Wegen Trump: EU-Abgeordnete drängen auf Infantino-Untersuchung

Eine Gruppe von Abgeordneten fordert die Prüfung der Ethikbeschwerde gegen den FIFA-Chef. Anlass ist auch die Vergabe des "Friedenspreises" an Trump.

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Wegen Trump: EU-Abgeordnete drängen auf Infantino-Untersuchung
Foto: © POOL/SID/DAN MULLAN

Zahlreiche Mitglieder des Europäischen Parlaments haben sich offenbar für eine Untersuchung der Ethikbeschwerde gegen Gianni Infantino eingesetzt - und damit den Druck während der Fußball-WM auf die FIFA erhöht. In einem Brief, über den The Athletic und Politico am Montag berichteten, drückten 50 Abgeordnete ihre Unterstützung für die Beschwerde der Organisation FairSquare gegen den FIFA-Boss aus. Im Fokus stehen dabei Infantinos Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump und mögliche Verstöße gegen die Neutralitätspflicht des Weltverbandschefs.

"Die WM soll die Welt vereinen. Wenn FIFA-Präsident Infantino einen Präsidenten gegenüber einem anderen bevorzugt, schadet das dem Ansehen der FIFA und des gesamten Turniers", betonte der Europaabgeordnete Barry Andrews demnach in dem Schreiben, das unter anderem von Abgeordneten aus Irland, Deutschland, Spanien, Frankreich, Belgien, Italien, Luxemburg, Dänemark, der Slowakei und den Niederlanden unterzeichnet wurde.

Gefordert wird den Berichten zufolge, dass die erstmalige Vergabe des FIFA-Friedenpreises, der ohne Rücksprache mit dem FIFA-Council um den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf im Dezember an Trump verliehen worden war, "umfassend untersucht" werde. Die Beschwerde biete der FIFA "die Gelegenheit, ihr Bekenntnis zu politischer Neutralität, Transparenz und Verantwortlichkeit unter Beweis zu stellen", hieß es.

FairSquare hatte kurz nach der Preisverleihung eine offizielle Beschwerde bei der Ethikkommission der FIFA eingereicht. Der Brief sei nun "ein äußerst bedeutender politischer Eingriff in die Aufarbeitung von Fehlverhalten bei der FIFA - einer, der das Potenzial hat, Gianni Infantino erheblich unter Druck zu setzen", sagte FairSquare-Direktor Nicholas McGeehan dem SID: "Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass er gegen die FIFA-Regularien verstoßen hat. Dass politische Entscheidungsträger sein Handeln nun genauer unter die Lupe nehmen, stellt ein ernsthaftes Problem für Infantino und die FIFA dar."

Norwegen hatte bisher als einziger Verband seine Unterstützung ausgedrückt und die Kammer des Weltverbandes zu einer Prüfung des Sachverhalts auf gefordert. Laut McGeehan bestätigte die Ethikkommission den Eingang der Beschwerde, der aktuelle Stand ist jedoch offen. Ihm sei mitgeteilt worden, "dass sie nicht verpflichtet seien, uns über den Fortschritt zu informieren", sagte McGeehan vor dem WM-Start: "Es wirkte wie eine Daumen-hoch-Emoji-Antwort."

FairSquare verweist auf Artikel 15 der FIFA-Ethikregularien. Die Bestimmung verlangt, dass alle FIFA-Funktionäre gegenüber Behörden, Organisationen und politischen Gruppierungen "politisch neutral bleiben".

Der Brief der Abgeordneten soll sowohl an Infantino als auch an Mitglieder des Councils adressiert sein. Eine Kopie ging zudem an FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström und die Untersuchungskammer des Weltverbandes.