Politik? Kimmich sieht Verbände in der Pflicht
Der Kapitän warnt in politischen Fragen vor falschen Erwartungen an die DFB-Stars.
Joshua Kimmich sieht die Verantwortung zur Positionierung in politischen Debatten nicht bei den Spielern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Es sei "die Aufgabe von Politik oder der Verbände, sich zu solchen Themen zu positionieren", sagte der Kapitän des DFB-Teams bei Sports Illustrated vor der WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli).
Es sei zwar "nicht die Lösung, keine Meinung zu haben. Jeder von uns hat zwangsläufig eine private Haltung zu gewissen Themen, und auch ich habe gewisse Werte, zu denen ich stehe", betonte der 31-Jährige: "Gleichzeitig ist es schwierig, diese Meinung in der Rolle des Fußballers oder des Kapitäns der Nationalmannschaft zu äußern. Denn nur weil man eine Meinung hat, ist man noch kein Experte."
Gerade politische Situationen seien "oft schwer einzuschätzen", sagte der Münchner, "selbst für die Menschen, die sich beruflich damit beschäftigen. Dass wir Spieler diese Probleme lösen oder daran etwas ändern können: Das ist die falsche Erwartungshaltung."
DFB-Sportdirektor Rudi Völler sieht das ähnlich. Es werde zwar "keinen Maulkorb" geben, sagte er zum Start der WM-Vorbereitung, aber er glaube, "dass wir gut daran tun, das ein bisschen zu trennen". Bei den vorangegangen Turnieren in Russland und vor allem in Katar hatten politische Diskussionen beim DFB für einige Unruhe gesorgt. Das Team scheiterte jeweils in der Vorrunde.
Verantwortliche des DFB betonten zuletzt, dass "Fehler" aus Katar nicht wiederholt und politische Themen aus der Kabine herausgehalten werden sollten. Menschenrechtsorganisationen blicken bereits seit Monaten mit Besorgnis auf die Entwicklung der USA unter Trumps Führung und warnen vor einen Instrumentalisierung des Sports durch den US-Präsidenten.