Fünf Millionen Euro für die Zukunft des Amateurfußballs

Die Amateurvereine leisten viel, werden aber kaum gesehen. Gerd Thomas und Michi Franke wollen die Bedeutung stärken und neue Allianzen schaffen.

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Fünf Millionen Euro für die Zukunft des Amateurfußballs
Die Hartplatzhelden-Podcaster neben der Torjägerkanone der FT München-Gern. Foto: Gerd Thomas

So ein Fußball-Podcast kann in einem ziemlichen Gequatsche enden. Vor allem, wenn der eingeplante Gast kurz vorher absagt. Doch manchmal wird aus der Not eine Tugend. So geschehen in der letzten Folge des Hartplatzhelden-Podcasts. Mein Freund Michi Franke und ich mussten sie allein bestreiten.

In Süddeutschland gab es ein Fußball-Beben

Wir orientierten uns an Ereignissen und Artikeln der vergangenen Wochen. Im Süddeutschen Fußball-Verband gab es am Samstag ein echtes Beben. Die Delegierten wählten den bisherigen Präsidenten ab. Dieser ist niemand Geringerer als der erste DFB-Vizepräsident. Ronny Zimmermann, Präsident in Baden. Er unterlag seinem südbadischen Herausforderer mit 57 zu 87 Stimmen. Der neue Mann an der Spitze des SFV heißt Reinhold Brandt.

Das ist auch eine klare Ansage an den DFB-Präsidenten, denn tatsächlich könnte die Reform der Regionalligen ins Wanken geraten. Wobei niemand dem redlichen und besonnenen Bernd Neuendorf absprechen will, stets das große Ganze für den deutschen Fußball im Auge zu haben. Außer der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Rundschau und natürlich dem kicker nahm kaum jemand Notiz von dem bemerkenswerten Vorgang. Wen interessiert schon der Amateurfußball, wenn Eintracht Braunschweig am selben Tag bei Greuther Fürth antritt?

Bedeutung des Amateurfußballs viel zu gering

Womit wir bei einem der Probleme des Breitensports sind. Trotz aller Wertschöpfung und gesellschaftlichen Leistung ist seine Bedeutung in der Öffentlichkeit viel zu gering. Doch nicht nur Medien und Politik ignorieren den Amateurfußball. Auch beim DFB wirkt es, als setzten wenige Profivereine die Agenda. In einem Beitrag für die Hartplatzhelden-Kolumne auf fupa.net habe ich über die Vorkommnisse geschrieben und auf viele Herausforderungen hingewiesen. So viel sei verraten: Die Reaktionen blieben nicht aus.

Wie es sich im Fußball gehört, ergab sich eine Aufstellung mit elf Positionen. Die gingen wir Punkt für Punkt durch. Ich stellte ein Thema in den Raum. Michi stimmte zu, widersprach oder ergänzte – klug und fachlich kompetent wie immer. Zwischendrin gab es ein Novum. Wir vergaben wir die Blutgrätsche der Woche gleich zweimal: an die UEFA, mangels Gegenkandidaten zum FIFA-Mephistopheles, und an die Gewalt auf dem Spielfeld. Zuletzt wurde sie in der Dortmunder Kreisliga aufs Übelste zelebriert.

Danach kamen wir auf eine eigentlich naheliegende Idee. Die Süddeutsche Zeitung berichtete unlängst, dem DFB könnten durch den Entzug der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 rund zwanzig Millionen Euro fehlen. (Hat da jemand „Sommermärchen“ gerufen?) Die finale Rechtsprechung steht noch aus.

Fünf Millionen, die gut investiert wären

Wir überlegten: Was wäre, wenn wir ein Viertel dieser Summe für einen Thinktank zum Amateurfußball nutzen könnten? Mit fünf Millionen Euro ließe sich einiges auf die Beine stellen – wenn man bescheiden wirtschaftet, was wir können.

Die Idee: Wir versammeln progressive und zukunftsbereite Kräfte aus Vereinen, Verbänden, Wissenschaft und Wirtschaft. Vielleicht auch aus Politik und Verwaltung. Gemeinsam entwickeln wir Ideen für den Amateurfußball der Zukunft.

Eine verrückte Idee? Keineswegs. Wichtig ist nur: kein starres Korsett wie bei den DFB-Amateurkongressen, denen ich beiwohnen durfte, sondern freies Denken. Keine Idee ist zu verrückt, um geäußert zu werden. Wir könnten Best-Practice-Beispiele aus anderen Ländern und Bereichen sammeln und ihre Tauglichkeit auf unsere Zwecke überprüfen. Und vielleicht finden wir Allianzen, an die wir bisher nicht zu denken wagten.

Neue Allianzen bringen neue Möglichkeiten

Zwei Beispiele: Gelingt es uns, der Wirtschaft den positiven Einfluss der Vereinsmitgliedschaft auf Azubis und spätere Fachkräfte klarzumachen, eröffnen sich vermutlich völlig neue Möglichkeiten.

Überzeugen wir die Politik davon, dass integrative und präventive Leistungen sowie die Wertschöpfung des Amateurfußballs für die Volkswirtschaft Kosten sparen und Etats entlasten, steigt der Stellenwert des Amateurfußballs in der Prioritätenliste.

Je länger man darüber nachdenkt, desto kleiner wirkt die Summe von fünf Millionen Euro. Und sollte sich der DFB nicht durchringen können, was ein Fehler wäre: Alternativ könnten wir uns eine gemeinschaftliche CSR-Aktion der Fußballprofis vorstellen. Bei angenommenen 500 Bundesligaspielern inklusive Trainerstäben kämen pro Person 10.000 Euro zusammen. Die ließen sich sogar als Spende von der Steuer absetzen. Selten war es leichter, etwas gegen das Vorurteil der überbezahlten Stars zu tun.