Widerspruch bei der FIFA: Der Preis heißt Kündigung

Ein Betriebsdirektor warnte, er könnte für seine Kritik den Job verlieren. Zwei Wochen später beweist der Weltverband, dass er recht hatte.

Teilen
Widerspruch bei der FIFA: Der Preis heißt Kündigung
IMAGO/Newspix

In einem offenen Brief warf Kevin Lamour seinem Präsidenten vor, die eigenen Mitarbeiter hintergangen zu haben. Er schrieb dazu, er nehme in Kauf, wegen dieser Kritik seinen Job zu verlieren. Am 17. August 2026 hat die FIFA ihm diese Rechnung präsentiert.

Gut zwei Wochen liegen zwischen Lamours Attacke und dem dürren Satz, mit dem sich der Weltverband von seinem Chief Operating Officer trennte. „Die FIFA dankt Kevin für seine zwei Jahre im Dienst und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft“, hieß es. Ansonsten „kein weiterer Kommentar“. Wer so wenig sagt, sagt gerade genug: Bei Gianni Infantino kostet Widerspruch den Arbeitsplatz.

Man kann die Sache nüchtern betrachten. Ein Betriebsdirektor, der seinen obersten Chef in aller Öffentlichkeit des Betrugs an der Belegschaft bezichtigt, hat sein Verhältnis zur Führung selbst zerrüttet. Von diesem Punkt an ist eine weitere Zusammenarbeit schwer vorstellbar, ganz unabhängig davon, wer im Recht war. Eine Trennung wäre in fast jedem Unternehmen die Folge.

Nur war Lamour eben im Recht. Sein Vorwurf richtete sich gegen Infantinos Plan, Anteile an der WM und anderen Turnieren an Investoren zu verkaufen – jenen Plan, den ein gewaltiger Aufschrei quer durch den Fußball begleitete. Und den Infantino nach ebendiesem Aufschrei selbst verworfen hat. Der Kritiker fliegt, der Kritisierte kassiert seine eigene Idee: Zwei Wege durch dieselbe Affäre, und nur einer führt aus der Tür.

Damit verliert der Verband nicht nur einen Manager, sondern eine Botschaft. Wer intern erkennt, dass ein Vorhaben dem Fußball schadet, hat zwei Optionen: schweigen und bleiben, oder reden und gehen. Lamour hat die zweite gewählt und dafür bezahlt. Jeder, der bei der FIFA noch etwas zu sagen hätte, hat diese Lektion mitgeschrieben.

Der Zeitpunkt macht es schlimmer. Infantino sammelt derzeit Unterstützer, um sich bei der Wahl im März als Präsident bestätigen zu lassen. In genau diese Phase fällt die Trennung von einem Mann, der ihn öffentlich der Illoyalität gegenüber den eigenen Leuten geziehen hat. Eine Organisation, die sich ihrer selbst sicher ist, hätte den Streit ausgehalten. Eine, die vor einer Wahl steht, räumt ihn weg.

Die Kulisse dazu ist ohnehin ramponiert. Die UEFA droht weiterhin mit einem Boykott von FIFA-Turnieren, der zurückgezogene Investorenplan hängt dem Präsidenten nach, und nun demonstriert er, wie mit denen umgegangen wird, die ihn früher gewarnt haben als die Öffentlichkeit. Lamour hatte den Verkauf von WM-Anteilen kritisiert, bevor Infantino ihn beerdigte. Für diese Voraussicht gibt es keinen Bonus, nur eine Abfindung nach zwei Jahren Dienst.

Die FIFA gibt „keinen weiteren Kommentar“ ab, und das ist der ehrlichste Teil der Mitteilung. Es gibt nichts zu erklären, was den Ablauf harmloser machen würde. Ein Mitarbeiter kündigt an, dass Kritik ihn den Job kosten könnte. Der Verband bestätigt es. Widerspruch bei Infantinos FIFA hat einen Preis, und Lamour hat ihn selbst ausgeschrieben.

Unbedingt lesen: FIFA trennt sich von Betriebsdirektor Lamour