Weltmeister melden sich zurück: Der DFB muss erst wissen, was er sucht

Mertesacker signalisiert Bereitschaft, Hummels analysiert, Schweinsteiger nickt, Lahm winkt ab. Erst die Rolle definieren, dann den Namen wählen.

Teilen
Weltmeister melden sich zurück: Der DFB muss erst wissen, was er sucht
IMAGO/Jan Huebner

Per Mertesacker hat am späten Freitagabend im ZDF einen Satz gesagt, den man beim DFB genau gelesen haben dürfte. „Irgendwie mal beim DFB zu arbeiten, dem deutschen Fußball, dem ich auch so viel zu verdanken habe, mal was zurückzugeben, wenn das gewünscht ist – dafür stehe ich natürlich zur Verfügung." Das ist keine Bewerbung, aber es ist mehr als ein Höflichkeitssatz. Es ist die Ansage eines Weltmeisters von 2014, dass er sich eine Rolle vorstellen kann. Und es ist die Frage, wer beim Verband bereit wäre, ihn zu rufen. Mertesacker schiebt dem eigenen Angebot sofort eine Bremse hinterher, und das ehrt ihn. Erst das Turnier zuende bringen, dann Urlaub, dann reflektieren. Fünfzehn Jahre beim FC Arsenal, davon acht in der dortigen Akademie, sind nicht in vier Wochen abzuschütteln, und wer aus der Nachwuchsarbeit eines großen europäischen Klubs kommt, weiß, dass Strukturen mehr Geduld verlangen als Personalien. Am ehesten, heißt es, käme für ihn das Amt des Sportdirektors infrage. Ein Amt, das beim DFB traditionell mehr ist als ein Titel: Es ist die Schnittstelle, an der sich entscheidet, ob ein Verband einen Plan hat oder nur Termine. Dass Mertesacker nicht allein steht, ist das eigentlich Bemerkenswerte an diesen Tagen nach dem WM-Aus. Die Weltmeister von 2014 melden sich zurück, und sie tun es unterschiedlich laut. Mats Hummels hat sich im Turnierverlauf bei MagentaTV mit scharfen Analysen hervorgetan – Sätze, die man beim Verband nicht überhört haben wird. Bastian Schweinsteiger, inzwischen ARD-Experte, hat erklärt, er werde sich „nicht drücken". Das ist, in der zurückhaltenden Diktion eines Schweinsteiger, nahezu ein Versprechen. Philipp Lahm dagegen hat klargemacht, dass er sich derzeit nicht beim DFB sieht. Auch das gehört zur Wahrheit dieses Generationenwechsels: Nicht jeder, der könnte, will. Und nicht jeder, der will, passt. Ein Verband, der nach einem WM-Aus über strukturelle Neuaufstellung nachdenkt, muss beide Realitäten aushalten – die der Verfügbaren und die der Absagen. Es reicht nicht, aus einem Kader von 2014 vier Namen zu ziehen und zu hoffen, dass daraus ein Gremium wird. Offen ist ohnehin, wohin der Weg des DFB nach der Trennung vom Bundestrainer überhaupt führt. Ob der Verband einen neuen Sportdirektor sucht, ist bislang nicht beantwortet. Zur Zukunft von Rudi Völler, der eng an Nagelsmann gebunden war, hat sich bisher weder Völler selbst noch der Verband geäußert. Das Schweigen ist in solchen Momenten selten strategisch und meistens ratlos. Wer eine Position wie die des Sportdirektors neu denken will, muss zuerst wissen, ob man sie überhaupt neu besetzen möchte – und mit welchem Zuschnitt. Insofern ist der Freitagabend im ZDF nicht der Beginn einer Personalentscheidung, sondern der Beginn einer Debatte. Mertesacker hat sich zur Verfügung gestellt, Hummels analysiert, Schweinsteiger signalisiert, Lahm winkt ab. Der DFB muss jetzt formulieren, was er sucht, bevor er auswählt, wen er nimmt. Alles andere wäre die alte Reihenfolge: erst der Name, dann die Rolle. Genau die hat den Verband in die Lage gebracht, in der er heute ist.