Rassismus-Anfall! Als eine Senatorin ausfällig wird, setzt Mbappés Antwort Maßstäbe

Nach rassistischen Beleidigungen aus Paraguay trennt der Star sauber zwischen Person und Land. Sein Verband zieht juristisch nach.

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Rassismus-Anfall! Als eine Senatorin ausfällig wird, setzt Mbappés Antwort Maßstäbe
IMAGO/Kirchner-Media

Manchmal endet ein Spiel nicht mit dem Schlusspfiff. Das französische WM-Achtelfinale gegen Paraguay, gewonnen mit 1:0 gegen den Bezwinger Deutschlands, hat einen Nachhall bekommen, der nichts mehr mit Taktik und Toren zu tun hat. Was in den Stunden danach in den sozialen Netzwerken geschah, verlagert die Auseinandersetzung von der sportlichen auf eine gesellschaftliche Ebene. Und es zwingt einen der bekanntesten Fußballer der Welt und seinen Verband zu einer öffentlichen Reaktion, die in dieser Deutlichkeit selten geworden ist.

Celeste Amarilla, Senatorin in Paraguay und Mitglied der Authentischen Radikal-Liberalen Partei PLRA, hat nach der Niederlage ihres Landes zum Handy gegriffen und Sätze abgesetzt, die man nicht relativieren kann. Sie nannte Kylian Mbappé einen „kolonialisierten Kameruner, der sich als Franzose ausgibt", schob „verbittert, neureich, arrogant und hässlich" hinterher. Das ist kein hitziges Fan-Gepolter nach einem verlorenen K.-o.-Spiel, sondern eine bewusste Entgleisung aus einem gewählten Amt heraus. Wer so etwas als Volksvertreterin schreibt, kann sich nicht auf den Moment berufen. Es sind Worte, die eine Politikerin öffentlich verantwortet, mit ihrem Namen, ihrer Funktion und der Reichweite, die beides mit sich bringt.

Mbappé hat auf X geantwortet, und er hat es getan, ohne die Wortwahl seiner Angreiferin zu spiegeln. „Madame Celeste Amarilla, Sie sind eine verachtenswerte Frau und ihrer Funktion nicht würdig", schrieb er. Und weiter: „Sie vertreten nicht Paraguay, dieses Land, das während des gesamten Wettbewerbs Leidenschaft und Ehre verströmt hat." Das ist der bemerkenswerteste Satz an diesem Vorgang. Mbappé trennt sauber zwischen der Person, die ihn beleidigt hat, und dem Land, das sie zu vertreten vorgibt. Er verweigert die pauschale Gegenreaktion, die in solchen Fällen immer am nächsten liegt.

Anschließend wird er dann grundsätzlicher. „Ich werde Menschen wie ihr niemals die Freiheit lassen, ihren Hass und ihren Rassismus in der ganzen Welt zu verbreiten", so Mbappé weiter. Das ist die Ansage, die über den Einzelfall hinausweist. Es geht ihm erkennbar nicht darum, sich getroffen zu zeigen, sondern darum, den Raum enger zu machen, in dem sich derartige Aussagen ungestraft bewegen können. Wer die Reichweite hat, die Mbappé hat, kann diese Rechnung aufmachen. Wer sie nicht hat, ist auf Verbände und Justiz angewiesen.

Genau hier hat die FFF nachgezogen, und das ist der zweite wichtige Teil dieser Geschichte. „Die rassistischen Äußerungen der paraguayischen Senatorin Celeste Amarilla gegen Kylian Mbappé sind völlig abscheulich und inakzeptabel", erklärte der französische Verband. Die Verantwortlichen kündigten eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft an, „um strafrechtliche Schritte einzuleiten". Damit bleibt es nicht bei einer symbolischen Zurückweisung im Netz. Der Verband stellt sich vor seinen Spieler und lässt prüfen, was juristisch möglich ist – auch gegenüber jemandem, der sich in Paraguay auf ein Mandat berufen kann.

Bleibt der sportliche Rahmen, in dem all das spielt. Frankreich steht nach dem 1:0 gegen Paraguay im weiteren Turnierverlauf, das WM-Achtelfinale war laut SID von starken Emotionen begleitet. Diese Emotionen gehören zum Fußball. Was Amarilla daraus gemacht hat, gehört nicht dazu. Und dass ein Spieler und sein Verband so klar und so gleichzeitig darauf antworten, ist die passende Reaktion auf einen Vorfall, den man weder mit Reichweite noch mit einem Amt kleinreden sollte.