RB Leipzig: Schäfer nennt Werners Entlassung unwürdig – und erklärt sie nicht

Leipzigs Sport-Geschäftsführer bedauert die Form der Trennung nach einer Champions-League-Saison. Die Frage, ob die Entscheidung selbst trägt, bleibt offen.

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RB Leipzig: Schäfer nennt Werners Entlassung unwürdig – und erklärt sie nicht
IMAGO/Picture Point LE

Es kommt selten vor, dass ein Sport-Geschäftsführer den eigenen Umgang mit einem entlassenen Trainer öffentlich als unwürdig bezeichnet. Marcel Schäfer hat in einem Interview mit der Bild-Zeitung genau das getan. „Die letzten Wochen – und so selbstkritisch muss man sein – waren alles andere als optimal, einfach schlecht. Punkt", sagte er über die Trennung von Ole Werner bei RB Leipzig. Wer so spricht, beschreibt nicht den Vorgang einer Trennung, sondern die Art, wie ein Klub mit einem Menschen umgegangen ist, der ihm zuvor Erfolg gebracht hat.

Die Fakten dieses Vorgangs sind kurios genug. Werner wurde Mitte Juni entlassen, nach einer Saison, die mit der Qualifikation für die Champions League endete und insgesamt erfolgreich verlief. Eine Trainerentlassung nach einer solchen Spielzeit ist im deutschen Fußball nicht der Normalfall, und sie verlangt eine Erklärung, die über sportliche Kennzahlen hinausreicht. Schäfer liefert diese Erklärung nicht, er räumt stattdessen ein, dass die Inszenierung der Entscheidung misslungen ist. Das ist eine andere Form der Selbstkritik als die übliche.

Schäfer skizziert den Ablauf in groben Zügen: Schon vor der Südafrika-Reise der Mannschaft nach Saisonende habe es ein „längeres, vertrauliches Gespräch" mit Werner gegeben, das später fortgesetzt werden sollte. Dass sich „dazwischen dann vieles aus verschiedensten Gründen in der Öffentlichkeit abgespielt hat", sei „sowohl dem Menschen als auch dem Trainer Ole Werner gegenüber absolut unwürdig" gewesen. „Mir tut das wirklich sehr leid. Gar keine Frage", fügte Schäfer hinzu. Wer Sätze wie diese in einem Boulevardblatt unterbringt, weiß, dass sie wirken sollen – nach innen wie nach außen.

Interessant ist die Begrifflichkeit. Schäfer spricht davon, dass Entscheidungen „knallhart" seien, ohne diese Härte zu beschönigen. „Trotzdem geht es immer um eine respektvolle Art und Weise. Das haben wir alles dieses Mal nicht geschafft." Damit benennt der 42-Jährige eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die in Vereinen häufiger existiert, als zugegeben wird. Üblich ist, dass Klubs die Entlassung eines Trainers nach außen mit sportlichen Gründen ummanteln und über das, was im Inneren passiert, schweigen. Schäfer dreht diese Logik um: Über die sportlichen Gründe spricht er kaum, über das Wie umso ausführlicher.

Bleibt die Frage, was sich daraus über die Führungskultur in Leipzig ablesen lässt. Eine Trennung nach einer Champions-League-Saison verlangt eine klare Entscheidungslogik, und die wird durch das Eingeständnis, an der Form gescheitert zu sein, nicht durchsichtiger, sondern eher diffuser. Wenn ein Klub einen erfolgreichen Trainer entlässt und gleichzeitig öffentlich bedauert, wie er es getan hat, dann steht im Raum, ob die Entscheidung selbst noch trägt oder nur ihre Umsetzung danebengegangen ist. Schäfer beantwortet diese Frage nicht.

Beantwortet wird stattdessen, wer kommt. Nachfolger ist der Argentinier Martin Demichelis, dem Schäfer zuschreibt, „diese Begeisterung, dieses Feuer, diese Leidenschaft" zu vereinen. Er glaube, „dass uns Martin mit seinen Erfahrungen und mit seinen Charakterzügen einfach guttun wird". Das sind Vokabeln, die man bei Trainervorstellungen häufig hört, und sie sagen über die kommende Saison noch wenig. Sie sagen aber etwas darüber, was Leipzig nach einer Sommertrennung sucht, die der eigene Sport-Geschäftsführer selbst als misslungen beschreibt: einen Neuanfang, der nicht erklären muss, was am Abschied schiefgelaufen ist.