Vereine sind das Fundament unseres Zusammenhalts
Gemeinschaft, Verantwortung, Mitmachen: Warum der Amateurverein mehr denn je gebraucht wird – und wie jeder sich einbringen kann erläutert Gerd Thomas
Zusammenhalt ist eines der meistgenannten Stichworte. Die Organisation More in Common hat untersucht, wo Menschen ein besonderes Gefühl persönlicher Verbundenheit spüren. Wenig überraschend liegt die Familie weit vorne, etwa die Hälfte nennt den Arbeitsplatz, und bei mehr als einem Drittel folgt bereits der Verein.
Würden Kinder und Jugendliche in die Befragung einbezogen, dürfte dieser Wert noch höher ausfallen. Aber auch so zeigt sich die große Bedeutung für unsere Gesellschaft. Zudem sind mehr als die Hälfte der Befragten der Meinung, dass insbesondere Initiativen und Vereine viel Verantwortung übernehmen. Medien und Politik rangieren hier weit hinten. An dieser Stelle soll jedoch keinesfalls ein Plädoyer für Politikverdrossenheit, schon gar nicht die falsche Behauptung der „Lügenpresse“ verfestigt werden – das zur Klarstellung.
Auch wenn es nicht explizit abgefragt wurde, dürfte - bei 8 Millionen Menschen unter dem Dach des DFB - dem Fußballverein eine besondere Rolle zukommen. Während der Stadionbesuch nicht erst seit den Bildern vom Spiel Dynamo gegen Hertha für viele nicht (mehr) infrage kommt, bleibt festzuhalten, dass Anhänger von Proficlubs kaum Einfluss- oder Gestaltungsmöglichkeiten haben – von irrsinnigen Gewaltaktionen wie in Dresden einmal abgesehen.
Im Amateurverein ist das anders. Dort sind Mitgliederversammlungen meist überschaubar, fast überall werden Menschen gesucht, die sich im Sinne der Gemeinschaft einbringen. Es ist also vergleichsweise einfach, Ideen umzusetzen – die Möglichkeiten sind vielfältig. Hier einige Vorschläge:
- Werde Coach eines Jugendteams
- Engagiere dich in der Öffentlichkeitsarbeit
- Lass dich in den Vorstand wählen
- Suche Sponsoren für den Verein
- Organisiere eine systematische Elternarbeit
Es ließen sich noch viele weitere Beispiele finden. Bei allen geht es um Zusammenhalt, um direkten Kontakt mit Menschen, um gemeinsames und solidarisches Handeln. Das ist das Gebot der Stunde. Meine geschätzte Kollegin Susanne Amar sagt den Teilnehmenden in unseren Workshops zur Stärkung des Ehrenamts immer wieder: „Wir wollen euch Dinge vermitteln und mit euch erarbeiten, die euch helfen, ins Tun zu kommen!“ Genau darum geht es. Nicht versteinert zusehen und womöglich meckern, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen – also handeln.
Der Sportverein ist eine tragende Säule unseres Gemeinwesens!
Die am 22. Mai in Berlin stattfindende Amateurfußball-Konferenz der Hartplatzhelden trägt daher auch den Titel „Demokratie beginnt im Verein“. Das Ehrenamt wird eine zentrale Rolle spielen, weshalb wir uns sehr über den Besuch von Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Ehrenamt und Sport, freuen. Sie wird unter anderem mit Weltmeister Philipp Lahm über Zusammenhalt diskutieren.
Der DFB wird seinen Masterplan Amateurfußball vorstellen, Ansgar Thiel, Rektor der Deutschen Sporthochschule, wird die Rolle des Sports für die Demokratie erläutern. Vereine präsentieren ihre Ideen, ich selbst werde mich dem Thema Stärkung des Ehrenamts widmen. Ziel ist es, mit den Ergebnissen der Konferenz die Rolle des Amateurfußballs nachhaltig zu stärken. Das ist dringend nötig.
Die jüngsten Umfragen zeigen, dass ehrenamtliches Engagement im Sport rückläufig ist. Dem gilt es entgegenzuwirken. Am besten gelingt das im direkten Gespräch, wie Michael Franke, Vorsitzender der FT Gern-München, im aktuellen Hartplatzhelden-Podcast betont.
So viele Social-Media-Posts, Newsletter oder Kolumnen wir auch veröffentlichen mögen – der persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen. Der Wunsch nach mehr Kontakten, nach Begegnungen in der Nachbarschaft sowie nach Austausch und Diskussion wird auch in der Studie von More in Common deutlich.
Im Sportverein findet man genau das – jeden Tag.