Was der neue Bundestrainer können muss
Der DFB sollte sich im Klaren darüber sein: Wer Jürgen Klopp holt, der bekommt Jürgen Klopp - mit allen Sonnen- und Schattenseiten
Eine Stellenanzeige des Deutschen Fußball-Bundes würde unter dem Punkt "Anforderungen" ein klares und zugleich stark aussiebendes Wunschprofil zeichnen. "Sie sind Deutscher, besitzen reichhaltige Erfahrung im In- und Ausland. Sie haben Titel gewonnen. Leidenschaft gehört für Sie zur DNA", zum Beispiel.
"Sie sind ein Motivator, ein akribischer Bessermacher. Perfekte Kommunikation ist ein Handwerk, das Ihnen im Blut liegt. Auch aus nicht laborhaften Bedingungen holen sie durch Ihren Einsatz stets das Maximum heraus."
Wer nun Jürgen Klopps Karriereprofil daneben legt, der kann eigentlich nur Haken um Haken um Haken setzen. Ein "perfect match"!
Oder?
Einerseits schon. Andererseits sollten einige Tatsachen nicht übersehen werden.
Klopp ist durch sein Engagement beim Hyperkommerz-Feindbild Red Bull selbst bei den Fanszenen in Dortmund und Mainz kein Stadtheiliger mehr, seine Reputation in gewissen Kreisen ist zerstört. Gegenargument: Die Mehrheit der Nationalmannschaftsfans, davon ist auszugehen, würde sich freuen, wenn er Bundestrainer würde.
Zudem sollte sich der DFB im Klaren darüber sein: Wer Jürgen Klopp holt, der bekommt Jürgen Klopp. Mit allen Sonnen- und Schattenseiten, zu denen ein Selbstbewusstsein an der Grenze zur Hybris ebenso gehört wie die Angewohnheit, Kopf voran durch die Backsteinmauer zu stürmen. Oder Allgegenwart in der Werbung. Kritikfähigkeit ist auch nicht seine Stärke. Der Verband müsste sich ihm wohl ausliefern. Mit Haut und Haaren.
Und wie weit ist es mit der vermeintlich angeborenen Lässigkeit in der Kommunikation her? Zur Erinnerung nur dies: Der Schattenmann, für alle ein potenzieller Nachfolger, witzelte am Tag des Eröffnungsspiels live im Fernsehen über die Zukunft des Bundestrainers, bevor die WM überhaupt begonnen hatte. Mit etwas Abstand ist es geradezu absurd, dass ihm so etwas passieren konnte.
Dennoch muss dem DFB wohl zähneknirschend zugeraten werden. Klopp, der (immer noch) Menschenfänger, der Anpeitscher, der gnadenlose Potenzial-Maximierer, dort, wo Weltklasse fehlt - das ist zu verlockend, um es nicht zu versuchen.