Zurück zum Leistungsprinzip: DFB knüpft Rekordprämie an den fünften Stern
Nach zwei Vorrunden-Aus gibt es keine Festbeträge mehr. Der Verband zahlt nur, wenn das Team liefert – und das Team will genau das.
Es gibt diese Momente, in denen sich der deutsche Fußball selbst beim Rechnen zusieht. Andreas Rettig, Geschäftsführer beim DFB, hat einen Satz gesagt, der wie ein Versprechen klingt und doch eine Bedingung ist: „Wenn die Mannschaft Weltmeister wird, gibt es mehr als in Katar, weil deutlich mehr reinkommt." Eine konkrete Zahl nennt der Verband nicht, aber die Richtung ist klar. Der fünfte Stern, wenn er denn bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada geholt wird, würde jedem Spieler eine Rekordprämie einbringen.
Zur Einordnung: 2022 hätte der Titel jedem Nationalspieler 400.000 Euro gebracht – nur kam er nicht. Die Mannschaft schied in der Vorrunde aus, wie schon 2018 in Russland. 2014, in Brasilien, lag die Prämie bei 300.000 Euro pro Spieler, und damals wurde sie auch ausgezahlt. Das ist die nüchterne Linie, an der man die Frage messen muss: Der DFB hat die Auszahlung stets an den sportlichen Erfolg gekoppelt, und genau dort liegt der Reiz dieser Konstruktion.
Bemerkenswert ist, was Rettig über die Verhandlungen sagt: Es habe „keine harten Verhandlungen" gegeben mit der Mannschaft um Kapitän Joshua Kimmich. Bei einem frühen Aus gehe die Prämie „gegen null". Stattdessen, so der Geschäftsführer, sei der Wunsch des Teams gewesen: „Dafür wollen wir hinten raus, wenn wir Weltmeister werden, einen Schnaps mehr."
Man kann darin auch eine Antwort auf zwei verlorene Turniere lesen. Wer zweimal in der Vorrunde ausscheidet, hat keine moralische Verhandlungsposition für Festbeträge. Die Bindung der Prämie an den Erfolg ist in dieser Lage keine Demütigung, sondern ein Bekenntnis: Wir verdienen, wenn wir liefern. Rettig erläutert die zweite Seite ebenfalls: Wegen der hohen Kosten beim Turnier und weil die FIFA-Preisgelder in Dollar ausgeschüttet werden, habe der DFB einen Puffer eingeplant. Der Grundtenor im Gespräch mit der Mannschaft sei gewesen: „Spielt Fußball und guckt, dass ihr den Titel oder Erfolge holt – und dann werden wir euch nichts vom Gehalt abziehen."
Wer den historischen Bogen weiter spannt, landet bei Zahlen, die heute fast rührend wirken. Die Helden von Bern 1954 erhielten eine Einsatzprämie von 200 D-Mark pro Spiel, für den Titel kamen 1000 Mark obendrauf. Dazu ein Fernseher, ein Lederkoffer, ein Motorroller. 1974, nach handfestem Prämienstreit im Vorfeld, gab es für Beckenbauer und seine Mitspieler 70.000 Mark und einen VW-Käfer. 1990, als der „Kaiser" die DFB-Elf als Teamchef zum Titel führte, waren es 125.000 Mark je Spieler.
Die Linie von 1000 Mark zu möglicherweise mehr als 400.000 Euro ist auch eine Geschichte des Fußballs als Wirtschaftsbetrieb. Aber die Konstruktion, die Rettig jetzt beschreibt, hält an einem alten Prinzip fest: Geld gegen Leistung, nicht Geld gegen Teilnahme. Ob die Mannschaft das einlösen kann, ist eine andere Frage. Aber das Leistungsprinzip bei der Erfolgsprämie ist ein gutes Signal.