TSG Hoffenheims T-Shirt-Pose: Ein Trostpreis wird als Triumph verkauft
Mit dem Dorfverein-Slogan immunisiert sich Ilzer gegen jede Frage nach dem 0:4 in Gladbach. Doch Platz vier war zum Greifen nah.
Ein blaues T-Shirt, ein Slogan, eine Pointe: Christian Ilzer hatte sich nach dem 0:4 bei Borussia Mönchengladbach offenbar schon vor dem Anpfiff entschieden, wie er diesen Abend einordnen würde. „Nicht schlecht für einen Dorfverein. Zum fünften Mal international!" stand auf dem Stück Stoff, das auch seine Spieler überstreiften. Das ist klug gemacht. Wer mit dem T-Shirt antwortet, muss die Fragen nach der knapp verpassten Champions League gar nicht mehr beantworten.
Trotzdem lohnt es sich, kurz innezuhalten. Die TSG Hoffenheim, vom Mäzen aus dem Kraichtal in die Bundesliga befördert, mit Champions-League-Vergangenheit und internationaler Reichweite, inszeniert sich an einem Bundesliga-Spieltag als Dorfverein. Das ist Selbstironie, ja. Es ist aber auch eine bemerkenswert komfortable Erzählung. Denn der Begriff verschiebt die Erwartungshaltung: Wer Dorf ist, darf sich über Platz fünf grenzenlos freuen, und wer im selben Atemzug zum fünften Mal international spielt, gehört doch längst zum etablierten Personal der Liga.
Sportgeschäftsführer Andreas Schicker sagte, die Freude überwiege zu hundert Prozent, der fünfte Platz sei großartig. Das ist eine legitime Lesart. Es gibt aber eine zweite, und die hat Ilzer selbst geliefert, als er einräumte: „Das heutige Ergebnis schmerzt." Mit einem Sieg in Gladbach wäre Platz vier möglich gewesen, weil der VfB Stuttgart bei Eintracht Frankfurt nur 2:2 spielte. Champions League statt Europa League, eine offene Tür, durch die man bloß hätte gehen müssen.
Hoffenheim ist nicht hindurchgegangen. Der Auftritt am Niederrhein war zu harmlos für ein Spiel, in dem die größte Belohnung der jüngeren Vereinsgeschichte erreichbar gewesen wäre. Dass Hoffenheims Leihspieler Haris Tabakovic einer der Gladbacher Torschützen war, ist eine Fußnote mit eigener Ironie. Der Stürmer werde, so Schicker, „definitiv zurückkommen". Vorher musste er kurz vor Schluss angeschlagen ausgewechselt werden, „am Fuß irgendwas passiert", wie Ilzer berichtete; eine Diagnose stand zunächst aus.
Bleibt die Einordnung. Ilzer verwies darauf, dass dies 90 Minuten von über 3000 gewesen seien und Hoffenheim erst einmal zuvor über 60 Punkten lag: 2016/17 unter Julian Nagelsmann mit 62 Zählern, damals reichte es für die Champions League. Diesmal war es einer weniger und Platz fünf. Das ist, rein sportlich, eine starke Saison. Es ist aber auch der Beleg, dass Hoffenheim in seiner stärksten Verfassung nahe an die Königsklasse heranreicht – und dass die Dorfverein-Pose dieser Realität nicht mehr ganz gerecht wird.