Endlich erscheint eine Fernsehserie über Amateurfußball

Dokus, Serien oder Filme über den Profifußball wurden in den vergangenen Jahren zuhauf produziert. Dass sich nun mal ein TV-Format mit den Amateuren beschäftigt, ist begrüßenswert, meint Tim Frohwein

Teilen
Endlich erscheint eine Fernsehserie über Amateurfußball
Foto: privat

Von Tim Frohwein

In der Nähe von Stuttgart wird gerade die mehrteilige ARD-Mockumentary „Bolzen“ gedreht. In der Serie kehrt ein skandalumwitterter Fußballprofi vorübergehend zu seinem kleinen Heimatverein zurück, um sich als geläutert zu inszenieren – und lernt dabei das Miteinander im Vereinsfußball lieben. Es tut gut, dass sich ein Fernsehformat mal nicht dem Profifußball widmet.

„All or Nothing“, „Ted Lasso”, “I am Zlatan”: Dokus, Serien oder Filme über den Profifußball wurden in den letzten Jahren zuhauf produziert. Dass sich nun mal ein Fernsehformat mit dem Amateurfußball beschäftigt – ohne dabei wie beispielsweise in „Milliardenspiel Amateurfußball“ Missstände zu thematisieren –, ist sehr begrüßenswert. Schließlich ist der Amateurfußball der mitgliederstärkste Sport in Deutschland und hat eine enorme verbindende Kraft: Woche für Woche kommen auf den Fußballanlagen dieses Landes Millionen ganz unterschiedliche Menschen zusammen. 

Jetzt muss es der Serie nur noch gelingen, dieses interessante gesellschaftliche Feld authentisch einzufangen. Dass es so kommt, dafür scheinen die Voraussetzungen gut zu sein: Das Glemstalstadion in der schwäbischen Kleinstadt Markgröningen mitsamt in die Jahre gekommenem Vereinsheim ist eine ziemlich ideale Kulisse für eine solche Serie und im Produktionsteam gibt es genügend Amateurfußball-Kompetenz: Headautor Andrej Sorin ist selbst aktiver Amateur-Kicker genauso wie Regisseur Nicolas Berse Gilles, der außerdem als Teil des Teams hinter der ZDF-Doku „Mission Sommermärchen“ bereits bewiesen hat, dass er den Fußball auch als gesellschaftliches Phänomen begreift. 

MFG-geförderte SWR-Serie „Bolzen“: Setbesuch bei der neuen Fußball-Mockumentary
Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg unterstützt die neue SWR-Serie „Bolzen“ der Montavia Filmproduktion. Bei einem Setbesuch erhielten MFG-Geschäftsführerin Wiebke Wiesner und Robert Gehring, Unitleiter MFG Filmförderung, gemeinsam mit Jens Gutfleisch von der Film Commission Region Stuttgart Einblicke in die laufenden Dreharbeiten.

Der Plot der Serie, die für die ARD produziert wird und in 2027 erscheinen soll: Protagonist Marty Bloch (Ben Felipe), talentierter Fußballprofi mit Hang zu Exzessen, überbrückt eine vertragslose Zeit bei seinem Heimatverein Viktoria Steindorf (Schlachtruf: „Vik-Vik-Viktoria!“). Am Ort seiner Wurzeln möchte er wieder zu sich selbst finden – öffentlichkeitswirksam: Martys windiger Spielerberater Elias (Robert Palfrader) hält es für eine gute Idee, dass ein Kamerateam den Profi während seines Läuterungsprozesses begleitet. Und so sind die filmischen Voraussetzungen geschaffen für eine Fußball-Mockumentary à la „Die Discounter“ (mit Merlin Sandmeyer ist sogar einer der Schauspieler aus der erfolgreichen Discounter-Crew mit an Bord).

Mit der Serie wolle man auch die „poetische Shittiness“ des Amateurfußballs zeigen, erklärt Produzent Steffen Freckmann, der selbst auf dem Land aufgewachsen ist und die dortigen Vereinsstrukturen kennt. Das klingt nach Patina im Vereinsheim, Spinnweben in der Kabineund Schimmel in der Dusche – aber eben auch nach Gemeinschaft, Solidarität und Zusammenhalt. Damit sind Zustand und Wesen des Amateurfußballs im Deutschland von heute schon recht treffend beschrieben – auch wenn man sich als Vereinsmitglied durchaus weniger „Shittiness“ wünschen würde. 

Bleibt zu hoffen, dass die Serie so erfolgreich wird, dass noch viel mehr Menschen in Deutschland erfahren, welchen Wert der Amateurfußball für unsere Gesellschaft hat. Dann kommen die Vereine vielleicht leichter an die Mittel, die sie brauchen, um den Schimmel in der Dusche zu entfernen und ihr Vereinsheim auf Vordermann zu bringen.