Spektakulärer Sieg gegen Haiti: Marokko als Zweiter weiter
Der WM-Halbfinalist von 2022 verpasst den Gruppensieg, steht jedoch als Zweiter im Sechzehntelfinale.
Ein Hackentor, ein Strahl in den Winkel - und ganz viel Spektakel: In einem teils wilden Schlagabtausch hat Marokko das Ticket für die K.o.-Runde der Fußball-WM gelöst. Gegen den aufmüpfigen Außenseiter Haiti gewann der Halbfinalist von 2022 sein letztes Gruppenspiel am Mittwoch in Atlanta mit mehr Mühe als gedacht mit 4:2 (2:2). In der Endabrechnung der Gruppe C belegen die Löwen vom Atlas Platz zwei hinter Rekordweltmeister Brasilien und vor Schottland.
"Es war ein verrücktes Spiel, so viele Tore. Ich bin sehr stolz, dass wir weiter sind. Wir müssen jetzt weitermachen", sagte Marokkos Kapitän Achraf Hakimi. Der Star von Paris Saint-Germain (39.), Bayern Münchens Wunschspieler Ismael Saibari (45.+1) mit seinem dritten Turniertor, Soufiane Rahimi (78.) und Gessime Yassine (89.) trafen für den Afrikameister.
Für den Underdog erzielten Lenny Joseph, der mit dem Absatz ein Eigentor von Marokkos Torwart Bono (10.) erzwang, und Wilson Isidor (43.) mit einem traumhaften Fernschuss die Tore. "Fußball ist ein wunderschönes Spiel, aber auch ein grausames", sagte Haitis Trainer Sébastien Migné: "Es war ein hochklassiger Gegner, unsere Fehler wurden bestraft."
Im Sechzehntelfinale trifft die Mannschaft von Nationaltrainer Mohamed Ouahbi in der Nacht zu Dienstag (3.00 Uhr MESZ) im mexikanischen Monterrey auf den Ersten der Gruppe F mit den Niederlanden, Japan und Schweden. Haiti hatte bereits vor dem Duell mit den Nordafrikanern keine Chance mehr auf das Weiterkommen gehabt.
Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Brasilien und dem 1:0-Erfolg gegen die Schotten peilte Marokko kein geringeres Ziel als den Gruppensieg an. Doch erst einmal drückten überraschenderweise vor allem die Haitianer. Unbekümmert stürmte der ausgeschiedene Fußball-Zwerg nach vorne und schockte den Favoriten früh. Eine flache Hereingabe von Jean-Kévin Duverne zauberte Joseph mit der Hacke über den Rücken von Bono ins Tor.
Der Rückstand weckte Ouahbis Spieler auf, vor allem über den agilen Saibari machten sie Druck. Das Transferziel der Bayern (23.), noch bei der PSV Eindhoven unter Vertrag, prüfte Haitis Keeper Johny Placide. Wenig später rettete der Schlussmann bei einer Doppelchance gegen Hakimi und Ayoub El Kaabi (30.). Und dann wurde es plötzlich wild.
Nachdem Placide einen Schuss des Stuttgarters Bilal El Khannouss noch parierte, drückte Hakimi den Ball über die Linie. Doch Isidor, der den Ball aus 20 Metern unnachahmlich ins obere Toreck drosch, stellte vier Minuten später den alten Abstand wieder her. Nur einige Augenblicke danach vollstreckte Saibari eine Vorlage von Hakimi eiskalt zum erneuten Ausgleich.
Auch nach der Halbzeitpause blieb Marokko offensiv dominant, einen satten Versuch von El Khannouss aus der Distanz kratzte Placide gerade so aus dem Eck. Gleichzeitig präsentierten sich Hakimi und Co. in der Rückwärtsbewegung nicht immer sattelfest. Zu fahrlässig erlaubten sie den Haitianern mehrere Kontergelegenheiten, die jene nur nicht gut genug ausspielten. Dann sorgte Rahimi nach einer Ecke für die Entscheidung, sein Schuss aus der Drehung flog abgefälscht ins Tor.