Union in Zahlen: 4:17 Tore – und Rothe glaubt an den guten Weg
Ein Punkt aus vier Spielen, der schlimmste Saisonstart der Vereinsgeschichte: Bei Union Berlin ersetzt Trotz die fehlenden Antworten.
„Zahnarztbesuch für diese Saison abgehakt“, textete die Social-Media-Abteilung der Köpenicker nach dem 0:7 beim FC Bayern. Ein Satz, der sitzen soll wie ein trockener Witz nach überstandener Wurzelbehandlung. Nur ist bei Union Berlin nichts überstanden.
Denn dieses 0:7, die höchste Niederlage seit dem Aufstieg in die Bundesliga 2019, war eben kein einmaliger Zahnschmerz. Es verlängerte etwas, das viel tiefer sitzt: den schlechtesten Start der Vereinsgeschichte. Und gegen den hilft kein Galgenhumor, sondern nur ein Trainer, der weiß, warum sein Team gerade auseinanderfällt.
Tom Rothe fand für all das trotzige Worte. Ausgerechnet Rothe, der mit einem Foul am dreifachen Torschützen Michael Olise den Elfmeter verursachte, den Harry Kane zum 2:0 verwandelte. „Ich glaube trotzdem, dass wir auf einem guten Weg sind. Ich würde nicht alles so negativ sehen“, sagte er hinterher.
Man würde ihm den guten Weg ja gern glauben. Nur zeigt der Blick auf die Tabelle in die andere Richtung: ein Punkt aus vier Spielen, ein Torverhältnis von 4:17. Positive Dinge zu erkennen, wie Rothe es tut, ist bei diesen Zahlen halt ein Kunststück. Wer 17 Gegentore in vier Spielen kassiert, ist nicht auf einem guten Weg, sondern auf gar keinem.
Mauro Lustrinelli, der Schweizer Trainer, verweist derweil auf die Länderspielpause. „Ich freue mich auf die Pause, es ist wichtig für die Spieler, den Kopf freizubekommen.“ Und tatsächlich: Diese Wochen ohne Pflichtspiel sind das einzige Pfund, mit dem Union gerade wuchern kann. Zeit, um mit dem Kader zu arbeiten, ehe sich die Tabelle unten festsetzt. Zeit, bevor aus einem Fehlstart eine Talfahrt wird, die sich nicht mehr bremsen lässt.
Doch Zeit allein korrigiert nichts. Sie verschafft nur die Gelegenheit dazu – und ob Lustrinelli sie nutzt, hängt davon ab, ob er die Ursachen überhaupt sucht. Genau da wird sein eigener Satz zum Problem. „Für mich ist es wichtig, nicht zu lange zu überlegen, warum es nicht geht, sondern was können wir machen, dass es besser geht.“
Wer nach vier Spielen mit einem Punkt und 4:17 Toren das „Warum“ überspringt, springt über die entscheidende Frage. Denn ohne Diagnose keine Therapie, das weiß jeder Zahnarzt. Man kann eine Wurzelbehandlung nicht dadurch ersetzen, dass man beschließt, künftig besser zu kauen.
„Wir haben dieses Projekt begonnen, und wir gehen diesen Weg weiter“, sagt Lustrinelli. Das klingt nach Standfestigkeit. Aber ein Projekt, das mit dem schlechtesten Start aller Zeiten beginnt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob es trägt – und Trotz ist darauf keine Antwort.