Nottingham Forest holt Oliver Glasner: Ein Gewinner in einer Trümmerlage
Vier Teammanager in einer Saison sind kein Betriebsunfall, sondern ein Zustand. Ob Marinakis dem Österreicher die nötige Zeit lässt, ist offen.
Es gibt Trainer, die man nicht wegen ihrer Bilanz einstellt, sondern wegen ihres Zugriffs. Oliver Glasner gehört zu dieser Sorte. Der 51-jährige Österreicher übernimmt Nottingham Forest, das hat der Klub am Montag bestätigt. Über die Vertragslaufzeit schweigen sich beide Seiten aus, was in der Premier League selten ein gutes Zeichen ist, in diesem Fall aber vielleicht schlicht Ausdruck jener Vorsicht, die man einem Verein empfehlen möchte, der gerade eine Saison mit vier Teammanagern hinter sich hat.
Vier Teammanager in einer Spielzeit — das ist keine Personalie, das ist ein Zustand. Nottingham hat den Abstieg nur knapp verhindert, und wer die Statik eines Fußballklubs auch nur ansatzweise ernst nimmt, weiß, dass sich solche Jahre nicht durch einen neuen Cheftrainer wegtrainieren lassen. Sie hinterlassen Spuren in der Kabine, in der Rekrutierung, in der Frage, wer im Zweifel entscheidet. Glasner tritt also nicht in ein Projekt ein, sondern in eine Trümmerlage, die als Projekt verkauft wird.
Sein Weg dorthin ist bemerkenswert konsequent. VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt, Crystal Palace — und in London hat er das getan, wofür er in Frankfurt schon einmal ausgezeichnet worden war: einen Titel geholt, in seinem Fall den FA-Cup und die Conference League. Für einen Trainer, der aus der österreichischen Bundesliga über den Umweg VfL Wolfsburg in die Premier League gefunden hat, ist das kein üblicher Karriereverlauf. Es ist die Kurzfassung eines Aufstiegs, den man in England inzwischen ernst nimmt.
Genau deshalb ist der Wechsel nach Nottingham interessant. Glasner hätte nach seinem Abschied von Palace warten können; er hat sich für einen Klub entschieden, der ihm die maximale Fallhöhe bietet. „Unser Ziel ist es, eine Mannschaft aufzubauen, die den Verein in den kommenden Jahren auf das nächste Niveau bringt und auf die unsere Fans stolz sein können", sagt er in der Mitteilung — ein Satz, der einiges über den Zeithorizont verrät, den er selbst einfordert. Und er ergänzt: „Ich freue mich auf die Zukunft und werde unermüdlich arbeiten, um diesen großartigen Verein mit Stolz zu repräsentieren und Erfolg auf den Platz zu bringen. Ich kann es kaum erwarten loszulegen."
Der zweite Satz, auf den es ankommt, stammt von Klub-Boss Evangelos Marinakis. „Oliver ist ein Gewinner", sagt er, und schiebt eine Erwartung nach, die man in dieser Deutlichkeit selten liest: „Unser Anspruch ist nicht einfach nur mitzuhalten — unser Anspruch ist es zu gewinnen, um große Titel mitzuspielen und einen Fußballverein zu schaffen, auf den unsere Fans noch viele Jahre stolz sein können." Das ist nicht die Sprache eines Präsidenten, der einem neuen Trainer Zeit einräumt. Das ist die Sprache eines Präsidenten, der Ergebnisse als Selbstverständlichkeit definiert.
Zwischen diesen beiden Sätzen liegt der Raum, in dem Glasner arbeiten muss. Die Premier League verzeiht Trainern vieles, aber sie verzeiht keine Klubführungen, die ihre eigene Ungeduld zum Programm erheben. Wer im Vorjahr vier Teammanager verschlissen hat, hat ein strukturelles Problem, kein sportliches. Glasner bringt genug Substanz mit, um daraus etwas zu formen — vorausgesetzt, ihm wird die Zeit gelassen, die Marinakis in seiner Ankündigung nicht in Aussicht stellt. Man wird sehen, wer sich in Nottingham am Ende an wen anpasst.