WM-Debakel: Selbst Klopp würde jetzt nicht reichen

Deutschland scheidet bei der WM 2026 im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus – das dritte Turnier-Aus in Folge. Bundestrainer Julian Nagelsmann steht massiv in der Kritik, während eine Debatte um Jürgen Klopp als Nachfolger entbrennt.

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WM-Debakel: Selbst Klopp würde jetzt nicht reichen
IMAGO/Matthias Koch

Natürlich trägt Bundestrainer Julian Nagelsmann Verantwortung für das 4:5 im Elfmeterschießen gegen Paraguay, für das Aus im Sechzehntelfinale, das dritte deutsche WM-Scheitern in Folge. Deutschland war gegen einen limitierten Gegner erschreckend langsam und ideenlos. Paraguay war kein Rätsel. Paraguay war erwartbar. Wer jetzt aber nur Nagelsmann entlässt oder auf Jürgen Klopp als schnellen Retter hofft, hat aus dieser WM nichts gelernt.

„Wir haben keine Idee gehabt, was man macht, wenn alle elf quasi rund um den eigenen Sechzehner stehen“, analysiert Lars Werner (Kölner-Stadtanzeiger) im Fever Pit'ch Podcast. Er macht deutlich: Nagelsmanns Turnier scheiterte nicht an einem einzigen Abend, sondern an einer Haltung. Der Bundestrainer hielt an Ideen fest, die schon gegen Ecuador sichtbar an ihre Grenzen gestoßen waren: zu viel Zentrum, zu wenig Breite, zu wenig Tempo, zu wenig Anpassung. Dazu kamen diskussionswürdige Personalentscheidungen: Manuel Neuer statt Oliver Baumann, Joshua Kimmich nicht dauerhaft im Zentrum, Leroy Sané trotz Formdiskussion, Nick Woltemade ohne Turnierrhythmus im Elfmeterschießen. Nagelsmann hatte das Leistungsprinzip ausgerufen – und wirkte bei dieser WM doch wie ein Trainer, der Namen, Rollen und eigene Überzeugungen stärker gewichtete als den sichtbaren Zustand seiner Mannschaft.

Trotzdem wäre es bequem, jetzt nur Nagelsmann zu opfern. Denn die Krise des DFB-Teams ist älter als er. 2018 scheiterte Deutschland unter Joachim Löw, 2022 unter Hansi Flick, 2026 nun unter Nagelsmann. Drei Bundestrainer, unterschiedliche Ansätze – aber immer dieselbe ernüchternde Erkenntnis: Deutschland bekommt seine Qualität nicht mehr zuverlässig auf Turnierniveau. „Es ist, glaube ich, nicht damit getan, einfach nur Nagelsmann auszuwechseln“, sagt Werner. „Da scheint die Ursachenforschung doch ein bisschen tiefer gehen zu müssen." Genau deshalb trifft Mats Hummels den wunden Punkt, wenn er Konsequenzen nicht nur beim Trainer fordert.

Diese Konsequenzen müssen auch die Spieler treffen. Joshua Kimmich steht sinnbildlich für eine Generation, die führen wollte, aber bei Weltmeisterschaften immer wieder gescheitert ist. Wirtz und Musiala besitzen Weltklassepotenzial, wirken im Nationaltrikot aber nicht wie Unterschiedsspieler. Neuer war am Ende mehr Symbol alter Hierarchie als sportlicher Aufbruch. Und die nächste Generation? „Offenbar schaffen wir es nicht, die Talente so heranreifen zu lassen, dass sie dann auch für die A-Nationalmannschaft in Frage kommen“, sagt Werner.

Genau deshalb führt auch die entbrannte Klopp-Debatte in die Irre. Es wäre zu kurz gegriffen, Julian Nagelsmann einfach nur gegen Jürgen Klopp auszutauschen. Natürlich könnte Klopp Begeisterung auslösen. Natürlich wäre er der größtmögliche Gegenentwurf zu Nagelsmanns verkrampfter WM. Aber auch Klopp wäre kein Wunderheiler, wenn der DFB alles andere unangetastet ließe. Er müsste mehr sein als Bundestrainer: Reformer, Strukturbrecher, Hierarchie-Zerstörer. Werner sagt: „Ich erwarte natürlich auch, dass er dann an die Strukturen rangeht.“ Genau darin liegt die Wahrheit dieses Debakels: Deutschland braucht keinen Heilsbringer. Deutschland braucht einen neuen Fußballplan.

https://youtu.be/Vb5Z7T4y5R4?si=XiLLaxVVmJbmF2MY

Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.

Takeaways

- Deutschland scheidet bei der WM 2026 nach einem 4:5 im Elfmeterschießen gegen Paraguay im Sechzehntelfinale aus.
- Es ist nach 2018 unter Joachim Löw und 2022 unter Hansi Flick das dritte deutsche WM-Scheitern in Folge.
- Lars Werner kritisiert, dass Julian Nagelsmann an Ideen festhielt, die schon gegen Ecuador an ihre Grenzen stießen, mit zu viel Zentrum, zu wenig Breite und Tempo.
- Diskussionswürdige Personalentscheidungen betrafen Manuel Neuer statt Oliver Baumann, die Rolle von Joshua Kimmich, die Aufstellung von Leroy Sané sowie Nick Woltemade im Elfmeterschießen.
- Lars Werner betont, dass ein bloßer Austausch von Nagelsmann nicht ausreicht und die Ursachenforschung tiefer gehen muss.
- Joshua Kimmich, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Manuel Neuer stehen für eine Spielergeneration, die ihre Qualität auf Turnierniveau nicht zuverlässig abruft.
- Lars Werner erklärt, dass auch Jürgen Klopp als möglicher Nachfolger nur dann etwas verändern könnte, wenn er die Strukturen des DFB angeht.

Abschnitte

00:00 Die Entgleisung der deutschen Nationalmannschaft
02:56 Analyse der WM-Pleiten und ihre Ursachen
05:52 Julian Nagelsmann im Fokus der Kritik
08:45 Die Rolle des Trainers und seine Entscheidungen
13:03 Strukturelle Probleme im deutschen Fußball
16:09 Die Zukunft der Nationalmannschaft und mögliche Konsequenzen
24:08 Die Herausforderungen im deutschen Fußball
25:48 Die Rolle von Spielern und Trainern
28:47 Die Bedeutung junger Talente
30:51 Die Zukunft von Kimmich und Neuer
31:56 Die Suche nach dem idealen Bundestrainer
37:20 Die Notwendigkeit einer umfassenden Analyse
40:05 Der Weg zur Wiederherstellung des deutschen Fußballs

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