Jürgen Klopp als Bundestrainer: Der DFB zahlt mit seiner Integrität

Nicht die Trainerfrage ist das Problem, sondern die Konzernbindung im Gepäck. Wer den Werbevertrag als Detail abtut, überhört die eigentliche Botschaft.

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Jürgen Klopp als Bundestrainer: Der DFB zahlt mit seiner Integrität
IMAGO/STEINSIEK.CH

Es gibt in diesem Fall zwei Debatten, und man sollte sie sauber auseinanderhalten. Die eine ist sportlich: Ist Klopp der richtige Mann, um nach dem WM-Debakel und dem Rücktritt von Julian Nagelsmann eine Nationalmannschaft zu übernehmen? Die andere ist grundsätzlich: Was ist der DFB bereit zu zahlen – nicht in Euro, sondern in Glaubwürdigkeit? Das Fanbündnis "Unsere Kurve" hat mit bemerkenswerter Klarheit signalisiert, dass es sich um die erste Frage nicht kümmern will. Genau das macht seine Warnung zur zweiten Fragen so ernst.

Denn Sprecher Thomas Kessen sagt ausdrücklich, man erlaube sich "keine Beurteilung der sportlichen Dimension dieser Personalie". Wer die Diskussion verkürzt, Klopp sei doch der beste verfügbare Trainer, redet am Kern vorbei. Die Kritik zielt nicht auf die Bank, sondern auf die Konstruktion dahinter. Klopp hat als "Global Head of Soccer" bei Red Bull einen Vertrag bis 2029, den der DFB auslösen müsste. Und der bequemste Ausweg, den offenbar alle Parteien in den Vorgesprächen favorisiert haben, ist der heikelste: Klopp dürfte im Amt weiter für den Konzern werben.

Das ist der Punkt, an dem die Sache kippt. Ein Bundestrainer, der zugleich Werbepartner eines Konzerns bleibt, den weite Teile der Fanszene als Gegner ihrer Fußballkultur begreifen, verkörpert einen Widerspruch, der sich nicht wegmoderieren lässt. Kessen nennt es "einen weiteren Kniefall vor dem Kapital", und der Satz sitzt, weil er die Rangordnung offenlegt: Erst kommt das schnelle Ergebnis, dann kommt die Frage, was man dafür aufgibt. "Anstatt die Besonderheiten des deutschen Fußballs als Stärke zu begreifen", so Kessen, strebe man "nach schnellen Ergebnissen und ist bereit, mit viel Geld und Integrität dafür zu zahlen." Integrität – als Zahlungsmittel.

Am schärfsten trifft die Kritik dort, wo sie die Figur Klopp selbst berührt. "Wer sich in Mainz und Dortmund bodenständig gab und selbst in Liverpool noch als 'the normal one' vorstellte, der passt nicht zum Feind des Volkssports Fußball – dem RB-Konzern", sagt Kessen. Das ist keine Diffamierung, sondern eine Feststellung über eine Marke, die von Nahbarkeit lebte und diese Nahbarkeit nun gegen eine Konzernbindung eingetauscht hat. "Unsere Kurve" erinnert an "den verspielten Kredit in weiten Teilen insbesondere der Dortmunder Anhängerschaft" – ein Hinweis, den der DFB nicht als Nostalgie abtun sollte.

Der Verband ist erkennbar bemüht, ein Novum bei der Verpflichtung eines Bundestrainers zu vermeiden. Aber der Preis dieser Bequemlichkeit ist hoch. Ein Bundestrainer trägt kein gewöhnliches Amt; er repräsentiert einen Verband, der sich über Millionen Mitglieder und die Idee eines gemeinschaftlichen Sports definiert. Wenn dieser Repräsentant gleichzeitig die Farben eines Konzerns trägt, dann ist die Trennung von sportlicher und struktureller Frage aufgehoben – und zwar zu Lasten der zweiten.

Bevor man Klopp "als vermeintlichen Heilsbringer aufs Podest hebt", mahnt "Unsere Kurve", solle man genau hinsehen. Die Warnung ist berechtigt. Der DFB kann sich am Ende für Klopp entscheiden. Aber er sollte es nicht mit dem Werbevertrag im Gepäck tun, als sei das ein Detail. Es ist keins: Es ist die eigentliche Botschaft.

Unbedingt lesen: Klopp: "Unsere Kurve" warnt vor "Kniefall vor dem Kapital"