Saudi-Arabien kauft sich WM-Fußball

Während sich PIF aus dem Golf zurückzieht, sichert sich der Staatsfonds einen WM-Sponsorendeal. Wie viel Nähe verträgt ein Weltverband noch?

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Saudi-Arabien kauft sich WM-Fußball
IMAGO/EPA

Die FIFA hat einen neuen Turniersponsor, und der Name lässt aufhorchen: Der saudi-arabische Staatsfonds PIF steigt bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) als Partner ein. Beteiligt sind mehrere Tochtergesellschaften, darunter die Savvy Games Group und Qiddiya City. Damit rückt PIF in die dritte Kategorie der FIFA-Partner. In der ersten Reihe stehen Adidas, Coca-Cola, Visa und seit 2024 der saudische Ölkonzern Aramco.

Wer mitzählt, erkennt die Tendenz. Saudi-Arabien sitzt im engsten wirtschaftlichen Zirkel der FIFA bald mit zwei Vehikeln am Tisch, und das Land ist gleichzeitig der Gastgeber der WM 2034. Hinzu kommt: Im Juni 2026 wird in Nordamerika gespielt, und ein Fonds, der nicht aus den drei Gastgeberländern stammt und auch nicht zu den klassischen Top-Partnern gehört, wird trotzdem prominent platziert. Die Botschaft an die Branche ist eindeutig, ohne dass sie ausgesprochen werden müsste.

Bemerkenswert wird die Sache durch den zweiten Vorgang, der praktisch zeitgleich läuft. PIF zieht sich aus der LIV-Tour zurück, jener Golfserie, die der Fonds erst zu einer ernsthaften Konkurrenz für die etablierten Touren aufgepumpt hatte. Bis Ende August läuft die finanzielle Unterstützung noch, danach ist Schluss. Die Begründung, die PIF mitteilte, klingt nüchtern: „Die erheblichen Investitionen, die LIV Golf langfristig benötigt, sind nicht mehr mit der aktuellen Phase der Investitionsstrategie von PIF vereinbar."

Übersetzt heißt das: Es wird sortiert. Wer die Entwicklungen der vergangenen Jahre verfolgt hat, sah einen Fonds, der breit ausgriff – Fußball, Formel 1, Boxen, Tennis, E-Sport, Golf. Jetzt wird offenbar verdichtet. Im Fußball wird investiert, beim Golf wird der Stecker gezogen. PIF-Vertreter Mohamed AlSayyad sagte zur FIFA-Partnerschaft: „PIF baut seine globale Präsenz im Sportbereich weiter aus, wobei Fußball im Zentrum dieses Wachstums steht." Das ist kein Marketingsatz, das ist eine Ressourcenentscheidung.

Pikant wird der Vorgang durch ein Detail aus der Konzernkommunikation. PIF hat kürzlich seine Strategie für 2026 bis 2030 vorgestellt – und der Sport kam darin nicht vor. Trotzdem unterschreibt der Fonds einen Sponsorenvertrag mit der FIFA und behält ein WM-Gastgeberrecht für 2034 in der Hand. Entweder ist der Sport in dieser Strategie so selbstverständlich integriert, dass er nicht mehr eigens erwähnt werden muss, oder er läuft inzwischen unter einer anderen Überschrift. Beides wäre eine Aussage.

Für die FIFA bedeutet der Deal Einnahmen und einen weiteren institutionellen Faden nach Riad. Für den Sportmarkt insgesamt ist die Botschaft härter: Das saudische Geld ist nicht überall, wo es einmal war, aber dort, wo es bleibt, wird es konzentrierter. Der Fußball steht in dieser Konzentration ganz oben. Die LIV-Profis, die sich vor wenigen Jahren mit langfristigen Verträgen aus den klassischen Touren herauskaufen ließen, wissen jetzt, was solche Zusagen wert sein können, wenn sich eine Investitionsphase verändert.

Es bleibt die Frage, wie die FIFA mit dieser wachsenden Abhängigkeit umgeht. Aramco in der ersten Kategorie, PIF in der dritten, das Turnier 2034 ohnehin in saudischer Hand. Eine Diskussion darüber, wie viel Nähe einem Weltverband guttut, wird es geben müssen. Vermutlich nicht in Zürich, sondern dort, wo Sponsoren noch unabhängige Entscheidungen treffen können.