Adi Hütters Rückkehr nach Frankfurt: Die Erinnerung ist der unfairste Maßstab
Die Stadt hat ihn gefeiert und verstoßen. Der warme Empfang war eine Vorleistung, kein Freibrief, und der Applaus kann schnell kippen.
Es gibt Rückkehrer, die kommen als Heilsbringer, und es gibt Rückkehrer, die kommen mit einer Vergangenheit im Gepäck, die sich nicht abstreifen lässt. Adi Hütter gehört zur zweiten Sorte. Am Montag stand er wieder auf dem Trainingsplatz von Eintracht Frankfurt, hielt eine kurze Ansprache, ließ sich von rund 2000 Zuschauern beklatschen. Das ist ein warmer Empfang für einen Mann, der diesen Klub vor fünf Jahren in Richtung Borussia Mönchengladbach verlassen hat und dafür in Frankfurt lange als Verräter galt. Der Applaus war also keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Vorleistung.
Man sollte diese Rückkehr weder verklären noch kleinreden. Hütter hat in seiner ersten Amtszeit von 2018 bis 2021 geliefert, was diesen Verein bis heute definiert: das Halbfinale der Europa League, das Halbfinale im DFB-Pokal. Er kennt die Adresse, er kennt die Erwartungen, er kennt die Sehnsucht dieser Stadt nach großen Nächten. Genau darin liegt aber die Falle. Wer zurückkehrt, wird nicht am Neuanfang gemessen, sondern an der Erinnerung. Und Erinnerung ist der unfairste Maßstab, den es im Fußball gibt.
Der Vertrag bis Sommer 2029 ist ein deutliches Signal. Die Eintracht bindet sich nicht für ein Übergangsjahr, sondern auf lange Sicht an einen Trainer, der zuletzt bei der AS Monaco arbeitete und den Klub zweimal in die Champions League führte. Das ist ein Argument für die fachliche Qualität, kein Freibrief. Denn die Ausgangslage ist eine andere als 2018. Hütter übernimmt von Albert Riera, dessen Amtszeit als gescheitert gilt, und er übernimmt einen Verein, der erstmals seit sechs Jahren nicht im Europacop antritt. Wer hier von Anknüpfen an alte Erfolge spricht, meint zunächst Reparaturarbeit.
Die Entschuldigung für die Art seines damaligen Abgangs war überfällig, und sie war klug. Ohne diese Geste wäre die zweite Amtszeit von der ersten Sekunde an belastet gewesen. So aber hat Hütter die Voraussetzung geschaffen, überhaupt neu bewertet zu werden. Ob das reicht, entscheidet sich nicht in einer Ansprache, sondern in den Wochen, die kommen. Das Trainingslager am Chiemsee vom 23. Juli bis 1. August ist der eigentliche Beginn der Arbeit, nicht das Bad in der Menge am Montag.
Die ersten Prüfungen sind konkret und wenig glamourös. In der ersten Pokalrunde geht es zum Oberligisten SC St. Tönis, ein Spiel, das man nur verlieren kann, nicht gewinnen. Zum Bundesligastart wartet Union Berlin. Es sind keine Aufgaben, die Legenden schreiben, aber es sind Aufgaben, an denen sich früh zeigt, ob die Rückkehr eine sportliche Logik hat oder nur eine emotionale.
Die Gefahr ist offensichtlich: Die Nostalgie überstrahlt die Erwartung, und wenn die ersten Ergebnisse nicht stimmen, kippt der Applaus schneller, als er verklungen ist. Frankfurt hat Hütter einmal gefeiert und einmal verstoßen. Diese Stadt kann beides, und sie kann es schnell. Der Trainer bringt Kompetenz mit und eine Geschichte, die ihn zugleich trägt und belastet. Am Ende zählt nicht, wie herzlich der Empfang war, sondern was folgt: Ein zweites Kapitel wird nicht an der Rückkehr gemessen, sondern daran, ob es die Erinnerung an das erste rechtfertigt.
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