Oliver Müller: Kovač wird niemals ein Pep Guardiola sein
Die Viererkette gegen Bayern war für den Welt-Journalisten ein Reifezeichen, kein neuer Dortmunder Weg. Das Fundament bleibt die Abwehr.
Die Viererkette von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern ist nach Einschätzung von Oliver Müller, Sportjournalist der Welt, ein Entwicklungsschritt, aber kein Kurswechsel von Trainer Niko Kovač. Das sagte Müller im Fever Pit'ch Podcast bei Gastgeber Malte Asmus.
„Kovač ändert sich nicht über Nacht“, sagte Müller. Er werde ein Trainer bleiben „mit einem sehr pragmatischen Ansatz“, einer, der sehr viel Wert auf Risikobalance lege. Dass Kovač sich mit der Umstellung Zeit gelassen habe, passt für Müller zu diesem Bild: Der Trainer habe sich viel Zeit gelassen, die Viererkette auszuprobieren, und sie zuvor im DFB-Pokal gegen einen Viertligisten getestet, bevor er sie gegen Bayern einsetzte.
Dass die Umstellung gerade gegen Bayern kam, überraschte Müller ein wenig: In dieser Saison hätten die Dortmunder die Viererkette im DFB-Pokal gespielt, aber in der ersten Runde gegen einen Viertligisten, und das sei etwas anderes, als sie gegen den FC Bayern auszuprobieren. Hinter dem Schritt sieht er eine Rechnung. Im üblichen System mit drei Innenverteidigern und zwei Schienenspielern hätte Dortmund nach Müllers Lesart einen Mittelfeldspieler weniger gehabt und keine Möglichkeit gehabt, die Bayern zu pressen. Die Münchner hätten sich dann, so Müller, im Zentrum das Bällchen nach Belieben zuspielen können, was die defensive Stabilität von Borussia Dortmund herausgefordert hätte.
Opfere man dagegen einen Innenverteidiger zugunsten eines weiteren Mittelfeldspielers, lasse sich das Zentrum eher kompakt schließen. Diese Rechnung, sagte Müller, habe in Kovačs Kopf mitgespielt. Zugleich zeige die Umstellung, dass Kovač die Mannschaft reif genug halte, um wieder in einem anderen System zu spielen.
Von Kovač als Trainer halte er viel, sagte Müller, und grenzte ihn doch klar ein. „Niko Kovač wird niemals ein Offensivapologet sein. Der wird niemals ein Pep Guardiola sein“, sagte er, und auch kein Vincent Wagner wie in Elversberg. Kovačs Strategie fuße auf einem „defensiv stabilen Fundament“. Die Kernfrage, die er sich stelle, laute nach Müllers Worten immer: Wie lässt sich dieses Fundament am ehesten stärken, und wie viel Risiko bleibt darüber hinaus möglich?
Damit ordnet Müller die Viererkette nicht als Bruch ein, sondern als Variante innerhalb derselben Grundidee. Der Wechsel des Systems verschiebt für ihn die Mittel, nicht das Ziel: Auch mit einer Abwehrkette aus vier Spielern bleibe die Absicherung des Zentrums der Ausgangspunkt, von dem aus Kovač überhaupt erst über das Risiko nach vorn entscheide.
Das ganze Gespräch mit Oliver Müller steht im Fever Pit'ch Podcast „Der BVB müsste längst vor Bayern stehen (mit Oliver Müller)“.
Den kompletten Fever Pit'ch Talk gibt's zu sehen unter diesem Link.
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