MLS-Gehaltsreport: Thomas Müller als ein Fünftel Messi
Lionel Messi ist in den USA das Maß aller Dinge. Son verdient weniger als die Hälfte, Müller ein Fünftel, Reus nicht einmal ein Fünfzigstel. Die Liga taxiert ihre Stars erstaunlich genau.
Die MLS ist längst kein Experimentierfeld mehr, sondern eine Bühne, auf der Europas Spätkarrieren weiterlaufen. Der am Dienstag von der MLS-Spielervereinigung veröffentlichte Gehaltsreport liest sich wie eine Preisliste für Bekanntheit, nicht wie eine Rangliste nach aktuellem Leistungsvermögen. Und an der Spitze steht, wie schon seit seinem Wechsel nach Florida, Lionel Messi. Der Argentinier verdient bei Inter Miami ein Grundgehalt von 25 Millionen Dollar – eine Summe, die den Abstand zum Rest der Liga zementiert. Mehr als doppelt so viel wie der Zweitplatzierte: Heung-Min Son kommt beim Los Angeles FC auf 10,36 Millionen Dollar. Schon hier zeigt sich, wie die Liga ihre Zugpferde taxiert. Der Südkoreaner ist ein Weltklassespieler mit europäischer Spitzenkarriere, und trotzdem beträgt sein Grundgehalt nicht einmal die Hälfte dessen, was Messi allein vom Klub bekommt. Rechnet man die durch die Verträge garantierten Einnahmen hinzu, also Zusatzzahlungen wie einen Bonus für die Vertragsunterschrift, landet Messi bei 28,33 Millionen Dollar im Jahr. Zwei Spieler, zwei Welten – obwohl sie in derselben Liga antreten. Dahinter öffnet sich die eigentliche Erzählung dieses Reports. Thomas Müller, der erst im Sommer nach München zu den Vancouver Whitecaps gewechselt ist, kommt auf ein Grundgehalt von 5 Millionen Dollar und rangiert damit auf Platz neun. Inklusive Zusatzzahlungen sind es 5,152 Millionen. Das ist ordentlich, aber eben ungefähr ein Fünftel dessen, was Messi kassiert. Der deutsche Ex-Weltmeister, Gesicht einer ganzen Bundesliga-Ära, ist in der MLS ein Posten unter vielen – gut dotiert, nicht mehr. Timo Werner reiht sich bei den San Jose Earthquakes mit 3,73 Millionen Dollar ein, der Stürmer Hany Mukhtar wird beim SC Nashville mit 4 Millionen Dollar entlohnt. Und dann ist da Marco Reus, der bei Los Angeles Galaxy nur knapp über 600.000 Dollar verdient. Das ist die eigentlich interessante Zahl dieses Reports. Reus, jahrelang eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fußballs, bekommt in der MLS weniger als ein Fünfzigstel dessen, was Messi an Grundgehalt erhält. Bekanntheit, so lehrt diese Liste, ist kein verlässlicher Maßstab für das, was am Ende auf dem Gehaltszettel steht. Die Lehre aus diesem Report ist nüchterner, als es das Spitzenniveau am oberen Ende suggeriert. Die MLS hat nicht ein Modell, sondern mehrere parallele: Sie finanziert einen globalen Superstar wie Messi nach eigenen Regeln, zahlt Spielern wie Son Marktpreise, die immerhin im zweistelligen Millionenbereich liegen, und nimmt europäische Namen auf, die zwischen vier und fünf Millionen Dollar rangieren. Darunter beginnt bereits die Zone, in der selbst prominente Spieler nicht mehr automatisch nach Prominentenmaß bezahlt werden. Reus ist dafür das prägnanteste Beispiel. Was bleibt, ist ein Zahlenbild, das die Gewichte der Liga offenlegt. Messi ist die Ausnahme, für die Inter Miami bereit war, die Logik des gesamten Gehaltsgefüges aufzubrechen. Müller, Werner und Mukhtar sind solide eingepreist, Son ist das seriöse Premium-Segment darunter. Und Reus zeigt, dass auch große europäische Namen in der MLS zu Konditionen unterschreiben, die mit ihrer früheren Klasse wenig zu tun haben. Der Report liest sich damit weniger als Ranking denn als Momentaufnahme einer Liga, die ihre Stars sehr genau zu unterscheiden weiß.