Italien holt Paolo Maldini: Ein großer Name gegen ein Systemversagen
Dreimal die WM verpasst, jetzt soll eine Ikone den Neuaufbau leiten. Doch verdeckt Strahlkraft nur, was an den Fundamenten fehlt?
Dreimal in Folge die WM verpasst: Das ist keine Delle mehr, das ist ein Systemversagen. Ein viermaliger Weltmeister, der bei drei Turnieren hintereinander schon in der Qualifikation hängenbleibt, hat kein Imageproblem, sondern ein strukturelles. Und genau hier setzt die FIGC nun an — mit einem Namen. Paolo Maldini, 58 Jahre alt, 647 Serie-A-Spiele für die AC Mailand, soll als Technischer Direktor den Neuaufbau der Squadra Azzurra leiten. Verbandschef Giovanni Malagò hat den Coup am Samstag verkündet, als sei die halbe Miete damit schon bezahlt.
Man versteht den Reflex. Wenn der eigene Fußball am Boden liegt, greift man nach der Ikone, deren Aura noch aus besseren Tagen strahlt. Maldini ist Weltruf in Person, und ihm zur Seite steht mit Leonardo, dem ehemaligen Sportdirektor von Paris Saint-Germain, ein weiterer klingender Name. Zwei Männer mit Vergangenheit, denen man zutraut, dass sie die Türen öffnen, an die andere klopfen müssten. Nur: Türen öffnen ist das eine. Ein Verband reparieren, der drei WM-Zyklen lang gescheitert ist, das andere.
Denn die Frage, die über dieser Personalie schwebt, ist unbequem. Ersetzt Strahlkraft die Arbeit an den Fundamenten? Maldinis Referenz ist die AC Mailand, wo er von 2019 bis 2023 als Technischer Direktor tätig war und zuvor als Direktor für strategische Entwicklung. Ein Klub ist aber kein nationaler Verband. Beim Klub kaufst du Lösungen ein, beim Nationalteam musst du sie über Jahre ausbilden. Wer Italien zur WM 2030 führen will, arbeitet nicht am Transfermarkt, sondern an der Basis eines ganzen Fußballlandes — und dafür gibt es in Maldinis Vita bislang keinen Beleg.
Bezeichnend ist, womit das neue Duo beginnt: mit der Wahl des Nationaltrainers. Im Gespräch sind Roberto Mancini, der Italien 2021 zum Europameister machte, und Antonio Conte — beide haben die Squadra Azzurra bereits betreut. Das ist die naheliegende erste Aufgabe, keine Frage. Aber es ist auch eine Rückwärtsbewegung. Man greift nach Trainern, die schon da waren, unter einem Direktor, der die Nationalelf noch nie geführt hat. Die Erneuerung beginnt mit vertrauten Gesichtern, und das ist selten der Stoff, aus dem echte Zäsuren entstehen.
Missverstehen wir das nicht: Maldini kann ein Gewinn sein. Sein Standing verschafft ihm Autorität, die ein anonymer Funktionär erst mühsam erkämpfen müsste. Doch Autorität ist Kredit, kein Ergebnis. Das Hauptziel heißt WM 2030, und bis dahin wird sich zeigen, ob dieser Verband mehr wollte als einen Namen auf dem Türschild. Wenn Maldini den Neuaufbau tatsächlich strukturell anlegt und nicht nur die nächste Trainerfrage moderiert, kann daraus etwas werden.
Die FIGC hat sich für die Antwort entschieden, die am hellsten leuchtet. Ob sie auch die richtige ist, entscheidet sich nicht in der Pressekonferenz, sondern in der Qualifikation. Drei Fehlversuche in Serie duldet kein viertes Alibi. Ein großer Name kitten keine kaputten Strukturen: Er kann sie höchstens verdecken, bis das nächste Scheitern sie wieder freilegt.
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