Geld im Amateurfußball: Wenn Träume jäh zerplatzen
Gegen Ende der Saison wird es im Amateurfußball besonders interessant, nicht nur wegen der anstehenden Auf- und Abstiege, meint Gerd Thomas
Jedes Jahr wieder muten einige Ergebnisse der letzten Spieltage eigenartig an, aber nachweisen lässt sich fast nie etwas. Wenn der Tabellenvierte gegen den Vorletzten sang- und klanglos verliert, heißt es gern lapidar: „Warum sollten die sich noch anstrengen? Geht doch um nichts mehr!“ Kann sein.
Könnte aber auch andere Gründe haben. Früher wurden derlei Sonderbarkeiten gern mit ein paar Kisten Bier geregelt, heute - so hört man - seien die Kurse gestiegen. Ein Großteil der Finanzierung der Abschlussfeier des Gegners sollte schon drin sein. Es sollen auch schon Trikotsätze bezahlt worden sein. Wahrscheinlich alles üble Nachrede gegen grundanständige Verantwortliche.
Gegen Saisonende kommen aber auch andere Dinge auf den Tisch, z. B. die Zahlungsunfähigkeit einiger Vereine. Diese wird selbst bei großen Klubs fast immer nur durch ein Team ausgelöst – die 1. Herrenmannschaft. Standardursachen sind völlig unrealistische Zielvorgaben, mehrere Trainerwechsel, zu viele Legionäre, dadurch zu wenig Teamgeist – vor allem aber komplette sportliche Inkompetenz im Präsidium.
Fairer Wettbewerb ist maximal eine Empfehlung
Andere kaufen in der Winterpause noch einmal groß ein. Vor Jahren wurde von einem inzwischen verblichenen Verein das letzte Spiel vor Weihnachten trickreich ins neue Jahr verschoben, das Sportgericht konnte nicht mehr tun, als die Partie neu anzusetzen. Auf dem Feld standen 10 neue Spieler, im Kader waren es gleich 12. Das manipulierende Team stieg auf und stürzte ein paar Jahre später endgültig in den Abgrund.
Dabei hatte der großmäulige Präsident doch versprochen, die dritte Kraft in Berlin zu werden. Wie so viele vor und nach ihm. Die großen Pläne der Vereinsoberen, oft ist es nur einer, werden zunächst von den örtlichen Medien mit großen Berichten verbreitet. Die lange Liste von Pleiten, Pech und Pannen sollte doch Warnung genug sein sollen. Das mit der dritten Kraft ist meistens doch eher Kraftmeierei.
Wer lange im Amateurfußball ist, weiß um die Unwägbarkeiten, oft auch um die Seriosität der Beteiligten - viele Journalisten wissen das offensichtlich nicht. Woher auch, sie haben meistens kaum Ahnung vom Breitensport, orientieren sich bestenfalls an einst schillernden Vereinsnamen, die schnelle Klicks und Likes versprechen.
Große Pläne ziehen oft einen jähen Absturz nach sich
Dabei genügt ein Blick in die jüngere Geschichte, um festzustellen, dass viele einstige Berühmtheiten oftmals vor allem berühmt für ihre mehrfachen Insolvenzen sind. Es gibt Vereine, die stürzen innerhalb von vier Jahren um vier Ligen ab, müssten mit ihrem Geschäftsgebaren eigentlich den Laden ganz dichtmachen. Mangels Alternative dürfen die Vorstände trotzdem weitermachen, um meistens gleich wieder mit der Suche nach neuen vermeintlichen Wohltätern und Mäzenen anzufangen.
Doch auch bei Vereinen, die nicht in der Pleite enden, haben Spieler bei Verfehlen der Saisonziele schlechte Karten. Viele Aktive haben keine offiziellen Verträge, es gilt das Gesetz des Umschlags. Wenn dann an den letzten 10 Spieltagen keine Prämien mehr gezahlt werden, können sie nichts machen. Sie haben sich auf das Wort des Präsidenten verlassen, der schließlich mit seinen Schwarzzahlungen – sprechen wir das Wort einfach mal aus - für die Umgehung der eigentlich notwendigen Abgaben gesorgt hat. Wie das genau läuft, habe ich bis heute nicht verstanden, aber es muss sehr viel Geld im Umlauf sein, das nicht durch die Bücher geht.
Jeder weiß Bescheid, kaum jemand sagt etwas
Ich habe einige Freunde, die wahre Fußballexperten, aber auch Insider des Apparats sind. Neulich sagte einer: „Man müsste ein Buch über das schreiben, was man in den vielen Jahren so erlebt hat. Aber dann kriege ich keine Informationen mehr.“ Ein anderer fragte im Hinblick auf einen ortsbekannten Funktionär: „Würdest du bei dem eine Versicherung abschließen?“ Ob das nun in Hessen, Bayern, Niedersachsen, Hamburg oder Sachsen war, lasse ich mal dahingestellt. Es könnte in allen Bundesländern so stattfinden.
Wir alle wissen nicht, wer auf lange Sicht das Rennen und wer wann schlapp macht. Sieht man sich die oberen Ligen an, stellt man fest, es schaffen nur ganz wenige Amateurvereine, sich gegen die Phalanx der Großen durchzusetzen – Heidenheim oder Elversberg wären zu nennen. Aber die scheinen auch finanziell nachhaltig zu arbeiten.
Fest steht: Auch im Jahr 2026 wird es in jeder Liga wieder nur einen Meister geben. Vielleicht sollte man diese Erkenntnis einigen mal mitteilen. Bei sehr vielen anderen werden auch in dieser Saison wieder die Träume der Gönner und Mäzene zerplatzen. Es wäre eine Illusion, zu glauben, sie würden als mahnendes Beispiel dienen. Die nächsten Glücksritter kommen bestimmt.