"Dorfverein" Hoffenheim nimmt auch den Trostpreis
Die Champions League war in Reichweite, doch das 0:4 in Gladbach verhindert den Coup. Dennoch überwiegt in Sinsheim der Stolz.
Christian Ilzer konnte die Fragen nach der so knapp verpassten Champions League mit einem Hinweis auf sein T-Shirt schnell abbügeln. "Nicht schlecht für einen Dorfverein. Zum fünften Mal international!" war auf dem blauen Stück Stoff zu lesen, das auch die Spieler der TSG Hoffenheim nach dem klaren 0:4 bei Borussia Mönchengladbach schnell übergestreift hatten.
Die Botschaft war klar: Die Freude über das Erreichen der Europa League stand deutlich über dem Ärger, den ganz großen Coup verpasst zu haben. "Das überwiegt zu 100 Prozent. Es ist der fünfte Platz herausgekommen, und das ist großartig", sagte auch Sportgeschäftsführer Andreas Schicker.
Und doch wäre für Hoffenheim mehr drin gewesen: Weil der direkte Konkurrent VfB Stuttgart bei Eintracht Frankfurt nur 2:2 spielte, hätte die TSG mit einem Sieg in Gladbach noch Rang vier erobert. Doch der Auftritt am Niederrhein fiel schlicht zu harmlos aus.
"Das heutige Ergebnis schmerzt", sagte Ilzer, richtete den Blick dann aber wieder auf das große Ganze: "Es waren 90 Minuten von über 3000. Auch wenn die Fans hadern, dürfen wir uns freuen. So oft waren wir noch nicht über 60 Punkten." Erst einmal, um genau zu sein: 2016/17 war Hoffenheim unter dem heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann mit 62 Zählern - einer mehr als diesmal - in die Champions League eingezogen.
Dass ausgerechnet Hoffenheims Leihspieler Haris Tabakovic einer der Gladbacher Torschützen war, entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Der Stürmer werden nun "definitiv zurückkommen", sagte Schicker. Und dann? "Dann wird er mit Bosnien zur WM fahren. Und dann wird man sehen."
Letzteres ist aber noch gar nicht klar, denn kurz vor Schluss musste Tabakovic angeschlagen ausgewechselt werden. "Ich hoffe, dass er sich nicht ärger verletzt hat. Ich habe ihm gratuliert - und da hat er schon gesagt, dass am Fuß irgendwas passiert ist", sagte Ilzer. Die Diagnose stand zunächst aus - Tabakovic selbst wirkte aber äußerst niedergeschlagen.