Axel Hellmann bis 2031: Ein halbes Jahrzehnt für zwei Frankfurter Wahrheiten
Eine Saison ohne Europa, Pyro-Verletzte, ein gestärkter Sportvorstand: Der Vorstandssprecher verlängert in einem heiklen Moment. Was ist der Vertrag wert?
Bis Juni 2031: So lange bindet sich Axel Hellmann nun zusätzlich an Eintracht Frankfurt. Der 54-Jährige, seit 2012 im Vorstand und seit 2021 dessen Sprecher, hat am Mittwoch nach der Aufsichtsratssitzung verlängert. Das ist, gemessen an Halbwertszeiten in der Bundesliga, eine Ewigkeit. Und es ist eine Ansage in einem Moment, in dem die Eintracht sportlich gerade nicht das Bild abgibt, das Hellmann selbst gern zeichnet.
Denn der Satz, mit dem er seine Verlängerung umrahmt, klingt nach Hochglanz: außergewöhnlicher Weg, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, national und international starke Marke, digitale Vorreiterschaft. Das ist die eine Frankfurter Wahrheit, die der vergangenen Jahre. Die andere lieferte er gleich mit. Die abgelaufene Saison sei „sportlich prekär" gewesen, ein Jahr mit „gewissem Slapstick-Charakter", das man so nicht wiederholen wolle. Erstmals seit Jahren steht am Saisonende keine Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb.
Diese beiden Wahrheiten muss Hellmann nun zusammenhalten, und das ist die eigentliche Aufgabe der nächsten Jahre. Eine Marke, die sich über internationale Auftritte definiert hat, verträgt eine Saison ohne Europa schlecht. Die personellen Konsequenzen sind gezogen: Dino Toppmöller und Albert Riera sind weg, Adi Hütter, der schon einmal in Frankfurt arbeitete, übernimmt. Sportvorstand Markus Krösche bleibt, der Aufsichtsrat hat ihm nach Worten des Vorsitzenden Mathias Beck den „Rücken gestärkt", trotz der schwachen Spielzeit. Das ist eine Entscheidung mit Risiko, weil Krösche an den Kaderbaustellen, die diese Saison offenlegte, weiterarbeiten muss.
Hellmanns Vertrag betrifft aber nicht nur Frankfurt. Er ist Präsidiumsmitglied der DFL, und in dieser Doppelrolle wirkt eine Verlängerung bis 2031 wie ein Statement an die Liga: Der Mann, der in den vergangenen Jahren bei den großen Debatten um Investoren und Vermarktung mit am Tisch saß, bleibt im operativen Geschäft eines Klubs. Das ist nicht selbstverständlich. Viele in vergleichbaren Funktionen wechseln irgendwann ganz in die Verbandsetagen oder ziehen sich zurück. Hellmann tut weder das eine noch das andere, und das verschafft ihm Gewicht – an beiden Orten.
Dann ist da der Punkt, der über die Frankfurter Saison wie ein Schatten liegt: Pyro-Ausschreitungen mit Verletzten beim letzten Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart. Beck wurde am Mittwoch deutlich. „Sowas darf es bei uns nicht geben. Verletzte gehen nicht. So kann es nicht weitergehen. Wir müssen Maßnahmen ergreifen." Im selben Atemzug stellte er die Stehplätze im Stadion nicht infrage. Das ist ein klassischer Frankfurter Spagat: die Fankultur als Markenkern verteidigen, ihre Auswüchse aber nicht länger als Folklore durchwinken.
Wie ernst der Klub diesen Kampf führt, wird sich erst zeigen, wenn die ersten konkreten Maßnahmen vorliegen. Ankündigungen dieser Art hat es in der Liga viele gegeben, durchgesetzt wurde wenig. Hellmann hat hier, anders als beim Trainer oder beim Sportvorstand, kein einfaches Werkzeug zur Hand. Er muss mit den eigenen Fans verhandeln, mit der Polizei, mit der Liga, in der er selbst Funktionär ist. Es ist die unbequemste der Aufgaben, die vor ihm liegen, und vielleicht die, an der sich am ehesten ablesen lässt, was diese sechs zusätzlichen Jahre wert sind.