Khedira zu Real Madrid: Der Quereinstieg, den sich Mourinho persönlich wünscht

Ohne einen Tag im Trainerstab soll der Weltmeister von 2014 direkt auf die größte Bühne springen. Loyalität wirkt hier stärker als jeder klassische Karriereweg.

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Khedira zu Real Madrid: Der Quereinstieg, den sich Mourinho persönlich wünscht
IMAGO/HMB-Media

Es gibt Personalien, die liest man zweimal, weil sie zu rund klingen, um wahr zu sein. Sami Khedira soll bei Real Madrid Co-Trainer unter José Mourinho werden, das berichten The Athletic und die Marca übereinstimmend. Die Gespräche sollen weit fortgeschritten sein, eine Entscheidung Khediras steht laut den Berichten allerdings noch aus. Mourinho selbst, heißt es, habe den 38-Jährigen als Assistenten zurück in die spanische Hauptstadt holen wollen.

Wer ein bisschen länger auf dieses Tableau schaut, erkennt die Symmetrie. 2010 kamen Mourinho und Khedira zeitgleich zu den Königlichen, der eine als Trainer mit Ruf, der andere als Mittelfeldspieler aus Stuttgart mit frischem WM-Halbfinale in den Beinen. In ihrer gemeinsamen Premierensaison gewannen sie das spanische Double. Khedira war unter Mourinho gesetzt, also nicht irgendein Profi im Kader, sondern ein Stammspieler in dessen System. Wenn aus diesem Verhältnis nun ein zweites wird, diesmal auf der Bank, dann ist das mehr als nur ein hübsches biografisches Echo.

Es ist auch ein bemerkenswerter Schritt für einen deutschen Ex-Profi, der bisher keinen Tag im Trainerstab gearbeitet hat. 2021 wurde bekannt, dass Khedira sich um eine Trainerlizenz bemüht. Nach dem Karriereende im selben Sommer war er knapp eine Saison als Berater des Managements beim VfB Stuttgart tätig, seither arbeitet er als TV-Experte. Das ist kein klassischer Trainerweg, eher der eines Mannes, der sich Optionen offenhält. Dass die erste reale Option ausgerechnet Real Madrid heißt, überspringt mehrere Stufen, die andere Kollegen mühsam in Regionalligen oder U-Mannschaften erklimmen.

Genau hier liegt der interessante Punkt. Khedira würde auf der größten denkbaren Bühne anfangen, bei einem Klub, dessen interne Mechanik er als Spieler kennengelernt hat, unter einem Cheftrainer, mit dem er bereits gearbeitet hat. Mourinho hat in Madrid einen Vertrag bis 2029, er nimmt am 13. Juli die Vorbereitung auf, und neben Khedira wurde laut den Berichten auch der frühere Teamkollege Pepe für den Staff gehandelt. Es entsteht das Bild eines Trainerteams, das sich aus dem Personal von 2010 und 2011 speist, jener Mannschaft also, die Mourinho in seiner ersten Madrider Saison formte. Loyalität ist im Fußball eine seltene Währung, sie scheint hier eingelöst zu werden.

Für die Wahrnehmung deutscher Trainerkarrieren wäre das ein Sonderfall. Die Mehrheit der Rio-Weltmeister hat sich entweder in den Medien eingerichtet, oder sie tasten sich vorsichtig an erste Cheftrainerposten heran. Khedira würde keinen dieser Wege wählen, sondern direkt als Assistent in eines der prestigeträchtigsten Projekte des europäischen Vereinsfußballs einsteigen. Ob ihn das auf Dauer als Cheftrainer empfiehlt oder ob er in der Rolle des Spezialisten an Mourinhos Seite bleibt, lässt sich aus heutiger Sicht nicht sagen. Erst einmal müsste er die Entscheidung treffen.

Und die ist offen. The Athletic und Marca formulieren vorsichtig, was bei Personalien dieser Größenordnung meist heißt, dass am Ende auch noch etwas anderes herauskommen kann. Sollte Khedira zusagen, beginnt für ihn ein Berufsleben, für das ihn weder die TV-Studios noch die kurze Stuttgarter Beraterzeit besonders vorbereitet haben. Dass Mourinho ihn trotzdem will, ist die eigentliche Auskunft dieser Geschichte.