Der DFB reist zu Klopp: eine Geste, die Red Bull entscheiden lässt
Neuendorf und Watzke fliegen persönlich nach New York. Doch die eigentliche Hürde liegt bei einem Vertrag, den sie selbst nicht auflösen können.
Es hat sich einiges verschoben in dieser Woche, und man muss die Bewegung nüchtern beschreiben, bevor man sie bewertet. Julian Nagelsmann ist als Bundestrainer zurückgetreten, der DFB hat noch am Freitag Gespräche mit Jürgen Klopp angekündigt, und Klopp selbst hat am Abend seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt. Nun berichtet die Bild-Zeitung, dass DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Bundesliga-Präsident Hans-Joachim Watzke innerhalb der kommenden zehn Tage in die USA fliegen wollen, um mit Klopp zu sprechen. Auf SID-Anfrage teilte der Verband am Samstagmorgen mit, "keine Wasserstandsmeldungen" zu verkünden.
Halten wir fest: Ein Präsident und ein Ligachef setzen sich in ein Flugzeug, um mit einem Trainer zu reden, der derzeit für MagentaTV in New York als WM-Experte am Mikrofon sitzt. Das ist keine Routine, das ist eine bewusst gesetzte Geste. Der DFB signalisiert damit, dass Klopp nicht bloß eine Option unter mehreren ist, sondern der Name, den man zuerst kontaktiert, wenn eine Stelle frei wird. Und die Formulierung, man wolle "gegenseitige Vorstellungen austauschen", lässt bewusst offen, wie weit man am Ende zusammenkommt.
Denn so charmant der Vorstoß aussieht, so heikel ist die Grundkonstellation. Klopp ist Fußball-Chef des Red-Bull-Konzerns, und für eine Einigung müsste er diesen Vertrag auflösen. Das ist der Punkt, an dem die Gespräche in New York schnell konkret werden dürften, und es ist der Punkt, an dem der DFB die geringste Handhabe hat. Ob Red Bull mitspielt, ob Klopp selbst diesen Schnitt wirklich will, ob es womöglich eine Übergangslösung geben kann: All das ist offen. Neuendorf und Watzke werden Antworten mitbringen müssen, aber sie werden nicht alle Antworten selbst geben können.
Interessant ist, dass der DFB die diplomatische Choreografie diesmal ernst nimmt. Man schickt nicht einen Abgesandten, sondern zwei der wichtigsten Funktionäre des deutschen Fußballs. Das ist kein Sondierungsgespräch auf Arbeitsebene, das ist eine Chefsache im Wortsinn. Wer so anreist, macht deutlich, dass er im Fall einer Einigung auch selbst dafür einstehen will, und wer so anreist, kann sich bei einer Absage nicht mehr hinter Zwischenebenen verstecken. Diese Klarheit ist ein Fortschritt gegenüber früheren Trainerdebatten, die der Verband gern über Bande gespielt hat.
Klopps öffentliche Bereitschaft ist dabei keine Zusage, sondern eine Türöffnung. Sie erlaubt es dem DFB, das Gespräch überhaupt zu führen, ohne sich vorab eine Absage einzufangen. Zugleich verpflichtet sie Klopp zu nichts, was über die grundsätzliche Ebene hinausgeht. Wer die vergangenen Jahre verfolgt hat, weiß, wie sorgfältig er solche Formulierungen wählt. "Grundsätzliche Bereitschaft" heißt eben nicht: Ich komme. Es heißt: Wir können reden.
Was bleibt, ist ein Zwischenstand mit offenem Ausgang. Der DFB hat den Wunschkandidaten benannt, dieser hat die Tür geöffnet, und in den kommenden zehn Tagen wird man in New York klären, ob aus einer Möglichkeit ein Plan wird. Alles Weitere hängt an einem Vertrag, den zwei Männer aus Frankfurt nicht auflösen können. Das ist die eigentliche Nachricht dieses Wochenendes, und sie ist realistischer, als es die Reiseplanung vermuten lässt.