Wegen Ebola-Ausbruch: Kongos Leopards dürfen zur WM, ihre Fans nicht

Die USA lassen das Team unter Auflagen einreisen, schließen Anhänger aus Ebola-Gebieten aber aus. Ein Zwei-Klassen-Zugang zur eigenen Elf.

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Wegen Ebola-Ausbruch: Kongos Leopards dürfen zur WM, ihre Fans nicht
IMAGO/Xinhua

Eine WM ohne die Demokratische Republik Kongo wäre eine seltsame Sache. Erst zum zweiten Mal nach 1974 haben sich die „Leopards" für eine Endrunde qualifiziert, und nun wäre ausgerechnet ein Virusausbruch beinahe zum bürokratischen Stolperstein geworden. Die USA haben Nicht-US-Bürgern die Einreise untersagt, wenn sie sich in den letzten 21 Tagen in der DR Kongo, Uganda oder dem Südsudan aufgehalten haben. Das ist eine Maßnahme, die im Kontext des Ebola-Ausbruchs nachvollziehbar ist, im Kontext einer Fußball-Weltmeisterschaft mit globaler Reisebewegung aber sofort heikle Fragen aufwirft.

Beantwortet hat sie nun ein hochrangiger, anonym bleibender Vertreter des US-Außenministeriums. „Wir gehen davon aus, dass das Team der DR Kongo an der Weltmeisterschaft teilnehmen kann", sagt er. Die Begründung ist pragmatisch: Die Kongolesen hätten ohnehin in Europa trainiert und seien daher möglicherweise von der Regelung gar nicht erfasst. Sollten Spieler zuletzt doch in der Heimat gewesen sein, müssten sie strenge Gesundheitskontrollen durchlaufen, ähnlich wie US-Bürger oder Personen mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus bei ihrer Rückkehr. Eine sportliche Lösung wird auf diesem Weg also gefunden, und das ist erst einmal die richtige Nachricht für ein Turnier, das vom 11. Juni bis zum 19. Juli stattfindet.

Schwieriger wird es bei einem zweiten Satz desselben Beamten: Eine generelle Ausnahme für Fans aus der DR Kongo werde es nicht geben. Damit ist die Trennlinie gezogen. Wer als Spieler zur Mannschaft gehört, kommt rein, gegebenenfalls nach Kontrollen. Wer als Anhänger seinem Team zur erst zweiten WM-Teilnahme der Verbandsgeschichte folgen will, bleibt außen vor. Das ist nicht zwangsläufig medizinisch unlogisch — Fans reisen häufiger direkt aus der Heimat an, Spieler haben ihr Trainingsumfeld in Europa —, aber es ist sportpolitisch bemerkenswert.

Denn eine Weltmeisterschaft lebt nicht nur von 26er-Kadern und Stadionrasen, sondern auch davon, dass jede Nation eine Stimme im Stadion hat. Houston, wo die Kongolesen ihr Quartier aufschlagen und am 17. Juni gegen Portugal das erste Gruppenspiel bestreiten, dürfte ohne kongolesische Fanblöcke ein anderer Ort sein als geplant. Dasselbe gilt für Guadalajara am 24. Juni gegen Kolumbien — wobei dieses Spiel ohnehin in Mexiko stattfindet — und für Atlanta am 28. Juni gegen Usbekistan. Die FIFA hat 2026 ein Turnier auf drei Länder verteilt, mit allen logistischen Reibungspunkten, die das mit sich bringt. Und nun zeigt sich: Auch gesundheitspolitisch wird dieses Turnier nicht so einheitlich funktionieren.

Die Frage, die bleibt, ist nicht juristisch, sondern grundsätzlich. Wenn ein Gastgeberland Mannschaften aus betroffenen Regionen unter Auflagen einreisen lässt, deren Bevölkerung aber nicht, entsteht ein Zwei-Klassen-Zugang zur eigenen Nationalmannschaft. Für die DR Kongo, die nach mehr als fünf Jahrzehnten Wartezeit zurück auf der größten Bühne ist, ist das eine bittere Begleiterscheinung. Sportlich werden die „Leopards" trotzdem in Houston stehen, und das ist die wichtigere Nachricht. Die unangenehmere lautet: Ihre Fans werden es nicht.