UEFA gibt Boykott-Drohung auf - und fordert Infantino-Rückzug

Die Boykott-Drohung ist zwar offiziell vom Tisch, doch die UEFA verfolgt weiter das Ziel, den FIFA-Chef zu stürzen.

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Infantino steht unter Druck
Infantino steht unter Druck. Foto: AFP/SID/JAIME SALDARRIAGA

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat ihre Boykott-Haltung als Reaktion auf den inzwischen verworfenen FIFA-Investorenplan wie erwartet aufgegeben - Gianni Infantino aber indirekt zum Rücktritt aufgefordert. Sollte sich der Chef des Weltverbandes beim Kongress im März 2027 erneut zur Wahl stellen, werde die UEFA "sicherstellen, dass den Mitgliedsverbänden eine glaubwürdige Alternative angeboten wird", hieß es am Donnerstag in einer Erklärung der Mitglieder des UEFA-Exekutivkomitees, der europäischen Mitglieder des FIFA-Councils und der Präsidenten der UEFA-Nationalverbände.

Rund um die Auslosung zur Champions League in Monaco hatten die 55 nationalen Verbandsbosse um DFB-Präsident Bernd Neuendorf und das Exekutivkomitee um Hans-Joachim Watzke über weitere Schritte im Machtkampf mit Infantino beraten. Dabei sei ihnen mitgeteilt worden, dass die FIFA schriftlich bestätigt habe, dass etwas Vergleichbares wie der Investorenplan von Infantino nie mehr auf den Tisch kommen werde. Daher werde der Boykott europäischer Mannschaften bei FIFA-Wettbewerben der kommenden Saison "vorläufig" ausgesetzt, teilte die UEFA mit.

Die U20-WM der Frauen (ab 5. September), die als erstes Turnier von einem UEFA-Boykott betroffen gewesen wäre, findet damit wie geplant statt. "Diese Position wird fortlaufend überprüft und kann umgehend erneut geändert werden, falls die Umstände dies erforderlich machen", teilte die UEFA jedoch mit.

Infantino hatte sein Vorhaben, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren auch aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump zu verkaufen, nach massiver Kritik aufgegeben. Dies mache "weder die Täuschung, Einschüchterung und den Machtmissbrauch" vergessen, hieß es weiter: "Ebenso wenig stellt es das verlorengegangene Vertrauen wieder her."

Laut UEFA, die dazu eine Strafanzeige gegen den Schweizer "wegen krimineller Misswirtschaft" vorbereitet, werde es auch deshalb im Falle einer Kandidatur Infantinos einen Gegner geben, der sich "Integrität, Rechenschaftspflicht, Entwicklung und einem echten institutionellen Wandel" verpflichtet fühle. Ähnlich hatte sich Aleksander Ceferin zu Beginn der Woche geäußert.

Der UEFA-Präsident und dessen Administration seien "einstimmig" beauftragt worden, "alle verfügbaren institutionellen, politischen und rechtlichen Möglichkeiten" auszuschöpfen, hieß es. Das Ziel sei, "grundlegende Reformen durchzusetzen, die Befugnisse des Präsidenten wieder klar zu begrenzen und sicherzustellen, dass die FIFA wieder als Institution geführt wird – und nicht um eine einzelne Person herum".