1860 München: Wenn der Investor zum Gefangenen seiner Anteile wird
Bis zum 3. Juni müssen die Löwen 2,7 Millionen Euro nachweisen. Scheitert das Modell, an dem der Verein seit Jahren hängt, ausgerechnet jetzt?
Der TSV 1860 München steht wieder einmal an einer Stelle, an der man als Außenstehender den Kopf schüttelt und als Anhänger der Löwen wahrscheinlich gar nicht mehr hinsehen mag. Bis zum 3. Juni muss der Drittligist beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Liquidität von 2,7 Millionen Euro für die 3. Liga nachweisen, das berichtet Bild. Gelingt das nicht, geht es runter in die Regionalliga, unabhängig davon, was sportlich auf dem Platz passiert ist. Es ist eine Frist, die man sich für einen Verein dieser Größe und Geschichte eigentlich nicht ausdenken möchte.
Man muss kein Münchner sein, um zu erkennen, dass dieses Muster bei 1860 inzwischen Methode hat. Jahr für Jahr stellt sich dieselbe Frage: Wer schließt am Ende die Lücke? In der Vergangenheit war die Antwort einfach. Hasan Ismaik, der umstrittene Investor, hat Fehlbeträge stets ausgeglichen, wenn es eng wurde. Diese Verlässlichkeit war für die Löwen Fluch und Segen zugleich, weil sie eine wirtschaftliche Eigenständigkeit nie nötig machte.
Genau deshalb ist die aktuelle Lage anders. Ismaiks Versuch, seine Anteile im Sommer vergangenen Jahres zu verkaufen, ist gescheitert. Ob er nun, da der Ausstieg nicht funktioniert hat, noch einmal zur Kasse geht, ist offen. Ein Investor, der eigentlich gehen wollte und nicht durfte, ist kein Investor mehr im klassischen Sinne, sondern ein Gefangener seiner eigenen Beteiligung. In dieser Konstellation ist jede weitere Überweisung eine Frage des Kalküls, nicht mehr der Routine.
Parallel dazu kursieren Gerüchte, die in München für vorsichtige Hoffnung sorgen. Eine Investoren-Gruppe um den ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger soll an einem Einstieg interessiert sein. Wie konkret das ist, lässt sich seriös nicht sagen, und Gerüchte sind im deutschen Fußball selten das Papier wert, auf dem sie stehen, bis sie es eben doch sind. Hitzlsperger als Name würde 1860 jedenfalls eine andere Tonlage geben als die, die der Verein in den vergangenen Jahren gewohnt war.
Was die Causa 1860 über das Sportliche hinaus interessant macht, ist das Lehrstückhafte daran. Ein Verein, der jahrelang seine Existenz an einen einzelnen Geldgeber geknüpft hat, verliert die Souveränität über die eigene Zukunft in dem Moment, in dem dieser Geldgeber zögert. Lizenzfragen werden dann nicht mehr im Verein entschieden, sondern im Wartezimmer eines Investors. Das ist die Pointe der Investorenabhängigkeit, und sie trifft 1860 nicht zum ersten Mal, aber vielleicht zum entscheidenden Mal.
Aus Sicht der Drittliga-Konkurrenz, aus Sicht der Regionalliga, aus Sicht des DFB ist das eine unangenehme Gemengelage, weil ein Absturz der Löwen sportlich wie strukturell Folgen hätte, die niemand wirklich will. Und doch sind die Regeln klar: 2,7 Millionen Euro, Stichtag 3. Juni, kein Spielraum. Der DFB kann hier nicht improvisieren, ohne sich angreifbar zu machen. Bleibt die Frage, wer in den nächsten gut acht Tagen den entscheidenden Anruf tätigt.
Für die Löwen geht es in dieser Woche um mehr als die Liga, in der man im Sommer antritt. Es geht darum, ob das Modell, mit dem dieser Verein seit Jahren lebt, an seinen eigenen Voraussetzungen scheitert. Die Antwort darauf wird man bis zum 3. Juni kennen.