Rudi Völlers ehrliche Antwort: Der DFB ist nicht das Außenministerium

In Winston-Salem zieht der Sportdirektor eine Linie. Doch wenn Visa-Politik den Schiedsrichter aussortiert, wird der Fußball zum Mitspieler.

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Rudi Völlers ehrliche Antwort: Der DFB ist nicht das Außenministerium
IMAGO/Ulmer/Teamfoto

Rudi Völler hat in Winston-Salem ein paar Sätze gesagt, die man sich aufheben sollte. Der DFB-Sportdirektor sprach wenige Tage vor dem deutschen Auftaktspiel gegen Curacao in Houston über die jüngsten Eingriffe der US-Politik in diese Weltmeisterschaft, und er tat es in einem Tonfall, der irgendwo zwischen Irritation und Zurückhaltung lag. „Ich hätte das gerne anders gehabt. Das ist nicht schön zu sehen", sagte der Weltmeister von 1990. Hintergründe, schob er nach, könne er allerdings „nicht beurteilen". Das ist die ehrliche Variante der Antwort, die ein Sportfunktionär in dieser Lage geben kann.

Die Lage selbst ist bemerkenswert, weil sie sich aus drei Vorgängen zusammensetzt, die jeder für sich schon Stoff genug wären. Den somalischen Schiedsrichter Omar Artan, den besten Unparteiischen Afrikas, ließen die USA am Flughafen von Miami nicht ins Land. Teile der iranischen Delegation wurden ebenfalls abgewiesen. Und dem Iran wurden, wie der dortige Fußballverband am Dienstag mitteilte, kurzfristig auch noch die zugeteilten Eintrittskarten für die Gruppenspiele entzogen. Drei Eingriffe, die nicht im Stadion passieren, aber sehr wohl beeinflussen, wer dort steht, pfeift, sitzt.

Für den DFB ist das eine Konstellation, die man so nicht bestellt hat und auf die man trotzdem reagieren muss. Völler hat versucht, die Position des Verbandes nüchtern zu skizzieren: „Ich habe keine Angst, politische Fragen zu beantworten. Aber wir sind für solche Probleme die falschen Ansprechpartner. Wir konzentrieren uns darauf, eine gute WM zu spielen, den Rest wird man sehen." Das ist eine doppelte Botschaft. Erstens: Wir ducken uns nicht weg, wenn jemand fragt. Zweitens: Wir sind nicht die Adresse, an die man Beschwerden über die Visa-Politik der Vereinigten Staaten schicken kann.

Dass diese Trennung überhaupt so deutlich gezogen wird, hat mit Katar zu tun. Damals zog der DFB politische Themen bis in die Kabine, mit den bekannten Folgen für eine Mannschaft, die am Ende über Bilder und Bandagen mehr sprach als über Fußball. Diesmal, das stellt der Verband klar, sollen politische Themen von der Mannschaft ferngehalten werden. Die Frage ist nur, ob das in einem Turnier gelingt, in dem die Politik selbst – die des Gastgebers – immer wieder in den sportlichen Ablauf eingreift. Wenn ein Schiedsrichter nicht einreisen darf, ist das nicht mehr nur ein Visumsfall, sondern ein WM-Thema.

Völlers vorsichtige Linie ist nachvollziehbar, und sie hat den Vorzug, nicht zu mehr zu verpflichten, als der DFB einlösen kann. Sportverbände sind keine Außenministerien, und ein Sportdirektor in Winston-Salem ist nicht der Mann, der Einreisebescheide erklärt. Die Frage, wie offensiv sich Verbände positionieren sollen, bleibt nach Katar trotzdem im Raum, und sie wird in den nächsten Wochen nicht leiser werden. Wer einen somalischen Schiedsrichter aus Afrikas Spitze aussortiert, einer Delegation die Tür weist und einem Mitgliedsverband die Tickets entzieht, der zwingt den Fußball, sich zu verhalten – ob er will oder nicht.

Für den Moment ist Völlers Antwort die ehrlichste, die der DFB anzubieten hat. Sie verspricht keine Heldengeschichte, sie liefert aber auch keine Ausflucht. Was am Sonntag in Houston gegen Curacao zählt, entscheidet sich auf dem Platz. Was drumherum entschieden wurde, hat damit längst angefangen.