Drei Spiele, drei Reisetage: Iran spielt eine andere WM

Einreise nur am Spieltag, 15 verweigerte Visa, ein Quartier hinter der Grenze: Aber die FIFA schweigt zur sportlichen Chancengleichheit.

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Drei Spiele, drei Reisetage: Iran spielt eine andere WM
IMAGO/Anadolu Agency

Eine Weltmeisterschaft kennt viele logistische Zumutungen, aber das, was der iranischen Mannschaft bei diesem Turnier zugemutet wird, ist von anderer Qualität. Nach Angaben des iranischen Botschafters in Mexiko, Abolfazl Pasandideh, darf die Delegation US-Territorium nur an ihren Spieltagen betreten – und muss es am selben Tag wieder verlassen. „Wir können morgens einreisen und müssen noch am selben Tag wieder ausreisen", sagte Pasandideh am Samstag. Das ist keine Reisefußnote, das ist ein Konstrukt, das mit dem normalen Ablauf eines WM-Teilnehmers nichts mehr zu tun hat. Wer so anreist, spielt unter anderen Bedingungen als der Rest des Feldes.

Ein Blick auf die Geografie macht das Ausmaß deutlich. Das Quartier befindet sich nahe der Grenze in Tijuana, die ersten beiden Vorrundenspiele gegen Neuseeland am 15. Juni und gegen Belgien am 21. Juni werden im knapp 230 Kilometer entfernten Los Angeles ausgetragen. Das dritte Gruppenspiel gegen Ägypten am 27. Juni findet im über 2000 Kilometer entfernten Seattle statt. Anreisen, spielen, ausreisen – an einem Tag, einmal über eine kurze, einmal über eine sehr lange Distanz. Ursprünglich war das Camp in Tucson in Arizona geplant, es wurde dann nach Mexiko verlegt.

Dazu kommt der Umstand, dass laut iranischem Staatsfernsehen 15 Personen der Delegation die Visa-Erteilung verweigert wurde. Genauere Informationen zu den betroffenen Fällen oder ihrer Identität gibt es nicht. Den Spielern selbst wurden die Visa zuvor erteilt, aber eine Nationalmannschaft ist mehr als ihre Startelf. Welche Funktionen, welche Betreuer, welche medizinischen oder organisatorischen Posten fehlen werden, bleibt offen. Klar ist nur: Iran reist mit einem Loch in der eigenen Struktur an.

Die iranische Botschaft in der Türkei sprach von einer „willkürlichen und diskriminierenden Behandlung des iranischen Teams", die „auf die höchste Stufe gehoben" worden sei. US-Botschafter Tom Barrack lobte die US-Botschaft in Ankara überschwänglich für ihr Vorgehen. Zwei Lesarten desselben Vorgangs, die unversöhnlicher kaum sein könnten. Der politische Hintergrund ist nicht zu übersehen: Die beiden Länder befinden sich im Kriegszustand, seit die USA und Israel Ende Februar begannen, den Iran zu bombardieren. Eine WM, die in einem solchen Land stattfindet, wird zwangsläufig zur Bühne dieses Konflikts.

Damit landet die Frage, die hier wirklich zählt, auf dem Schreibtisch der FIFA. Ein Verband, der sich auf den Universalismus seines Sports beruft, akzeptiert offenbar, dass eine Teilnehmerin nur an drei Tagen einreisen darf, während die Konkurrenz sich akklimatisiert, regeneriert, vorbereitet. Sportliche Chancengleichheit ist unter diesen Bedingungen ein theoretischer Begriff. Der Tross brach am Samstag nach Spanien auf, um von dort weiter ins Quartier nach Mexiko zu reisen – ein Umweg, der erzählt, wie sehr diese Mannschaft sich ihren Platz bei dieser WM organisatorisch erst erkämpfen muss.

Bleibt der nüchterne Befund. Die iranische Mannschaft wird drei Spiele bestreiten, jedes davon mit einem Reisetag, der eigentlich ein Spieltag ist. Sie wird das ohne 15 Personen ihrer Delegation tun. Und sie wird es in einem Land tun, mit dem ihr eigenes im Kriegszustand steht. Was an einer solchen Konstruktion noch ein normales WM-Turnier ist, müsste die FIFA beantworten. Bisher tut sie es nicht.