WM in Deutschland: CDU-Politikerin setzt der FIFA mit fünf Bedingungen Grenzen

Die Sportstaatsministerin grundiert die deutsche Bewerbung politisch, bevor sie eingereicht ist. Den Anspruch muss nun der DFB über Jahre tragen.

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WM in Deutschland: CDU-Politikerin setzt der FIFA mit fünf Bedingungen Grenzen
IMAGO/Political-Moments

Christiane Schenderlein hat bei RTL und NTV getan, was Sportpolitiker selten so deutlich tun: Sie hat eine mögliche deutsche WM-Bewerbung nicht nur begrüßt, sondern auch gleich die Bedingungen mitgeliefert. „Grundsätzlich freuen wir uns über diesen Schritt. Wir sind ein Land, welches stark darin ist, große Sportveranstaltungen zu organisieren", sagte die Sportstaatsministerin und verwies dabei auf die EURO 2024 als jüngsten Beleg. Das ist die freundliche Hälfte der Botschaft. Die andere ist interessanter.

Denn Schenderlein zog im selben Atemzug eine Linie, an der man die Debatte der nächsten Jahre messen wird. Eine WM im eigenen Land werde keine reine FIFA-Show, sagte sie: „Wenn wir es im eigenen Land machen, kann man eben auch schon darauf Einfluss nehmen auf die Werte, die uns wichtig sind." Die CDU-Politikerin nannte fünf Maßstäbe, ausdrücklich und in dieser Reihenfolge: Transparenz, Zusammenhalt, Respekt, Nachhaltigkeit und die Wahrung von Menschenrechten. Das sind, in der Sprache der Politik, keine Floskeln, sondern Bedingungen.

Wer diesen Katalog liest, weiß, gegen welchen Hintergrund er gemeint ist. Die FIFA hat in den vergangenen Vergaberunden andere Prioritäten gesetzt, und genau darauf zielt die Ministerin, ohne den Weltverband direkt zu nennen. Die Botschaft ist: Wir richten gerne aus, aber nicht zu jeden Bedingungen. Das ist ein bemerkenswerter Ton, weil er die Bewerbung politisch grundiert, bevor sie überhaupt eingereicht ist. Üblicherweise verläuft die Reihenfolge umgekehrt – erst der Zuschlag, dann die Werte-Debatte, meist als Reparaturversuch.

Beim DFB ist man derweil noch in der Prüfphase. Präsident Bernd Neuendorf hat die Überlegungen bereits dem Präsidium der DFL vorgestellt, intensiv geprüft wird eine Bewerbung um 2038 oder 2042. Wahrscheinlicher ist nach bisheriger FIFA-Vergabepraxis das Jahr 2042, was den Beteiligten in Frankfurt mehr Zeit gibt, aber auch mehr Druck auflädt: Eine Bewerbung, die mit dem Etikett „Werte-WM" startet, muss diesen Anspruch über Jahre durchhalten. In einem Verband, der zuletzt nicht für stille Geschlossenheit bekannt war, ist das eine Aufgabe für sich.

Konkret wird es bei der Geografie. Verlangt sind 14 Stadien mit mindestens 40.000 Plätzen, vorgesehen sind Berlin, Leipzig, Hamburg, Hannover, Bremen, Düsseldorf, Köln, Gelsenkirchen, Dortmund, Frankfurt, Kaiserslautern, Mönchengladbach, München und Stuttgart. Das ist eine Liste, die bewusst über die WM 2006 hinausgeht. Kaiserslautern und Mönchengladbach signalisieren Fläche, eine Absage an die Konzentration auf die ganz großen Metropolen. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, wird sich an dieser Liste messen lassen müssen – an Anreisewegen, an Auslastung, an der Frage, ob 14 Spielstätten in einem Land der kurzen Wege wirklich nötig sind oder nur eine FIFA-Vorgabe erfüllen.

Es wäre die dritte Endrunde in Deutschland nach 1974 und 2006, und der Abstand zur letzten ist groß genug, um eine neue Geschichte zu schreiben. 2006 war das Sommermärchen, dessen Vergabeumstände später noch zu klären waren. 2042, sollte es so weit kommen, hätte eine andere Aufgabe: zu zeigen, dass eine WM ohne die üblichen Begleitgeräusche möglich ist. Schenderlein hat dafür den Rahmen gesetzt. Ob der DFB ihn ausfüllt, ist die nächste Frage.