Southampton fliegt aus dem Play-off: Wenn Spionage den Wettbewerb zerstört

Ein gefilmtes Training, ein eingeräumter Regelverstoß, ein deutscher Trainer, der die Fragen meidet. Die Aufklärung darf jetzt nicht in der Sommerpause versanden.

Teilen
Southampton fliegt aus dem Play-off: Wenn Spionage den Wettbewerb zerstört
IMAGO/IPS

Es ist ein Urteil, das im englischen Fußball selten so deutlich ausfällt: Die English Football League hat den FC Southampton aus dem Aufstiegsfinale gegen Hull City genommen und den Klub zusätzlich mit einem Abzug von vier Punkten für die kommende Zweitliga-Saison belegt. Damit ist der Traum des deutschen Trainers Tonda Eckert von der Rückkehr in die Premier League beendet, ehe das Spiel überhaupt angepfiffen wurde. Um den letzten der drei Aufstiegsplätze spielen am Samstag um 17.30 Uhr in Wembley der FC Middlesbrough und Hull City. Boro, im Halbfinale gegen Southampton mit 0:0 und 1:2 nach Verlängerung gescheitert, rückt nach. Es ist eine Korrektur, die der Wettbewerb selten kennt.

Der Anlass ist nüchtern dokumentiert. Vor dem Halbfinal-Hinspiel wurde ein Klubmitarbeiter der Saints dabei beobachtet, wie er das Training des FC Middlesbrough ausspionierte. Die EFL teilte mit, Southampton habe „mehrere Verstöße gegen die EFL-Regularien im Zusammenhang mit dem unerlaubten Filmen des Trainings anderer Vereine" eingeräumt. Zusätzlich erhielt der Klub eine Rüge in Bezug auf sämtliche erhobenen Vorwürfe. Wer eingeräumt hat, was er getan hat, dem fehlt das Argument, das Urteil sei überzogen.

Die sportliche Dimension dieser Entscheidung ist groß, die strukturelle größer. Ein Klub, der sich in der direkten Vorbereitung auf ein Play-off-Spiel Informationen über das Training des Gegners verschafft, greift nicht in eine Grauzone, sondern in den Kern des Wettbewerbs. Das Halbfinale gegen Middlesbrough wurde unter Bedingungen bestritten, die eine Seite manipuliert hatte. Dass Boro nun nach Wembley nachrückt, ist deshalb keine sportliche Großzügigkeit der EFL, sondern die einzige Lösung, die der Logik des Verfahrens noch entspricht. Der Vier-Punkte-Abzug für die nächste Saison signalisiert, dass die Liga den Vorgang nicht als Einzelfall eines übermotivierten Mitarbeiters lesen will, sondern als institutionelles Versagen.

Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht Tonda Eckert. 33 Jahre alt, in einer Position, in der man auf der Insel nicht aus Versehen landet, und nun mit der Frage konfrontiert, ob er ein Betrüger sei. Er hat darauf nicht mit Erklärungen reagiert, sondern damit, dass er die Pressekonferenzen nach beiden Duellen mit Middlesbrough abrupt und verärgert verließ, nachdem nachgefragt worden war. Das ist menschlich nachvollziehbar und professionell ein Problem. Wer einen Klub durch ein Play-off-Halbfinale führt, in dessen Vorfeld ein Mitarbeiter den Gegner ausspioniert, schuldet der Öffentlichkeit zumindest die Bereitschaft, sich der Frage zu stellen.

Was Eckert wusste oder nicht wusste, klärt die EFL-Mitteilung nicht, und es ist nicht die Aufgabe einer Kolumne, das zu unterstellen. Aber Trainerethik im Profifußball besteht nicht nur darin, Spielpläne zu schreiben und Pressekonferenzen zu überstehen. Sie besteht auch darin, im Krisenfall sichtbar zu sein, statt den Raum zu verlassen. Eckert hat in dieser Woche zwei Termine genau dafür gehabt und beide ungenutzt verstreichen lassen.

Bleibt die unangenehme Frage, wie ein Klubmitarbeiter auf die Idee kommt, das Training eines Play-off-Gegners zu filmen, ohne damit zu rechnen, dass es jemand merkt – oder schlimmer: ohne damit zu rechnen, dass es jemanden stört. Southampton hat zugegeben, was zugegeben werden musste. Der Rest der Aufklärung steht aus, und er sollte nicht in der Sommerpause verschwinden.