Sandro Schwarz kehrt nach Moskau zurück - und schweigt zum Krieg

2022 ging er aus politischen Gründen, 2026 spricht er von schönen Erinnerungen. Zwischen beiden Sätzen liegt eine erklärungsbedürftige Lücke.

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Sandro Schwarz kehrt nach Moskau zurück - und schweigt zum Krieg
IMAGO/SNA

Manche Personalien zwingen einen, zweimal hinzuschauen. Sandro Schwarz, 47 Jahre alt, hat bei Dynamo Moskau einen Dreijahresvertrag bis 2029 unterschrieben. Verkündet hat es die russische Premjer-Liga am Freitag auf ihrer Webseite. Es ist die Rückkehr eines deutschen Trainers an einen Ort, den er im Mai 2022 mit klarer Begründung verlassen hatte: der politischen Situation nach Beginn des russischen Angriffskriegs.

Daran hat sich seither nichts gemildert, im Gegenteil. Der Krieg dauert an, und im März 2022 waren alle russischen Vereine von sämtlichen Wettbewerben der UEFA ausgeschlossen worden. Dieser Ausschluss gilt weiter. Wer in Moskau Trainer wird, weiß heute also präziser als 2022, worauf er sich einlässt: auf eine Liga ohne europäisches Schaufenster, auf einen Klub, dessen sportlicher Horizont an der russischen Landesgrenze endet. Und auf die unausweichliche Frage, was der eigene Schritt politisch bedeutet, wenn man ihn schon einmal anders beantwortet hat.

Schwarz selbst liefert für diese Frage in der vorliegenden Mitteilung keine Antwort. Er sagt, zitiert von der russischen Tageszeitung Sport-Express: „Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wir haben viele schöne Erinnerungen, aber jetzt freuen wir uns darauf, noch viele weitere schöne Momente gemeinsam zu erleben." Das ist die Sprache der Vereinskommunikation, der gemeinsamen Erinnerung, der schönen Momente. Vom Krieg, vom UEFA-Ausschluss, vom eigenen Rücktritt vor dreieinhalb Jahren ist in seinen Worten nichts zu hören. Das fällt auf, weil 2022 genau diese Dinge der Grund für seinen Schritt waren.

Auf Klubseite spricht der Vorstandsvorsitzende Alexander Iwlew, ebenfalls in Sport-Express, von einer Beziehung, die nie ganz abgerissen sei: „Sandro und Dynamo haben über die Jahre stets Kontakt gehalten und sich gegenseitig unterstützt." Auch dieser Satz ist bemerkenswert. Er beschreibt die Trennung von 2022 nicht als Bruch, sondern als Pause in einer fortlaufenden Verbindung. Wer 2022 ging und nun zurückkehrt, hat den Weg, so darf man Iwlew verstehen, nie wirklich verlassen. Was öffentlich wie ein politisch begründeter Rücktritt aussah, erscheint aus dieser Perspektive eher wie eine Unterbrechung des Dienstverhältnisses.