Pep Guardiola nimmt Abschied: Ein leiser Schnitt nach einem lauten Jahrzehnt

Zehn Jahre, zwanzig Titel, ein Champions-League-Sieg: Der Katalane verlässt Manchester City ohne Konflikt, ohne Drama, aber mit einer Lücke, die bleibt.

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Pep Guardiola nimmt Abschied: Ein leiser Schnitt nach einem lauten Jahrzehnt
IMAGO/Mark Pain

Zehn Jahre, zwanzig große Titel, ein Champions-League-Sieg: Pep Guardiola tritt als Teammanager von Manchester City zurück, der Klub teilte es am Freitag mit. Sein Vertrag wäre noch bis Juni 2027 gelaufen, doch der Katalane geht früher. Er bleibt der City Football Group als globaler Botschafter erhalten, wird in der neuen Rolle als Berater an Projekten und Kooperationen arbeiten. Es ist ein leiser Schnitt für jemanden, der den europäischen Vereinsfußball ein Jahrzehnt lang lauter geprägt hat als die meisten. Guardiola war im Sommer 2016 vom FC Bayern zu City gekommen, und was dann folgte, lässt sich nüchtern an Zahlen ablesen: 20 große Titel, der erste Champions-League-Triumph für den himmelblauen Teil Manchesters in der Saison 2022/23, dazu die Auszeichnung als Welttrainer des Jahres nach jener Spielzeit, die er mit vier Titeln abschloss. Er ist damit der erfolgreichste Trainer in der Geschichte der Skyblues. Auch in seiner letzten Saison reichte es noch zu zwei Pokalen, dem FA Cup und dem Ligapokal. Die siebte Meisterschaft aber bleibt ihm verwehrt; vor dem letzten Spieltag am Sonntag gegen Aston Villa steht der FC Arsenal als Champion fest. Was Guardiola in zehn Jahren in Manchester verändert hat, lässt sich schwer auf einen Begriff bringen, und er selbst versucht es in der Klubmitteilung gar nicht erst. „Fragt mich nicht nach den Gründen, warum ich gehe", wird er zitiert: „Es gibt keinen Grund, aber tief in meinem Inneren weiß ich, dass es Zeit für mich ist. Nichts ist ewig – wenn es so wäre, wäre ich noch hier." Es ist ein Abschied ohne Konflikt, ohne sportliche Notwendigkeit, ohne die übliche Dramaturgie. Stattdessen klingt es nach Erschöpfung und nach Dankbarkeit zugleich. Die Spuren, die er hinterlässt, reichen weit über Manchester hinaus. In den vergangenen zehn Jahren lieferte sich Guardiola ikonische Duelle, besonders die freundschaftliche Rivalität mit dem damaligen Liverpooler Trainer Jürgen Klopp sticht heraus. Diese Duelle haben die Premier League auf ein taktisches Niveau gehoben, an dem sich der Rest Europas messen lassen musste. Wer in den letzten Jahren über Aufbauspiel, Pressing oder Positionsspiel diskutierte, kam an Guardiolas City nicht vorbei – als Vorbild, als Reibungsfläche, als Gegenmodell. „Wir haben gearbeitet. Wir haben gelitten. Wir haben gekämpft. Und wir haben die Dinge auf unsere eigene Art gemacht. Auf unsere Art", sagt Guardiola in der Mitteilung. Es ist ein Satz, der den Stolz dieses Trainers zeigt, ohne in Pathos zu kippen. Wer ihm zehn Jahre lang zugesehen hat, weiß, dass das „auf unsere Art" der Kern war: die Sturheit, mit der er an seinen Ideen festhielt, auch wenn sie scheiterten, und die Konsequenz, mit der er sie weiterentwickelte, wenn sie funktionierten. Was bleibt, ist eine Lücke an der Seitenlinie eines Klubs, der ohne Guardiola nicht zu denken wäre, und die Frage, was kommt – für City, für die Premier League, für den Trainer selbst. Am Sonntag um 17.00 Uhr endet seine Zeit als Teammanager mit dem Spiel gegen Europa-League-Sieger Aston Villa. „Es hat so verdammt viel Spaß gemacht", sagt Guardiola. „Ich liebe euch alle." Mehr braucht es manchmal nicht.