Sané vor der WM-Nominierung: Nagelsmann setzt auf ihn, die Fans schreiben ihn ab

Der Bundestrainer hat Leroy Sané rehabilitiert, die Fans nicht: Im WM-Barometer landet der Galatasaray-Star auf Platz 33 – hinter einem Eintracht-Linksverteidiger, der seit Oktober A-Nationalspieler ist.

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Sané vor der WM-Nominierung: Nagelsmann setzt auf ihn, die Fans schreiben ihn ab
Foto: Imago / Maximilian Koch

Bundestrainer Julian Nagelsmann hat Leroy Sané im November 2025 zurück ins DFB-Team geholt und ihm öffentlich die Stange gehalten: „Er hat sich seine Nominierung mit guten Leistungen in der Champions League und der Süper Lig erarbeitet." Im März 2026 die nächste Berufung, dazu Einsätze gegen die Schweiz und Ghana. Die Bundesliga-Fans folgen der Sané-Rehabilitierung nicht. Im repräsentativen WM-Barometer, für das 6.528 Fans befragt wurden, landet der Galatasaray-Star nur auf Platz 33 mit 23,77 Prozent Zustimmung. Das Kuriose: Vor ihm steht Nathaniel Brown, ein 22-jähriger Eintracht-Linksverteidiger, der erst im Oktober 2025 erstmals in ein A-Aufgebot berufen wurde.

Im Detail vor Sané: Brown auf Platz 28 (28,84 %), Julian Brandt (BVB, 27,10 %), Niclas Füllkrug (AC Mailand, 26,96 %), Antonio Rüdiger (Real Madrid, 26,23 %), Ridle Baku (RB Leipzig, 23,91 %). Hinter Sané stehen im Ranking nur noch Tim Kleindienst (Gladbach) und Malick Thiaw (Newcastle). Ein Spieler mit über 70 Länderspielen, in der Süper-Lig-Saison mit sieben Toren und fünf Assists in 2.197 Minuten, landet damit hinter Spielern, deren Namen vor wenigen Monaten in keiner WM-Debatte vorkamen.

Das Misstrauen ist nicht statistisch erklärbar. Sanés Galatasaray-Saison ist solide, in der Champions League hat er getroffen, in Istanbul ist er Stammkraft. Was die Fans honorieren wollen, fehlt offenbar trotzdem: Konstanz. Die Wahrnehmung, dass Sané in entscheidenden Momenten verschwindet. Galatasaray sollte für Sané das WM-Schaufenster werden – die Bundesliga-Fans schauen nicht hin oder sehen nicht, was Nagelsmann sieht.

Nagelsmann hat seine Sané-Politik im März 2026 selbst relativiert. Vor dem Ghana-Test sagte er: „Die Tür ist für niemanden geschlossen, der nicht dabei ist, aber für die, die dabei sind, nicht dauerhaft offen. Man muss das bestätigen." Auch Sané, so der Bundestrainer, müsse sein Niveau regelmäßig abrufen. Das war keine Comeback-Garantie. Das war eine Mahnung. Die Fans haben die Mahnung offenbar härter gelesen als Sané selbst.

Was das für den 21. Mai bedeutet: Wenn Nagelsmann Sané nominiert – und vieles spricht dafür –, dann gegen die Stimmung. Die Fans haben einen 22-jährigen Eintracht-Verteidiger vor ihn gesetzt, der vor wenigen Monaten noch nicht im A-Aufgebot stand. Sie haben einen Mailand-Leihstürmer vor ihn gesetzt und einen Real-Madrid-Verteidiger. Wenn Nagelsmann recht behält, ist Sané in den USA der Unterschiedsspieler, den keiner erwartet hat. Wenn die Fans recht behalten, ist er das, was sie schon im Mai gesehen haben: ein Platz 33.