FIFA verbietet leere Flaschen in WM-Stadien - ein einziger Satz verrät den wahren Grund
Bei einem Turnier in heißen Sommermonaten wird der einfachste Schutz der Zuschauer ausgehebelt. Das Argument Sicherheit klingt vorgeschoben.
Manchmal reicht ein einziger Halbsatz, um die Prioritäten eines Verbandes offenzulegen. Im aktualisierten Verhaltenskodex der FIFA für die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada steht jetzt: „Um Zweifel auszuschließen: Wiederverwendbare Wasserflaschen dürfen nicht ins Stadion mitgebracht werden." Selbst leer, selbst transparent, selbst bei Temperaturen, die in vielen Spielorten die 30-Grad-Marke überschreiten werden. Wer durstig ist, kauft drinnen. Zu den alten Preisen, wie die FIFA ausdrücklich mitteilt.
Bemerkenswert ist nicht nur die Regelung, sondern ihr Werdegang. Noch im Mai hatte derselbe Weltverband im selben Dokument verkündet, leere, durchsichtige, wiederverwendbare Plastikflaschen mit einem Fassungsvermögen von bis zu einem Liter seien erlaubt. Wenige Wochen später ist daraus ein klares Verbot geworden. Begründet wird das, wie ein FIFA-Sprecher gegenüber AFP erklärte, mit Sicherheitsgründen: Mehrere Austragungsorte hätten wiederbefüllbare Flaschen ohnehin untersagt, man wolle „Risiken und Verletzungen für Spieler und Besucher" vermeiden.
Das Argument hat einen wunden Punkt. Eine leere Plastikflasche ist kein Wurfgeschoss, das man fürchten müsste, wenn man Stadien betreibt, in denen ohnehin volle, gekaufte Flaschen kursieren. Sicherheit ist hier ein Etikett, das man auf eine wirtschaftliche Entscheidung klebt, damit sie nach Verantwortung klingt. Dass die Preise für die im Stadion verkauften Wasserflaschen unverändert bleiben, hat die FIFA gleich miterklärt. Man hätte das nicht erwähnen müssen. Dass es trotzdem in der Mitteilung steht, sagt mehr über das Selbstverständnis als jede Pressekonferenz.
Während die FIFA ihren Kodex enger zieht, weiten andere den Blick. Die Forschungsgruppe World Weather Attribution kam in einem im vergangenen Monat veröffentlichten Bericht zu der Einschätzung, dass 26 der 104 WM-Spiele voraussichtlich unter Bedingungen stattfinden, bei denen die Wet-Bulb-Global-Temperature den Wert von 26 Grad übersteigt. Ab dieser Schwelle gilt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Sportler. Für Zuschauer, die stundenlang in der Sonne sitzen, ohne sich zu bewegen, dürfte die Lage nicht entspannter sein. Experten warnen vor genau diesen Risiken.
Ein Viertel der Spiele also unter Bedingungen, bei denen Hitze zur medizinischen Größe wird. Und der Verband, der diese Spiele ausrichtet, sorgt dafür, dass niemand seine eigene leere Flasche mitbringt, um sie an einem Wasserspender wieder aufzufüllen. Bei der Klub-WM im vergangenen Jahr in den USA galt dasselbe Verbot bereits. Aus dem Probelauf wurde Praxis. Aus Praxis wird jetzt Regel für ein Turnier mit Millionen Zuschauern.
Man kann diese Entscheidung sportpolitisch einordnen, juristisch prüfen, ökologisch beklagen. Am Ende bleibt eine schlichte Beobachtung: Die FIFA hat zwischen Mai und Juni eine Regel verschärft, die niemandem nützt außer den Anbietern in den Stadien. Sie hat das mit Sicherheitserwägungen begründet, ohne zu erklären, warum dieselbe leere Flasche im Mai noch unbedenklich gewesen sein soll. Und sie hat in derselben Mitteilung versichert, an den Verkaufspreisen werde nichts geändert.
Es geht hier nicht um eine Lappalie, nicht um die übliche Bürokratie eines Großereignisses. Es geht darum, dass ein Weltverband bei einem Turnier, das in einem klimatisch heiklen Sommer in drei Ländern ausgetragen wird, den einfachsten Schutzmechanismus für Zuschauer aushebelt: das eigene Wasser. Wer das tut, sollte sich nicht über Bilder wundern, die in den kommenden Wochen aus den Rängen kommen werden. Sie wird er sich angerechnet lassen müssen.