DFB setzt Tradition über Markt: Zwei Absagen mit Signalwirkung
Während andere Ligen Pflichtspiele ins Ausland verlegen wollen, zieht der Verband eine klare Linie. Reicht diese Zurückhaltung im globalen Wettbewerb?
Manchmal sind Nachrichten dann am bemerkenswertesten, wenn sie etwas ausschließen. Holger Blask, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes und Vorsitzender der Geschäftsführung, hat dem Handelsblatt zwei Sätze gesagt, die in dieser Klarheit selten geworden sind. Externe Investoren werde es bei der DFB GmbH & Co. KG selbst nicht geben. Und das Finale des DFB-Pokals werde nicht ins Ausland verlegt. Zwei Absagen, ein Signal.
Man muss sich diese Position vor dem europäischen Hintergrund anschauen, um ihren Wert zu erkennen. Andere Ligen und Verbände in Europa verfolgen Pläne, einzelne Pflichtspiele im Ausland auszutragen. Die spanische und die italienische Diskussion sind seit Monaten unterwegs, die Idee, ein Ligaspiel oder ein Pokalfinale in einem anderen Land anzupfeifen, gilt dort längst nicht mehr als Tabu, sondern als Erschließung neuer Märkte. Der DFB sagt: nicht mit uns. Blask formuliert es so: „Wir werden den DFB-Pokal und insbesondere das Finale nicht ins Ausland verlegen. Wir wollen und müssen unsere eigene DNA bewahren."
Das Wort DNA ist in Sportfunktionärssprache oft eine Worthülse. Hier ist es ausnahmsweise präzise gemeint. Das Endspiel im DFB-Pokal ist eines der wenigen Großereignisse im deutschen Vereinsfußball, das sich nicht nach Quartalszahlen, sondern nach einer langen Routine bemisst. Wer dieses Finale aus seinem Kontext herauslöst und zu einem Showcase in einer beliebigen anderen Stadt macht, verkauft kurzfristig eine Eintrittskarte und verliert langfristig die Geschichte, die das Format überhaupt erst wertvoll macht. Der DFB hat das offenbar verstanden, oder zumindest nicht vergessen.
Bei der Investorenfrage liegt der Fall ähnlich, aber etwas komplizierter. Blask schließt externe Beteiligungen bei der DFB GmbH & Co. KG selbst aus. Auf Ebene einzelner Tochtergesellschaften, etwa bei Digitalisierungsthemen, könne eine Zusammenarbeit mit Dritten „in bestimmten Fällen denkbar sein", sofern sie „einen klaren strategischen Mehrwert" bringe. Das ist keine Totalverweigerung, sondern eine Differenzierung. Der Kern bleibt verbandsfest, an den Rändern wird mit denen gearbeitet, die Infrastruktur oder Reichweite mitbringen, ohne dass jemand am Steuer mitziehen darf. Das ist eine pragmatische Linie, und sie unterscheidet sich erkennbar von dem, was die Deutsche Fußball Liga vor anderthalb Jahren erlebt hat, als ein Investorendeal nach Protesten der Fans zurückgenommen werden musste.
International, sagt Blask, setze der Verband stattdessen „vor allem auf die Strahlkraft der medialen und digitalen Angebote unserer Wettbewerbe und vereinzelte Auftritte unserer Männer- und Frauennationalmannschaften". Übersetzt heißt das: Wer den deutschen Fußball in Singapur oder New York erleben will, soll ihn streamen oder ein Länderspiel besuchen. Aber er bekommt nicht das Bundesliga-Spiel oder das Pokalfinale frei Haus geliefert. Ob diese Strategie ökonomisch reicht, wird sich zeigen. Im internationalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Erlöse ist Zurückhaltung kein automatisches Verkaufsargument.
Bemerkenswert bleibt, dass eine deutsche Sportinstitution in einer Phase, in der überall Märkte vor Tradition gehen, einmal andersherum priorisiert. Vielleicht ist es Überzeugung, vielleicht ist es Vorsicht nach dem DFL-Lehrstück, vielleicht beides. Entscheidend ist, dass beide Sätze ausgesprochen sind, öffentlich, im Handelsblatt, mit Namen darunter. Daran wird sich der DFB messen lassen müssen, wenn der nächste Vorschlag aus Madrid oder Mailand auf den Tisch kommt.