Berti Vogts denkt den Bundestrainer neu: Es braucht ein Duo mit Klopp & Sammer
Der frühere Weltmeistertrainer verlagert die DFB-Debatte weg vom Namen hin zur Kultur. Wer bringt Ehrgeiz zurück, wer hält den Rücken frei?
Berti Vogts hat sich zu Wort gemeldet, und wenn ein früherer Bundestrainer in der Rheinischen Post eine Personalie sortiert, dann lohnt es sich zumindest, kurz stehenzubleiben. Julian Nagelsmann ist nach dem neuerlichen WM-Desaster zurückgetreten, der DFB sucht einen Nachfolger, und Vogts liefert nicht einen Namen, sondern zwei. Klopp als Bundestrainer, Sammer daneben. Eine Doppelspitze also, keine bloße Trainerfrage.
Der Vorschlag hat Charme, und er hat Logik. Klopp ist für Vogts „der Beste, den wir im Moment haben", und die Begründung liest sich wie eine Checkliste dessen, was zuletzt gefehlt hat: Ehrgeiz, Fachwissen, Feuer, Kommunikationsvermögen, dazu ein Blick von außen, geschult in der erfolgreichen Arbeit in Liverpool. Man muss diese Aufzählung nicht Punkt für Punkt teilen, um zu erkennen, dass Vogts damit ein Anforderungsprofil beschreibt, das jenseits taktischer Detailfragen liegt. Es geht um Statur, um Standing, um die Fähigkeit, Ideen im Verband durchzusetzen, ohne von ihm ausgebremst zu werden.
Genau an diesem Punkt wird der zweite Name interessant. Denn Vogts formuliert eine Erkenntnis, die man nach dem WM-Aus so schnell nicht loswird: Ein Bundestrainer allein reicht nicht mehr. „Es ist wichtig, dass der Bundestrainer einen starken Mann an seiner Seite hat", schreibt er, und daraus wird bei ihm zwingend Matthias Sammer. Der Europameister von 1996, Vogts' eigener Anführer, soll die Rolle einnehmen, für die es im Verbandsdeutsch bislang keine saubere Bezeichnung gibt. Rückenfreihalter, Antreiber, Korrektiv.
Bemerkenswert ist, dass Vogts die Reibung mitliefert, statt sie zu verschweigen. Klopp und Sammer, das seien „starke Fußballpersönlichkeiten, die sich in der Vergangenheit gern mal gerieben haben". Vogts wertet das nicht als Warnhinweis, sondern als Qualitätsmerkmal, „im Sinne des Fußballs". Man kann darüber streiten, ob eine solche Konstellation im DFB-Alltag trägt oder ob sie nach wenigen Monaten in Grabenkämpfen endet. Vogts entscheidet sich für die optimistische Lesart und liefert das entscheidende Argument gleich mit: In der Nationalmannschaft habe zuletzt genau der Ehrgeiz gefehlt, den Sammer mitbringe.