Was ist ein uninteressantes WM-Spiel?

Der UEFA-Chef sortiert Partien nach Relevanz, bevor sie angepfiffen sind. Die Replik aus Afrika, der Karibik und Asien kommt ohne Pathos aus.

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Was ist ein uninteressantes WM-Spiel?
IMAGO/Nicolo Campo

Aleksander Ceferin hat ein Talent dafür, Sätze zu formulieren, die hängen bleiben. Der UEFA-Präsident sagte laut der slowenischen Zeitung Delo mit Blick auf das WM-Format: "Wir haben viele Spiele, die völlig uninteressant sind." Es ist eine Bemerkung, die man als Branchenkritik lesen kann, als Skepsis gegenüber der FIFA-Linie, vielleicht sogar als ehrliches Eingeständnis eines Funktionärs, der sieht, wohin die Inflation der Spiele führt. Nur hört sie sich, je nachdem von welchem Punkt der Welt aus man sie hört, sehr unterschiedlich an.

Aus Praia, Willemstad, Taschkent oder Kinshasa klingt sie nämlich nicht nach Branchenkritik, sondern nach Herabsetzung. Dreizehn Verbände haben am Sonntag eine Stellungnahme unterzeichnet, die in dieser Klarheit selten ist: Kap Verde, Curaçao, Usbekistan, DR Kongo, Haiti, Algerien, Tunesien, Marokko, Ägypten, Ghana, Senegal, die Elfenbeinküste und Südafrika. Sie nennen Ceferins Aussage "zutiefst enttäuschend" und schreiben, für ihre Länder gebe es "kein unwichtiges WM-Spiel". Wer behaupte, einzelne Partien seien weniger wichtig, der verkenne "die Anstrengungen, Opfer und Hoffnungen von Spielern, Trainern, Vereinen, Fußballfunktionären und Fans weltweit". Der Fußball gehöre "nicht einer ausgewählten Gruppe von Nationen".

Man muss diese Antwort ernst nehmen, weil sie eine Wertfrage stellt, der die europäische Funktionärselite gerne ausweicht. Was ist eigentlich ein interessantes Spiel? Eines, in dem zwei Topverbände um Quoten und TV-Erlöse spielen? Oder eines, in dem ein Land zum ersten Mal überhaupt bei einer Weltmeisterschaft auf dem Rasen steht? Die unterzeichnenden Verbände formulieren ihren Widerspruch "respektvoll, aber entschieden", und genau diese Tonlage macht den Vorgang so bemerkenswert. Es ist kein Wutausbruch, es ist eine Erinnerung daran, dass die FIFA 211 Mitgliedsverbände hat und nicht nur jene zwei Dutzend, die das Geschäft tragen.

Ceferin hat laut einem weiteren slowenischen Medium übrigens auch gesagt, selbst kleine Länder könnten nun teilnehmen und "die Atmosphäre einer Weltmeisterschaft spüren, was eine große Sache ist". Es ist der mildere Halbsatz, der die Schärfe des ersten nicht aufhebt. Denn wer Teilnahme als Atmosphäre-Schnuppern beschreibt, definiert sportliche Relevanz von oben herab und reicht den anderen das Eintrittsticket wie ein Geschenk. Genau gegen diesen Ton wendet sich die Erklärung der dreizehn Verbände.

Die Debatte ist deshalb mehr als ein Format-Streit. Die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada findet erstmals mit 48 Teams statt, und in der FIFA wird bereits über eine erneute Erhöhung auf 64 Mannschaften zur Jubiläums-WM 2030 diskutiert. Man kann all das für übertrieben halten, man kann darin die Aufweichung des sportlichen Niveaus sehen, man kann ökonomische Motive vermuten. Aber man sollte die Argumentation nicht damit beginnen, dass man bestimmte Spiele für uninteressant erklärt, bevor sie überhaupt angepfiffen sind. Das ist nicht nur kommunikativ unklug, das ist auch sportlich unhaltbar.

Ceferin ist UEFA-Chef und zugleich Vizepräsident der FIFA. In dieser Doppelrolle wird man genauer hinhören müssen, an welche Adressaten er spricht. Die dreizehn Verbände haben ihm jetzt eine deutliche Antwort gegeben. Sie wirkt, weil sie ohne Pathos auskommt – und weil sie aus genau jenen Ländern kommt, die im Funktionärsalltag des europäischen Fußballs sonst leicht zu überhören sind.