Ramelow zieht gegen die FIFA vor die EU-Kommission

Die Spielergewerkschaft verlagert den Streit um den Kalender ins Kartellrecht und legt auch dem DFB eine Reformliste vor.

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Ramelow zieht gegen die FIFA vor die EU-Kommission
IMAGO/Matthias Koch

Carsten Ramelow hat am Montagabend in Gelsenkirchen die Tonlage verschärft, in der Spielergewerkschaften inzwischen über den Weltverband reden. Bei der Spielerversammlung der VDV kritisierte der Präsident den Spielplan der FIFA so deutlich, wie es ein ehemaliger Nationalspieler selten tut. Die Spitzenspieler würden „überlastet", sagte Ramelow, der Kalender führe „zu einer Kannibalisierung der Wettbewerbe". Der Fußball brauche keinen Gigantismus und müsse zu einem gesunden Maß zurückfinden, forderte der 52-Jährige.

Das sind Sätze, die man einordnen muss. Sie kommen nicht von einem Funktionär, der über den Wettbewerb verhandelt, sondern von einer Organisation, die für die Spieler spricht, die diesen Wettbewerb tragen. Und sie kommen nicht allein. Die VDV hat bei der Europäischen Kommission eine kartellrechtliche Beschwerde gegen die FIFA eingereicht. Damit verlagert sich der Streit um den Spielplan aus den Pressemitteilungen in ein Verfahren, bei dem nicht mehr über Terminkollisionen debattiert wird, sondern über die Frage, wer im Fußball überhaupt Wettbewerbe ansetzen und Spieler zu ihnen verpflichten darf.

Es ist dieser zweite Punkt, der Ramelows Kritik interessanter macht, als ihre bekannte Melodie zunächst vermuten lässt. Die Klage vor der EU-Kommission greift die Machtarchitektur an, nicht nur deren Symptome. Wenn die FIFA im Klub-Kalender eigene Turniere ausweitet und zugleich als Regulator auftritt, die den Spielern keine Veto-Position gibt, ist das eine kartellrechtlich mindestens fragwürdige Konstruktion. Es ist in der Sache derselbe Vorwurf, der im europäischen Fußball schon andere Verfahren ausgelöst hat. Dass nun eine Spielergewerkschaft nachzieht, verschiebt das Kräfteverhältnis.

Ramelow beließ es am Montag nicht bei der FIFA. Auch der DFB bekam seinen Teil ab. Der Verband müsse das nationale Transferrecht reformieren und die Möglichkeiten der Spieler weiter verbessern, forderte der VDV-Präsident. Hinzu kommt eine Reform der Regionalligen, bei der Ramelow einen vermeintlich simplen, in der Praxis seit Jahren vernachlässigten Grundsatz ins Zentrum rückt: dass jeder Meister direkt aufsteigt. Außerdem müssten Spieler besser vor Gehaltsausfällen geschützt werden, eine Forderung, die in den unteren Profiligen an Bedeutung gewinnt, sobald ein Klub ins Wanken gerät.

Man kann diese Forderungen als Paket lesen, und vielleicht sollte man das auch. Sie zielen auf dieselbe Leerstelle: Spieler haben in den Gremien, die über ihre Arbeitsbedingungen entscheiden, zu wenig Gewicht. Auf internationaler Ebene heißt das, mehr Termine, mehr Reisen, mehr Wettbewerbe ohne belastbare Mitsprache. Auf nationaler Ebene heißt es, ein Transferrecht, das Bewegungsfreiheit einschränkt, und ein Unterbau, in dem Meistertitel keine verlässliche Aufstiegsgarantie sind. Und es heißt, Verträge, die zerbrechen, wenn ein Klub insolvent wird.