Bayern mit vier Toren ins Finale? Auf die Zuschauer kommt es an
Trainer Vincent Kompany hat unterschwellig Kritik am Publikum der Bayern geübt – Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel ist ganz auf seiner Seite
Der FC Bayern hat diese Saison in 51 Pflichtspielen 174 Tore erzielt. Macht 3,4 Treffer pro Spiel. Klingt gut, wird gegen Paris aber nicht reichen. Denn PSG schießt, das ist mein Learning aus dem Hinspiel, einen Haufen Tore sogar dann, wenn der Gegner besser ist.
Heute Abend, beim Rückspiel nach dem 4:5 in der französischen Hauptstadt, gilt für mich deshalb folgende Erfolgsgleichung:
FCB = PSG + 1 (bei PSG > 2).
Man verzeihe mir etwaige Ungenauigkeiten – mein Abi bestand aus Geschichte, Chemie, Französisch und Sport. Da fällt mir ein: Ottmar Hitzfeld, der 2001 die Champions League gewann, war früher Mathelehrer.
Worauf kommt es in der Allianz-Arena also an, wie schießt man vier Tore gegen eine Weltauswahl? Ich bin da ganz auf der Seite von Trainer Vincent Kompany: Es geht nur mithilfe der Fans.
Nun ist es aber so, dass in München eine besondere Konstellation herrscht: Ein Großteil des Publikums steht im Verdacht, direkt aus der Staatsoper zu kommen. Leicht müde, ein bisschen abgekämpft – und vor allem beschäftigt mit Essen und Trinken. Weshalb Haupt- und Gegentribüne nach der Pause oft minutenlang leer bleiben, als müssten erst die Sitzschalen gewartet werden.

Kompany hat das Stimmungsproblem in der Allianz-Arena selbst angesprochen (wie einst schon Jürgen Klinsmann, der deshalb die beiden Fanblöcke hinter den Toren auf einer Seite zusammenlegen lassen wollte). Der Belgier tat's zwar auf seine nette, nicht anklagende Art, aber irgendwie trotzdem vernichtend, so wirkte es zumindest auf mich.
Gegen Paris, bat Kompany sinngemäß: Wer sich nicht topfit fühlt, solle sein Ticket lieber weitergeben – die Mannschaft brauche „die Wucht der Allianz Arena“ und keine Zuschauer, die „leise sein“ wollen.
Dass sich ein Trainer sorgt, die Leute könnten im wichtigsten Spiel des Jahres, einem Halbfinale in der Königsklasse, zu leise sein, ist kurios. Hätte Kollege Niko Kovac das in Dortmund gesagt, würden die BVB-Fans nicht über den Vorwurf diskutieren, sondern über Kovacs Nachfolger.
Um die Kolumne einigermaßen versöhnlich zu beenden, weise ich darauf hin, dass beim Viertelfinal-Heimspiel gegen Madrid die Stimmung gut war. Auch Uli Hoeneß hat aktuell "zum ersten Mal das Gefühl, dass unser Publikum eine wirklich große Hilfe ist", wie der Ehrenpräsident des FC Bayern gestern sagte – ja, er sagte wirklich "zum ersten Mal".
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