Albert Rieras Selbstbild: Immer die anderen sind schuld

Ein Trainer scheitert am Main, findet keinen Fehler bei sich – und darf beim serbischen Rekordmeister von vorn beginnen.

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Albert Rieras Selbstbild: Immer die anderen sind schuld
IMAGO/HJS

Kein einziger Spieler, den er mitnehmen würde. So hat Albert Riera im Juni über die Mannschaft geurteilt, mit der er als Trainer von Eintracht Frankfurt gescheitert war. „Es liegt nicht daran, dass Frankfurt schlechte Spieler hat, ganz im Gegenteil“, sagte der 44-Jährige, „aber es gibt keinen einzigen Spieler in dieser Mannschaft, den ich für mein nächstes Projekt mitnehmen würde.“ Ein Kader, gut genug für den Satz „ganz im Gegenteil“, aber zu schlecht für Riera – diese Rechnung geht nur auf, wenn der Trainer sich selbst aus der Bilanz streicht.

An diesem Freitag hat er sein nächstes Projekt gefunden: Roter Stern Belgrad, serbischer Rekordmeister, Vertrag über zwei Jahre. Und mit dem neuen Job kehrt die alte Frage zurück, die Rieras kurze Zeit am Main überschattet hat: Was lernt ein Trainer aus dem Scheitern, der die Schuld dafür so entschlossen bei allen anderen sucht?

Die Chronologie spricht nicht für ihn. Anfang Februar übernahm Riera die Eintracht nach der Freistellung des langjährigen Erfolgstrainers Dino Toppmöller. Am Saisonende stand Platz acht, und Riera musste gehen – nicht nur wegen sportlicher Defizite, sondern auch wegen interner Unstimmigkeiten, die man dem Exzentriker zur Last legte. Der frühere Liverpool-Profi fiel in Frankfurt regelmäßig mit skurrilen Äußerungen in Pressekonferenzen auf. Ein Trainer, der übernommen wird und ein halbes Jahr später als Achter freigestellt ist, hat vieles zu verantworten. Bei Riera klingt es, als hätte er nichts damit zu tun gehabt.

Denn er trat später gegen seinen Ex-Klub nach, an seinen früheren Spielern ließ er kein gutes Haar. Wer eine Mannschaft für so gut hält, dass er ihr keinen schlechten Spieler zugesteht, und zugleich für so schlecht, dass er keinen einzigen behalten will, der beschreibt kein Team – der beschreibt sich selbst als den einzig Unbeteiligten am eigenen Scheitern.

Man kann das auch anders lesen. Ein Rekordmeister holt einen erfahrenen, selbstbewussten Trainer, gibt ihm zwei Jahre und damit eine ehrliche zweite Chance; sein scharfes Wort über Frankfurt mag Klartext sein statt Hochmut, und Klartext ist im Trainergeschäft selten geworden. Selbstbewusstsein trägt einen Trainer durch schwere Wochen, und wer nach einer verunglückten Halbserie sofort wieder gebraucht wird, kann so falsch nicht liegen.

Nur passt der Zeitpunkt seines Neustarts zu genau ins Muster. Riera beerbt Dejan Stanković, der mit Belgrad in dieser Woche in der Champions-League-Qualifikation gegen Hapoel Beer Sheva gescheitert und im Anschluss zurückgetreten ist. Ein Trainer geht, weil er sich für den Misserfolg verantwortlich fühlt – der nächste kommt, der im eigenen Misserfolg keinen einzigen brauchbaren Baustein gefunden haben will. Zwei Reaktionen auf dasselbe Scheitern, und Belgrad hat sich für die bequemere entschieden.

Wer nach einer Freistellung öffentlich erklärt, alle Spieler seien austauschbar, nur er nicht, der hat aus dem Scheitern das Falsche gelernt. Für den Trainer ist ein Kader, der versagt, immer der Kader der anderen. Roter Stern bekommt keinen geläuterten Riera, sondern denselben, der drei Monate nach Frankfurt noch überzeugt ist, dort habe nur einer keinen Fehler gemacht.

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