In Überzahl: Iran trotzt enttäuschenden Belgiern ein Remis ab
Die Iraner erkämpfen sich gegen den Favoriten einen Punkt. Mit einem Mann mehr auf dem Feld wäre sogar noch mehr möglich gewesen.
Der Iran erkämpft sich den nächsten Punkt. Im Duell mit enttäuschenden Belgiern fallen keine Tore.
Los Angeles (SID) Die iranischen Spieler versammelten sich bei ihrem überragenden Torhüter Alireza Beiranvand und feierten den zweiten Punktgewinn bei der Fußball-WM, die abermals schwachen belgischen Altstars standen ratlos auf dem Rasen. Das 0:0 ließ Kevin De Bruyne und Co. konsterniert zurück, den eigenen hohen Erwartungen wurden die Roten Teufel erneut nicht gerecht.
"Es ist verständlich, dass die Enttäuschung groß ist", sagte Stürmer Romelu Lukaku: "Wir hatten viele Chancen, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Wir müssen dieses Spiel analysieren. Wir haben zu emotional gespielt. Wir hatten einen Plan, aber in den entscheidenden Momenten nicht die nötige Ruhe bewahrt."
Belgien war immer wieder an Torhüter Beiranvand gescheitert - und schwächte sich zudem selbst. Nach einer Roten Karte gegen Nathan Ngoy (66.) wegen einer Notbremse musste das Team von Trainer Rudi Garcia lange in Unterzahl spielen. Die Iraner, die auch beim zweiten WM-Spiel trotz der schwierigen Umstände ordentlich spielten, haben wie auch Belgien noch Chancen aufs Weiterkommen.
Allerdings wäre der Überraschungssieg in Los Angeles für den Iran möglich gewesen: Ein vermeintlicher Treffer von Kapitän Mehdi Taremi (25.) wurde wegen einer knappen Abseitsstellung aberkannt. Auch die lange Überzahl konnte das Team nicht nutzen. Für die im Schnitt 32,52 Jahre alte Startelf der Iraner - älter war nie eine erste Elf bei einer Endrunde - ist es dennoch ein Erfolg.
Im gehobenen Fußballeralter sind auch die Leistungsträger der Belgier, und die enttäuschten erneut: Sturmtank Lukaku blieb wie De Bruyne wirkungslos. Die erhoffte Reaktion nach dem durchwachsenen Auftakt gegen Ägypten (1:1) blieb aus. Der WM-Dritte von 2018 steht vier Jahre nach dem Vorrundenaus in Katar beim Gruppenabschluss gegen Neuseeland unter Druck.
Die Belgier mussten auf ihren Dribbelkünstler Jeremy Doku (Atemwegserkrankung) verzichten, dafür durfte Lukaku nach seinem schwungvollem Joker-Einsatz gegen Ägypten starten. Die Iraner hatten ganz andere Probleme: Das Team Melli kam aufgrund der Reiserestriktionen erst 16 Stunden vor dem Anpfiff am Spielort an und sah sich in seiner Vorbereitung massiv gestört.
Und die Iraner standen von Beginn an unter Druck. Ein Abschluss von De Bruyne wurde in höchster Not geblockt, den Nachschuss von Maxim de Cuyper parierte Irans Keeper Beiranvand (9.). Auf der Gegenseite verhinderte Thibaut Courtois mit einem starken Reflex das 1:0 der Iraner durch Hossein Kanaani (14.). Der Iran blieb gefährlich und ging vermeintlich in Führung: Taremi traf nach einer Freistoßvariante - stand nach Überprüfung durch den VAR aber ganz knapp im Abseits.
Die Belgier hatten extrem viel Ballbesitz, wussten damit aber nur wenig anzufangen. Einen Volleyschuss von de Cuyper (44.) parierte Beiranvand. Nach dem Seitenwechsel ergab sich das gleiche Bild, bei ihren Ausflügen in die Offensive wurden die Iraner gefährlich: Taremi verpasste das 1:0 aus kurzer Distanz, Courtois parierte erneut stark (54.).
Dann wurde es wild: Nach einem Querpass von De Bruyne bekam de Cuyper den Ball aus vier Metern nicht im Tor unter, Beiranvand war einmal mehr zu Stelle (59.). Ngoy leistete sich dann eine unnötige Notbremse und veränderte die Statik des Spiels.