Starmers Feiertagsversprechen an England: Ein Geschenk auf fremde Rechnung
Der scheidende Premier stellt einen freien Tag in Aussicht, den sein Nachfolger anordnen müsste. Und England steht nicht einmal im Halbfinale.
Es gibt einen Satz, der klingt großzügig und ist doch vor allem eines: unverbindlich. Keir Starmer, der scheidende britische Premierminister, stellt Englands Fußballern für den Fall des WM-Titels einen zusätzlichen Feiertag in Aussicht. "Was die Frage nach einem zusätzlichen Feiertag angeht – ich will es nicht verschreien, aber fragen Sie mich noch einmal, wenn wir ins Finale kommen", zitiert die BBC den 63-Jährigen. Der Termin, so heißt es, könnte der 24. Juli sein, der Freitag nach dem Endspiel. Ein schöner Gedanke – nur wird ihn ein anderer einlösen müssen. Denn hier liegt der Haken, der das ganze Versprechen entlarvt. Starmer legt sein Amt am 20. Juli nieder, Nachfolger wird Andy Burnham. Das WM-Finale findet einen Tag zuvor statt, am 19. Juli. Wer den Feiertag am 24. Juli tatsächlich anordnen müsste, sitzt dann längst nicht mehr im Amt. Starmer verspricht also etwas, dessen Umsetzung er getrost seinem Nachfolger überlassen kann. Das ist keine Politik, das ist ein Abschiedsgeschenk auf fremde Rechnung. Man kennt das Muster. Sportliche Erfolge sind für Regierende zu verlockend, um sie den Sportlern allein zu überlassen. Ein Titel, den elf Fußballer auf dem Rasen erarbeiten, wird flugs zum nationalen Projekt, an das sich anzuhängen lohnt. Der Feiertag ist dabei das dankbarste Instrument: Er kostet den, der ihn ausspricht, im Zweifel nichts, und er verspricht dem Volk ein Geschenk, das populär ist wie kaum ein anderes. Dass England seit dem Titelgewinn 1966 auf den nächsten großen Wurf wartet, macht die Verlockung nur größer. Es sei ausdrücklich gesagt: Ein freier Tag zur Feier eines WM-Titels wäre nichts Verwerfliches. Sechzig Jahre Warten sind eine lange Zeit, und ein Land, das seinen Fußballern zujubelt, darf sich das gönnen. Das Problem ist nicht der Feiertag. Das Problem ist der Zeitpunkt, zu dem er versprochen wird, und die Person, die ihn ausspricht. Ein scheidender Premier, der einen Bonus in Aussicht stellt, den ein anderer bezahlen muss, betreibt keine Staatskunst, sondern Selbstinszenierung. Und noch etwas fällt auf: das Vorpreschen selbst. England steht noch nicht einmal im Halbfinale. Am Samstag wartet in Miami Gardens erst das Überraschungsteam aus Norwegen, ehe in der Vorschlussrunde der Sieger aus Argentinien gegen die Schweiz drohen könnte. Harry Kane und seine Kollegen haben noch nichts gewonnen, aber die Politik verteilt bereits die Prämie. Wer so redet, nimmt den Sportlern die Arbeit ab, die sie noch vor sich haben – und stellt sich selbst ins Rampenlicht eines Erfolgs, der noch gar nicht existiert. Starmer hat es fein formuliert, das muss man ihm lassen. "Ich will es nicht verschreien" – ein rhetorischer Schutzschild, der ihm die Deutungshoheit sichert, ohne ihn zu binden. Er kann später sagen, er habe es ja geahnt, oder er habe nichts fest versprochen. Ein Politiker, der geht, sollte den Erfolg denen lassen, die ihn erringen. Der Feiertag gehört, wenn er kommt, den Fußballern und ihrem Publikum. Nicht dem Mann, der am Tag danach schon nicht mehr im Amt ist. Unbedingt lesen: Bei WM-Titel: England winkt zusätzlicher Feiertag