Die Geschichte Elversberg tut dem modernen Fußball gut

Der Bundesliga-Aufsteiger aus dem Saarland zeigt den großen Traditionsvereinen, was in einem ruhigen Umfeld mit einem klaren Plan möglich ist.

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Die Geschichte Elversberg tut dem modernen Fußball gut
Foto: Imago / Jan Huebner

Freudensprünge werden die übertragenden Fernsehsender angesichts des Aufstiegs der SV Elversberg sicher nicht gemacht haben. Hohe Einschaltquoten sind bei Spielen des Dorfvereins kaum zu erwarten, außerhalb des Saarlandes hält sich das Faninteresse an der 12.800-Seelen-Gemeinde massiv in Grenzen. Da wären große Traditionsvereine wie Hannover 96, Hertha BSC oder der 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga vermutlich genehmer gewesen.

Und dennoch tut eine Geschichte wie die der SVE dem modernen Fußball einfach gut. Die Saarländer zeigen nämlich, was in einem ruhigen Umfeld mit klarem Plan möglich ist. Innerhalb von fünf Jahren hat sich Elversberg vom Regionalligisten zum Bundesligaverein entwickelt - das ist weder Glück noch Zufall. Klar steckt mit dem Arzneimittelkonzern Ursapharm der Familie Holzer auch ein zahlungskräftiger Hauptsponsor hinter der Entwicklung, doch die meisten Zweitliga-Konkurrenten waren deutlich finanzstärker.

Dennoch setzte sich die SVE durch - und trotzte dabei unzähligen Widrigkeiten. Von Nick Woltemade über Paul Wanner bis hin zu Fisnik Asllani formte der Verein Jahr für Jahr Topspieler, nur um sie kurz darauf wieder an größere Klubs abgeben zu müssen. Nach der verlorenen Relegation war der Aderlass vor der Saison 2025/26 besonders groß, neben einem halben Dutzend Leistungsträger ging auch noch der langjährige Erfolgstrainer Horst Steffen.

Nicht wenige sahen die Elversberger als Abstiegskandidaten, Sky-Experte Torsten Mattuschka tippte sie gar auf Rang 18. Doch die Saarländer gingen ihren Weg auch unter dem neuen Trainer Vincent Wagner sowie mit einer runderneuerten Elf weiter und marschierten mit dem attraktivsten Fußball aller Teams durch die 2. Bundesliga.

Spannend wird allerdings die Kaderzusammenstellung für die Bundesliga. Zum einen wird die SVE in etwas anderen Teichen nach neuen Juwelen fischen müssen als bisher, zum anderen wechselte das langjährige Mastermind Ole Book im Frühjahr zu Borussia Dortmund. Es wird spannend, ob dessen Nachfolger Christian Weber und Josef Welzmüller bei der Spielersuche ein ebenso gutes Händchen beweisen.