Vier Pflichtspiele, elf Millionen Jahresgehalt: Bayerns teuerstes Missverständnis endet

Der Klub zahlt drauf, um einen Torhüter loszuwerden, der nie ankam. Und Max Eberl verkauft mit ihm Zeit für seine eigene Zukunft.

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Vier Pflichtspiele, elf Millionen Jahresgehalt: Bayerns teuerstes Missverständnis endet
IMAGO/Eibner

Sechs Jahre, vier Pflichtspiele. Wenn man die Personalie Alexander Nübel auf eine Zahlenreihe zusammenschrumpft, bleibt eine der teuersten Fehleinschätzungen, die sich der FC Bayern in der Torwartfrage seit langem geleistet hat. 2020 kam er von Schalke 04, angekündigt als designierter Nachfolger von Manuel Neuer, ausgestattet mit einem Vertrag, von dem in den Berichten stets rund elf Millionen Euro Jahresgehalt zu lesen waren. Nun steht, wie Sky und Bild berichten, der Wechsel zu Besiktas bevor, der Medizincheck in Istanbul soll am Mittwoch stattfinden. Das ist keine Trennung im Zorn, das ist eine Auflösung, die längst überfällig war.

Was diesen Vorgang von einem gewöhnlichen Transfer unterscheidet, ist die Ökonomie des Scheiterns. Der Rekordmeister kassiert bis zu sieben Millionen Euro Ablöse, weitere fünf Millionen könnten über Boni hinzukommen. Zugleich, so heißt es, erhält Nübel selbst eine millionenschwere Abfindung, weil sein Vertrag eigentlich noch bis 2029 gelaufen wäre. Man zahlt also einen Torhüter dafür, dass er den Klub verlässt, dem er sechs Jahre lang zugerechnet wurde, ohne für ihn regelmäßig zu spielen. Die Leihstationen AS Monaco und drei Jahre VfB Stuttgart waren die Kaschierung eines Missverständnisses, das schon am Tag der Vertragsunterschrift eines gewesen ist.

Die sportliche Bilanz ist mit einem Satz erzählt: Jonas Urbig gilt inzwischen als Kronprinz für die Nachfolge Neuers, nicht mehr Nübel. Damit hat sich die Idee, für die er einst geholt wurde, still erledigt. Es gibt keinen Bruch, keinen Skandal, nur die Erkenntnis, dass die ursprüngliche Planung in München nie in eine sportliche Realität überführt worden ist. Sechs Jahre reichen, um die Frage zu stellen, wer eigentlich verantwortlich war, als dieser Vertrag entstand, und wer verantwortlich blieb, während er weiterlief.

Diese Frage trifft nun auch Max Eberl, wenn auch aus anderer Richtung. Der Sportvorstand muss nach den teuren Sommertransfers von Nathaniel Brown für 55 Millionen und Ismael Saibari für 50 Millionen weitere Einnahmen generieren. Daniel Peretz ging für acht Millionen nach Southampton, Jonah Kusi-Asare für sechs zu Fulham, macht zusammen rund 14 Millionen. Für Bryan Zaragoza, Joao Palhinha und Sacha Boey, zuletzt verliehen, sucht Eberl noch Abnehmer. Nübel sollte vor dem Trainingsstart am 20. Juli unbedingt weg sein. Das klingt nach Verkaufsdruck in Reinform.

Über allem liegt die Beobachtung durch den Aufsichtsrat um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, der im August über Eberls Zukunft entscheiden will. Sein Vertrag läuft bis 2027, Hoeneß hat die Chancen auf eine Verlängerung zuletzt mit „60:40" beziffert. Das ist keine Rückendeckung, das ist eine Note mit ausreichend Luft zur Nichtverlängerung. Ein Sportvorstand, dessen Verbleib öffentlich in Prozentsätzen taxiert wird, verhandelt anders, kalkuliert anders, verkauft anders. Auch das gehört zur Personalie Nübel: Sie wird nicht nur als Torwartabgang abgewickelt, sondern als Kassenposten in einem Sommer, in dem der Sportvorstand jede Million rechtfertigen muss.

Am Ende bleibt eine nüchterne Buchung. Ein Torhüter, geholt für die ganz große Rolle, verlässt den Klub mit vier Pflichtspielen im Rücken. Der FC Bayern zahlt drauf, um ihn abzugeben, und derjenige, der ihn verkaufen muss, verkauft zugleich Zeit für die eigene Zukunft. Machtverhältnisse an der Säbener Straße lesen sich derzeit weniger sportlich als bilanziell.