Rudi Völler ruft die Weltmeister von 2014 in die Pflicht
Der DFB-Sportchef nennt fünf Namen für Führungsrollen im Verband. Die erste Entscheidung steht schon zum Jahresende an.
Rudi Völler denkt öffentlich darüber nach, wer den deutschen Fußball in den kommenden Jahren führen soll, und er tut es mit Namen, die man sich merken kann. In einem Interview, das kicker, die Funke Mediengruppe, die Frankfurter Rundschau, die Süddeutsche Zeitung, die ARD und die Bild gemeinsam in Frankfurt am Main führten, hat der DFB-Sportchef die Rio-Weltmeister von 2014 in die Verantwortung genommen. Per Mertesacker, Mats Hummels, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira: fünf Namen, ein Signal. „Die Generation ist ja auch in der Pflicht, irgendwann Verantwortung zu übernehmen", sagte Völler. Und schob nach, er könne sie sich „alle wunderbar vorstellen irgendwann mal in einer Rolle im DFB, ob mit mir oder nach mir, weil die die Qualitäten haben."
Man muss diesen Satz zweimal lesen, um zu erkennen, wie klar Völler hier eine Linie zieht. Es geht nicht um Beraterpöstchen, nicht um Repräsentationsrollen, sondern um Führung. „Die machen es gut, haben Intellekt, verstehen den Fußball, da wird es welche geben, die ein Thema werden können." Wer die Reihe der Genannten durchgeht, sieht unterschiedliche Profile: den Nachwuchsdirektor eines englischen Klubs, den Fernsehanalytiker, den Weltmeister-Kapitän, den Ex-Nationalspieler mit internationaler Erfahrung. Was sie verbindet, ist der 13. Juli 2014, und das ist bei Völler offenkundig kein sentimentales Argument, sondern ein sportpolitisches.
Der konkrete Anlass ist keine ferne Personalie. Zum Jahresende wird der Posten des Geschäftsführers Sport frei, den bislang Andreas Rettig ausübt. Mertesacker gilt als heißer Kandidat, Schweinsteiger hat seine Bereitschaft, dem Verband zu helfen, bereits bekundet. Es ist also nicht so, dass Völler eine Vision in den Raum stellt, für die es noch keine Bewerber gäbe. Er sortiert vielmehr ein Feld, in dem die Bewegung schon begonnen hat, und er tut es öffentlich, mit dem Gewicht seines Amtes.
Dass er selbst dabei nicht abtritt, gehört zur zweiten Botschaft dieses Interviews. Völler bekräftigte, sein Amt als Sportdirektor bis zum Vertragsende 2028 weiterführen zu wollen. Das ist bemerkenswert, weil es die Rollenfrage entspannt. Wer Mertesacker oder Schweinsteiger holt, holt sie nicht als Ersatz für Völler, sondern in eine Struktur, in der der Sportchef bleibt. Das nimmt Nachfolgedruck aus der Debatte und erlaubt es, die Neubesetzung als Ergänzung zu denken, nicht als Ablösung.
Interessant ist auch, was Völler nicht tut. Er nennt keine Hierarchie zwischen den fünf Namen, er verteilt keine Ressorts, er kündigt keinen Zeitplan an. „Da sind einige dabei, die wollen das, und denen traue ich das auch zu, und das wird auch so kommen", sagt er, und dieses „irgendwann" ist konstitutiv für den ganzen Gedanken. Man kann darin Vorsicht sehen oder Kalkül. Vielleicht beides. Wer eine Generation in die Pflicht nimmt, sollte ihr die Möglichkeit lassen, sich zu ordnen.
Was bleibt, ist ein DFB, der laut über die eigene Zukunft nachdenkt, und ein Sportchef, der das Personal dafür beim Namen nennt. Man wird sehen, wer als Erster zusagt. Der nächstliegende Termin steht ohnehin fest: Zum Jahresende muss die Rettig-Nachfolge geklärt sein. Alles Weitere wird sich an dieser Entscheidung messen lassen.