Das Ehrenamt ist kein Luxus, den man sich leistet, sondern das Fundament unserer Demokratie.“ (Theodor Heuss)
„Demokratie lebt vom Mitmachen. Wer die Welt mitgestalten will, muss sich einmischen.“ (Johannes Rau)
„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann. Tatsächlich sind es die Einzigen, die das je getan haben.“ (Margaret Mead)
„Der Sinn des Lebens besteht darin, etwas beizutragen.“ – Albert Einstein
"Lebensfreude wächst, wenn man für andere da ist. Nicht Erfolg ist der Maßstab, sondern der Einsatz füreinander.“ – Dalai Lama
„Gemeinschaft wächst, wenn Menschen sich einsetzen.“ – Martin Luther King Jr.
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Erich Kästner)